Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-04-30 · 17 (30.4.1915) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
17 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9114949--00309-9073136
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 30. Äpril 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 17 1915 Wochcnkalendcr (5675) njTin Mai Ijar TS 1P« Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 872 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Ausgang 8.10 Samstag 1 17 Sonntag 2 18 ittsn yh Montag 3 19 Dienstag 4 20 Mittwoch 5 21 Donnerstag 6 22 Freitag 7 23 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6V2 Herzog Rud.-Str. 7l/4 Inhalt! Dr- Max Brod: Religion und Nation. — — m. m.: Abraham Berliner. — Dr. phil. Sonja Rabinowitz: Die Juden in Polen. — Dr. H. Kadisch: Allrussischer und allpolnischer Antisemitismus. — Eiserne Kreuze. — Zeitungs-Echo, Welt- Echo usw. Religion und Nation Aus einem Vortrage Von Dr. Max B r o d , Prag. (Nachdruck verboten.) Dieses Thema ist keines, über das man sich leicht verständigt. Im Gegenteil: es hat seit jeher Anlaß zu den wesentlichsten Differenzen gegeben. Warum behandle ich es dennoch in einem der „Verständigung" gewidmeten Vortragszyklus? Weil man sich nicht durch Verschweigung, sondern nur durch offene Aussprache gerade der wesentlichen Differenzen verständigen kann. Diese Differenzen sind bei der heutigen Fragestellung nicht zwischen Ost und West gelegen, sondern sie bilden für den Osten und den Westen der Judenheit gleicherweise Probleme. Es gibt nämlich im Osten und im Westen — von zahlreichen Mittelparteien abgesehen — eine gleichsam radikal-religiöse Partei, die den jüdischen Nationalismus für gleichgültig, in extremen Fällen sogar für eine Gefahr hält. Umgekehrt gibt es Nationaljuden, die das Religiöse für gleichgültig oder in extremen Fällen sogar für eine „politische Rückständigkeit", für ein Hindernis bei der anzustrebenden „Verweltlichung" des jüdischen Volkskörpers halten. Meine Stellung ist keine vermittelnde, sondern eine entschiedene Ablehnung der beiden Standpunkte. Der Nationaljude empfindet meiner Ansicht nach die Religion als das nationale Gut des jüdischen Volkes, in ihr findet er die „jüdische Idee" am schärfsten formuliert. Welches ist diese „Idee des Judentums"? Diese Frage ist mit der Anerkennung der Religion als des wichtigsten Nationalgutes nur scheinbar gelöst. Es bleibt uns nicht erspart, innerhalb der verwirrenden Fülle von Normen, Vorschriften, Berichten usw. nach dem „Kern der jüdischen Religion" zu forschen. Solches Forschen nach dem Kern widerspricht nicht dem Wesen echter jüdischer Religiosität. Im Gegenteil: der ganze Talmud (Talmud heißt ja zu deutsch „Studium") ist ein Forschen nach diesem Kern. Das schöpferische Forschen im Gesetze, welches kein mechanisches Lernen sein darf, ist oberste religiöse Pflicht des Juden. Der Talmud ist kein Werk der Regeln, sondern der lebensvollen Konflikte mit Regeln, der ernsthaft abgewogen und aus dem Geiste von Hauptregeln begründeten Abweichungen von Regeln. (Man vergleiche die Erzählung von Rabbi Gamliel und dem Sklaven Tabi). Schon das immer wiederkehrende Suchen von Hauptregeln, in denen das gesamte Judentum und sein Geist sich konzentrieren soll (David nannte 11, Jesaja 6, Micha 3, Arnos nur eine: Suchet mich und lebet) ist ein Zeichen dafür, daß ein Zentrum gesucht wird, von dem aus alles übrige beurteilt werden soll. Erst derjenige, der dieses Zentrum außerhalb des Judentums findet, ist unreligiös. Wer die „Idee des Judentums" aus dem Studium der heiligen Schriften ableitet, wird von selbst durch immer tieferes Eindringen zum Richtigen gelangen. Dieses schöne Vertrauen auf sich selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.