Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 16 (25.4.1915)
- Date
- 1915-04-25
- Page
- Seite 132 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Das Jüdische Echo Nr. 1Ö 11 Ii „Man hat ihn auch wirklich darum gefragt." „Und was hat er geantwortet?" „Der Weltenschöpfer selber, sagte er, ist beim Auszuge aus Aegypten in Trübnis versunken — „Woher hat er das genommen?" „Ein Midrasch! Als die Kinder Israels das Meer überschritten und die Wasser Pharao und sein ganzes Heer ertränkten und begruben, da begannen die Engel Preislieder zu singen. Seraphim und Ophanim flogen in allen sieben Himmeln umher, mit melodischen Klängen, mit froher Kunde! Alle Sterne und Sternbilder begannen zu singen — zu tanzen! Und die Sphären. — Kannst du dir ihren Jubel vorstellen, da die Unreinheit selber versunken war? Nur der Weltschöpfer hat alle zu sich berufen und vom Throne der Herrlichkeit erscholl eine Stimme: „Geschöpfe meiner Hand ertrinken im Meer und ihr singt Jubellieder? Meine Kinder ertrinken im Meer und ihr freut euch und singt? Hat doch Pharao und sein ganzes Heer, hat doch die Kraft des Unreinen selber auch Qott geschaffen . . . Und sein Erbarmen ist über allen seinen Geschöpfen." So steht's geschrieben!" „Gewiß," seufzt Reb Serach. Er schweigt ein Weilchen, dann fragt er: „Wenn es noch einen weiteren Midrasch gibt, was hat er klar gelegt?" Reb Schachne nimmt eine ernste Miene an und erwidert: „Erstens, Belser Narr, ist keiner verpflichtet, etwas Neues zu sagen; es gibt in der Thora nichts Früheres und Späteres . . . Das Alte ist neu, das Neue ist alt . . . Zweitens hat er uns den geheimen Sinn davon enthüllt, daß man in der Hagadah sogar die zehn Plagen in einer traurigen Sinaitonart liest, die gleichsam durchwoben ist von Trübnis. Und drittens hat er damit einen Schriftsatz erklärt: „Freue dich nicht, Israel, frohlockend wie die Völker." Niedrig, grob freue dich nicht! Du bist kein Bauer . . . Rache ist kein jüdisch Ding." Uebersetzt aus dem Jüdischen v. Dr. Ernst Müller. Literarisches Echo J. L. Perez: Volkstümliche Erzählungen. Uebersetzt aus dem Jüdischen von Mathias Acher. Klein 8° 130 S. Jüdischer Verlag, Berlin, ungeb. M. 2.—, geb. M. 3.—. Aus den „Volkstümlichen Geschichten", wie aus den gleichfalls von Mathias Ascher (Dr. Nathan Birnbaum) meisterhaft übersetzten und ausgewählten „Erzählungen und Skizzen", die 1905 im Jüdischen Verlag erschienen sind, lernt man den echten Perez nicht nur kennen, sondern auch für immer lieben. Vereins-Echo München. Verein Bne Jehuda. Am 17. April sprach Herr Jakob Fränkel über M e n a s s e ben Israel. 1604 zu Lissabon geboren, wanderte M. b. I. im Knabenalter mit seinen Eltern nach Holland aus, wurde in Amsterdam erzogen und in seinem 18. Lebensjahr als gewandter Redner bereits zum Rabbiner der Amsterdamer Gemeinde berufen. Menasse beherrschte die hebräische, portugiesische, spanische, englische und lateinische Sprache mit Eleganz und Gewandtheit. In zahlreichen theologisch-philosophischen und historischen Schriften, von denen der „Conciliador" (Versuch eines Ausgleichs der scheinbar sich widersprechenden Bibelstellen) seinen Ruf begründete legte er Beweise seines umfassenden Wissens nieder. Berühmt ist auch seine lateinische Ode, eine poetische Paraphrase des 126. Psalmes. Christliche Gelehrte wie Hugo Grotius standen mit ihm in wissenschaftlichem Verkehr. Der bedeutendste Kanzelredner seiner Zeit, Pater Antonio Vieyra, besuchte mehrmals die Synagoge, um Menasses Predigten zu hören. Zur Aufbesserung seiner Verhältnisse gründete er in Amsterdam die erste hebräische Buchdruckerei. Sein Hauptverdienst liegt in seinen Bestrebungen für die Wiederaufnahme der Juden in England. Dafür war er schriftlich und auch persönlich beim Parlament und bei Crom well tätig. Durch die „Apologie für die ehrenwerte jüdische Nation und alle Söhne Israels" c\es Advokaten Eduard N i c k o 1 a s ermutigt, wandte er sich an den Lord- Protektor, von dem er schließlich das Gewünschte erlangte. Menasse hat leider die Früchte seiner schweren Arbeit nicht mehr erlebt. Von Cromwell in hohen Ehren und mit dem Versprechen eines lebenslänglichen Jahresgehaltes von 100 Pfund Sterling entlassen, starb Menasse auf der Rückreise in Middelburg (1657), Der Redner erntete für seine eingehenden Auseinandersetzungen, die durch wörtliche Zitate besonderes Interesse erweckten, reichen Beifall. Der Vorsitzende hob die rege innere Teilnahme des Redners für das ersprießliche Gedeihen des Vereins hervor. M. b. E. Regensburg. Am vergangenen Sonntag sprach Herr Jakob Reich aus München in der Zionistischen Ortsgruppe über das Thema: „Weltkrieg und Judenproblem". Seine wohldurchdachten, scharfumrissenen Ausführungen ließen aufs neue erkennen, daß das Judenproblem trotz des Krieges und der Verbrüderung aller Parteien nicht aufgehört hat, zu existieren. Im Gegenteil, das Problem ist auch dem Skeptiker jetzt klarer erkennbar durch die offizielle Anerkennung des jüdischen Volkstums in Polen. Durch die Umwälzungen im Orient sind auch dort neue Probleme geschaffen worden und der Zionismus wird dort nicht zuletzt neue Bahnen finden. Der Vortrag wurde durch Tatsachenbelege erläutert und gab allen Anwesenden Anregung zu erneutem Nachdenken über das dem Vortrag zugrunde liegende Problem. Propagandistisch zugunsten der zionistischen Bewegung hatte jedoch der Vortrag nicht minderen Erfolg. Die Ortsgruppe konnte neue Mitglieder aufnehmen, andere erklärten sich bereit, vorerst einmal N. F.-Büchsen bei sich aufstellen zu lassen, auch konnte eine größere Geldsumme dem zionistischen Hilfswerk zugeführt werden. Dr. P. W-O. Anzeigen-Echo München. Wanderbund „Blau-Weiß". Für Mädchen: 25. 4.: 1. und 2. Zug 7.45 Uhr. Starnberger Bahnhof. Pasing-Bruck. 55 Pf. 3. Zug. 8.30 Uhr. Sendlingertorplatz-Mühltal. 45 Pf. Für Buben: 1. und 2. Zug 1.30 Uhr. Stieglmaierplatz- Moosach. 5 Pf. München. Verein Bne Jehuda. Samstag, 24. April, Vortrag des Herrn cand. phil. et hist. Leo Glück über Josephus Flavius. Abends 9 Uhr im Hotel Reichshof. Gäste herzlich willkommen. Sonntag, 2. Mai (Lag Beomer), nachmittags voraussichtlich: Ein literarisches Jugendgericht (nach den „Jüdinnen" von Max Brod). - Ver,e:B. He,,e,Ä