Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 15 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis- Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzi". M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verl ag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 16. Äpril 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 15 1915 Wochcnkalendcr (5675) njnn Äpril Ijar V*H sns» vntn Samstag 17 3 n"m p"Qö Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 8'/2 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sonntag Sabbath-Äusgang 7.48 18 4 Montag 19 5 w 'n Dienstag 20 6 Mittwoch 21 7 Donnerstag 22 8 ^ön 'n Freitag 23 9 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 lf4 Herzog Rud.-Str. 7 InhdltZ Prof. Dr. Arthur Cohen: Gibt es ein — jüdisches Volk? — Max Haushofer: Aus „das Volk und sein Staat." — -1-s: Die „Ausländer." — Dr. phil. Sonja Rabinowitz: Die Juden in Polen. — Eiserne Kreuze. — Feldpostbrief. — Von dem Gefangenenlager Puchheim. — Zur Lage der jüdischen Kolonien in Galiläa. — Josef Maria Mayer: Die große Judenverfolgung in München im Jahre 1285. — Zeitungs-Echo, Welt-Echo usw. Gibt es ein jüdisches Volk? Wie jede politische Frage, so kann auch der Zionismus jwissenschaftlich behandelt werden. Er kann also nicht nur zum Gegenstand der Propaganda oder des Angriffs, sondern auch zum Gegenstand objektiver Untersuchung — unter Ausschaltung aller Beweggründe für und wider — gemacht werden. In diesem Sinne wollen die nachfolgenden Zeilen aufgefaßt werden. In der zionistischen Bewegung und zwar bei ihren Freunden und Gegnern, hat der Umstand störend gewirkt, daß die grundlegenden Begriffe (Volk und Staat, Nation und Rasse) nicht genügend geklärt sind, namentlich hinsichtlich ihrer Abgrenzung gegeneinander, daß sich keine gemeinsame Ansicht über ihre Bedeutung gebildet hat. Natürlich können diese Begriffe in den das Judentum betreffenden politischen Fragen keine anderen sein, wie in der Politik überhaupt. Aber auch abgesehen davon ist es nicht ohne Wert, die staatsphilosophischen Theorien der zionistischen Bewegung an den Ergebnissen der Forschung von Zeit zu Zeit neu zu orientieren. Hiezu eignen sich besonders solche Werke, in denen ähnliche Probleme behandelt werden, z. B. die Nationalitätenfrage, das Verhältnis zwischen Staat und Volk, der Gegensatz zwischen Staatsverwaltung und Selbstverwaltung usw. Vor kurzem habe ich ein nachgelassenes politisches Werk von Max Haushofer, dem im Jahre 1907 verstorbenen liberalen Politiker und Publizisten, mit dem Titel: „Das Volk und sein Staat" herausgegeben.*) Schon aus diesem Titel, den ich als Herausgeber wählte, geht die eigentümliche Auffassung Haushofers über das Verhältnis von Staat und Volk hervor. Der Staat ist ihm ein Besitztum des Volkes. Besitztümer des Volkes sind: Land, Staat, Sprache, Sitte, Religion, Recht, Geschichte, Literatur und Kunst usw. Diese Besitztümer sind zugleich die „Bänder", die das Volk zusammenhalten. Von diesen Bändern mag das eine oder das andere locker sein oder völlig fehlen, und dennoch können die übrigen stark genug sein, einen dauernden und kräftigen Zusammenhalt des Volkes zu schaffen. „Das vollkommene Volk hat seinen Staat." Aber es gibt auch unvollkommene Völker, das sind Gemeinschaften, die alles oder das meiste gemeinsam haben, nur keinen Staat. Ein solches staatloses Volk nennt Haushofer eine Nation. Die Nationalität ist ein Volkstum, das der einigenden Form des eigenen Staates entbehrt, weil es diese Form entweder noch nicht gewonnen, oder weil es sie verloren hat. Eine bloße Nation kann aber die Eigenschaft als Volk wieder gewinnen, wenn es *) Mit einer Einführung von Richard Qraf Du Moulin Eckart und einem Bildnis des Verfassers. Verlag von Ernst Reinhardt, München. Mittel 8°. 336 S. brosch. M. 3.50, geb. M. 4.50.