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Das jüdische Echo · 1915-04-02 · 13 (2.4.1915) · p. Seite 108

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
13 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 108 (sequence 8)
Language
German
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108 Das Jüdische Echo Nr. 13 Passah Von B ö r r i e s, Freiherrn von Münchhausen.*) Hier nimm das Brot ich zerschlags mit der Hand, Stell an den Tisch deinen Stecken, Heilig umschlingt uns ein mächtiges Band: Einst, einst Warst du wie ich ja in Mizraims Land! Häng um die Schultern zur Reise das Kleid, Wie unsere Väter es taten, Süß sind die Brote, sie Stenn dir bereit, Einst, einst War ja zum Säuern des Brotes nicht Zeit! Koste die Kräuter, wie Gott es gebeut, Bald wird er wieder uns lösen! Jeruschalajim, einst wird es erneut, Einst, einst Feiern wir dorten das Passah wie heut! *) Aus dem Buche „Juda", Gesänge von Börries, Freiherrn von Münchhausen. Verlag Egon Fleischel u. Co., Berlin. literarisches Echo Rabbiner Dr. Armin Abeles: Sind wir Juden oder Israeliten? Wien 1914. 24 S. Die Broschüre behandelt ohne wissenschaftlichen Ballast, aber mit überzeugendem Belegmaterial historische Entwicklung und Bedeutungswandlung der Begriffe: Juden, Israeliten (und Hebräer). Die Bezeichnung „mosaisch" für die jüdische Gemeinschaft verwirft der Verfasser, da Moses (im Gegensatz zu den meisten Religionen) nicht Stifter, sondern nur Lehrer der jüdischen Religion war. Der Name „Hebräer" hat sich in seiner Appellativbedeutung „Ausländer" im Munde der Nichtjuden erhalten und wird noch heute von den Antisemiten im Nebensinn von „lästiger Ausländer" angewandt, während im jüdischen Sprachgebrauch das Wort (weil es zu einem Spottnamen herabsank) allmählich verschwand. Auch „Jude" war ursprünglich die Bezeichnung der jüdischen Nation im Gegensatz zu den andern Völkern und wird in den nachexilischen Büchern der Bibel fast ausschließlich von Nichtjuden angewandt. Die Selbstbezeichnung war „Israel", dem die Propheten neuen Glanz zu geben wußten. Auch der Sprachgebrauch des Neuen Testaments und des Talmud und Midrasch kennt diese Unterscheidung. Sie setzt sich fort bis in die mittelalterlichen Schriften der Rabbinen und die synagogalen Poesjen. Während die nichtjüdische Welt in ihren offiziellen Rechtsurkunden bis zum Jahre 1846 nur von Judenwucher, Judenmord, Judensteuer, Judeneid usw. spricht, bedient sie sich seit 1848 des Wortes „Israeliten". Erst der jüngsten Zeit blieb es vorbehalten, dem Wort „Jude", welches heute noch ein gesellschaftliches Schibboleth für die christliche Welt ist, jüdischerseits seinen odiosen Charakter zu^ nehmen und ihn zu unserem alltäglichen Namen zu machen. „Israel", unsere frühere Selbstbezeichnung, wird allmählich das Kunstwort unserer religiös-schöpferischen Kraft. Es ist schade, daß der Verfasser für die moderne Geschichte der drei Bezeichnungen nur das deutsche Sprachgebiet berücksichtigt hat. Es wäre sehr interessant, die entsprechenden Verhältnisse in den übrigen Sprachgebieten zu untersuchen. M. M. Besprochene Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 23 804. Spenden-Echo Die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Berlin, Frankfurt a. M., Amsterdam, erlaßt einen von den Vorständen des „Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands", der „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner" und des „Allgemeinen Rabbiner-Verbandes in Deutschland aufs wärmste unterstützten Aufruf zur Veranstaltung eines großen Palästina-Tages der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Es ist allgemein bekannt, in welche Not die palästinensische Bevölkerung durch den Krieg gestürzt wurde. „Wir sind nicht nur als Juden," heißt es in dem Aufruf, „sondern auch als Deutsche zur Hilfeleistung verpflichtet und handeln auch im Sinne unserer Reichsbehörden, wenn wir einem Teile der notleidenden Bevölkerung des uns verbündeten ottomanischen Reiches mit dem Aufgebot aller Kräfte zu helfen uns bemühen." Deshalb sollen an den zwei letzten Tagen des Pessachfestes alle Spenden in den Gotteshäusern vereinigt werden, um dann in Palästina für die verschiedenen Bedürfnisse Verwendung zu finden. Noch in den letzten Tagen ist die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung vom deutschen Generalkonsul in Jerusalem durch das Auswärtige Amt zur kräftigen Fortsetzung des Hilfswerkes aufgefordert worden. Wir hoffen, daß die deutschen Juden die Not des Augenblicks zu würdigen wissen und sich in ausgiebigem Maße an dem Palästina-Hilfswerk beteiligen, um das Aergste von der schwer bedrängten, von Hunger und Seuchen bedrohten Judenschaft Palästinas abzuwenden. Nach Schluß der Redaktion Lord Rothschild in London ist gestorben. Er empfing noch vor kurzem den Besuch Nahum S o k o 1 o w s und Dr. E. W. Tschlenoffs, zweier Mitglieder des Engeren Actions-Comites der Zionistischen Organisation, die mit ihm über die Lage der jüdischen Kolonien in Palästina konferierten. Redaktionelles Echo Durch ein Versehen des technischen Personals ist in der letzten Nummer die Unterschrift unter dem Bilde weggeblieben, das in dem Artikel Chad Gadja eingefügt war. Die Gestalt stellt Rabbi Akiba dar. Der Holzschnitt stammt aus einer im Jahre 1560 in Mantua gedruckten Haggadah. Anzeigen-Echo München. Die Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur findet am 8. April 61/* Uhr abends in der Rabbinatskanzlei statt. München. Jüdischer Wanderbund Blau-Weiß. Fahrtenzettel: Mädchen: 4. April: Hofgartentor. 8 Uhr. Kosten 5 Pf. Buben: 7. bis 9. Ferientour. München. Verein Bne Jehuda. Samstag, 3. April, Pessachabend: Vortrag des Herrn Schriftsteller Josef Löwy: „Mojsche als Volksbefreier". Hierauf deklamatorische und musikalische Vorträge. Lokal: Restaurant Schwarz (nicht Jochsberger). Abends 9 Uhr. Programm 10 Pf. zur Deckung der Unkosten. Gäste willkommen. — Bibliothekstunde: Mittwoch, 7. April, abends halb 9 bis halb 10 Uhr im Vereinszimmer Hotel Reichshof, Zimmer Nr. 66, 2. Stock. Dortselbst liegen auch jüdische Zeitschriften auf. Druck und Verlag: B. Heller, Buchdruckerei, München, Herzog Maxstr. 4. — Verantwortlich für die Redaktion: Norbert Weldler München-Solln, Erikastr. 6, für den Anzeigenteil: Chr. Lehmeyer, München.

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