Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 11 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.— Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. 19. März 1915 mtä^z Epl Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. München / 2. Jahrgang Nummer 11 1915 Wochcnkalendcr (5675) njnn März Nisan ]DV Samstag 20 5 Sonntag 21 6 Montag 22 7 Dienstag 23 8 Mittwoch 24 9 Donnerstag 25 10 Freitag 26 11 Nip^l Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 8l/2. Herzog Rud.-Str. 7V2. Sabbath-Ausgang 7.05 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 —. Herzog Rud.-Str. 6V4. Inhalt. N. W.: Oesterreich nach dem Kriege. —— — Die Not in Polen! — Selma Blumberg: Karl Kautsky über „Rasse und Judentum". — Brief aus Erez-Israel. — Graf Witte gest. — David Pinski: Bergab, eine Purimgeschichte. — Welt-Echo, Gemeinden-Echo, Vereins-Echo, Literarisches Echo usw. Österreich nach dem Kriege Oesterreich seufzt unter der Strenge des Zensors. Selbst gegenwärtige Zustände, deren Behandlung nur die Eintracht zwischen Behörden und Publikum erhöhen würde, dürfen nicht kritisiert werden. Darum ist es nur zu begreiflich, wenn sich die Diskussion über die Zukunft der habsburgischen Lande und seiner Völker nach Deutschland flüchtet. So veröffentlicht denn auch ein österreichischer Politiker unter dem Pseudonym Munin im Verlag Eugen Diederichs eine in manchem Betracht aufsehenerregende Broschüre, deren Erscheinen in Oesterreich ganz unmöglich wäre.*) Munins „Forderungen" führen die Juden Oesterreichs jäh von jeglichen Hoffnungen, wenn sie überhaupt welche zu hegen gewagt haben, zurück in die Wirklichkeit. Wir wollen in seiner *) „Oesterreich nach dem Kriege. Forderungen eines aktiven österreichischen Politikers . lat- Flugschriften Nr. 3. Groß 8°. 31 S. 60 Pf. Schrift nicht den aufrichtigen — wenn auch unzulänglichen — Willen zu einer vernünftigen Orientierung der zukünftigen Nationalitätenpolitik in der Donaumonarchie verkennen. Aber es haften Munins Weltbild noch viel zu viel Fehler der alten Epoche an. Wir bewundern die tiefe Liebe des Verfassers zu seinem Volke, der sich nicht scheut, die, wie er angibt, jetzund zum alten Eisen gehörenden hochverräterischen Ziele der alldeutschen Partei mit aller Offenheit darzulegen, aber er vertritt eine „Forderung", der sich die nichtdeutschen Völker niemals willig fügen werden. Munin sieht den Sinn der Waffenbrüderschaft Oesterreich-Ungarns mit Deutschland in der Verteidigung des Germanentums gegen das Slawentum, der sich die Slawen Oesterreich-Ungarns in plötzlich aufdämmernder Erkenntnis ihrer Minderwertigkeit freudig angeschlossen hätten, und baut auf dieser Ansicht ein Luftschloß auf, in dem trotz allen loyalen Zugeständnissen der Deutsche Hausherr der Nichtdeutschen sein solle. Welch ein Irrtum! Was in diesem Kampfe die Slawen an Deutschland bindet, ist gewiß weniger die Einsicht, daß der deutschen Nation in Oesterreich die Führung gebühre, als vielmehr das Bewußtsein der slawischen Intelligenz, daß es den Schutz europäischer Zivilisation gegen russische Unterdrückung gelte, daß es den einzelnen Gliedern der slawischen Völkerfamilie unter dem Szepter der Habsburger allezeit besser gehen werde, als unter der Knute der Rc* manows. Nichts anderes! Möge auch die Bewunderung für das deutsche Volk bedeutend gestiegen sein und fürderhin ehrlich anerkannt werden. Wie die Slawen, so müßten sich, ginge es nach Munin, die über zwei Millionen Seelen starke, im Kultur- und Wirtschaftsleben bedeutende und sogar „nationale" Werte schaffende Judenheit auf die Suprematie der Deutsch-Oesterreicher gefaßt machen und — sie zu fördern bemüht sein. Zwar lassen die Ausführungen Munins eine erfreuliche Wendung in der Auffassung der Judenfrage durch die antisemitischen Deutschnationa-