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Das jüdische Echo · 1915-03-12 · 10 (12.3.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
10 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstallen oder den Verlag. — Bezugspreis- Viertel). M. 1.-, Halbj. M. 2.-, Ganzi". M.4.—, Einzelnummer 10 Pf.-V erlag „des Jüdischen Echos": München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 12. März 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 10 1915 Wochenkalender (5675) i"IJT)n März rtdar "1"TV HipB br^i Samstag 13 1 li> 27 BHin.TD Gottesd.: Morgens Haupsyn. 8'/2. Herzog Rud.-Str. 7V2. Sabbath-rtusgang 6 .5S Sonntag 14 28 Neumondankündigung Montag 15 29 Nisan |D\J pp T1DD DV Dienstag 16 1 »nn twn Mittwoch 17 2 Donnerstag 18 3 Freitag 19 4 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 —. Herzog Rud -Str. 6l/4. Inhalt! N.-n.: Jüdische Solidarität. — Felix ———A. Theilhaber: Skizzen aus dem Felde. — Eiserne Kreuze. — Selma Blumberg: Karl Kautsky über „Rasse und Judentum". — Enge: Brie! uns Molland. — David Pinski: Bergab, eine Purimgeschichte. — Welt-, Gemeinden-, Vereins-, Literarisches-, Bühnen-Echo usw. Jüdische Solidarität Nichts ist kleinen Menschen gefährlicher, als eine große Zeit. Neben allem Erhebenden und tief Beglückenden bedeutet sie doch auch für jeden eine große innere Gefahr, die nämlich, sich du i ch ihre Größe überwältigen und zu ihrem willenlosen Sklaven machen zu lassen. Es ist das Wesen jeder großen Epoche, daß sie nur von einem einzigen großen Gedanken, einer einzigen, alle hinreißenden Empfindung erfüllt ist. Die Einseitigkeit ist aber notwendigerweise etwas Außergewöhnliches, Vorübergehendes; unterwerfen wir uns kämpf- und widerstandslos völlig ihrer Gewalt, dann geben wir eine große Anzahl innerer Werte preis, deren wir später, wenn der Sturm der großen Epoche verbraust ist, wieder bedürfen werden. Nichts ist daher in solchen großen Zeiten für jeden einzelnen notwendiger, als seine seelischen und geistigen Werte gegen den Ansturm der Zeitleidenschaft zu stutzen und so das Große, Erhebende der Gegenwart zu erleben, ohne doch die Ideale und Ideen, die man bisher hoch gehalten, preiszugeben. Selten haben Menschen eine größere, gewaltigere Zeit erlebt, als es uns in diesen Monaten vergönnt ist. Wie notwendig es ist, dem Ansturm dieser Monate bei aller Hingabe an die sie erfüllenden Erlebnisse standzuhalten, erkennt jeder, der ruhigen Blickes um sich schaut. Weil wir gegenwärtig ganz und gar von nationaler Begeisterung erfüllt sind, halten sich viele für verpflichtet, ihrem Glauben an die Menschheit zu entsagen. Weil uns jetzt nur der Gedanke des Krieges beherrscht, haben Tausende das Ideal des einstigen Völkerfriedens, das ihnen bisher heilig gewesen war, preisgegeben. Weil wir alle in diesen Tagen völlig in den Dienst des Vaterlandes und des Staates aufgehen, erklären falsche Propheten die Postulate der Vervollkommnung und Ausbildung der Einzelindividualität für überwundene Dinge. Man kann diese Beispiele um viele andere vermehren. Ueberall zeigt es sich, wie sehr die Menschen den Gefabren der großen Zeit erliegen und so statt durch sie seelisch bereichert zu werden, nur ärmer und hohler aus ihr hervorzugehen drohen. Für niemand ist diese Gefahr größer als für uns Juden. Die schwierige seelische Situation innerlich widerstreitender und dennoch zu versöhnender Elemente, in die der Nichtjude durch den Krieg versetzt worden ist, besteht für uns Juden auch in normalen Zeiten. Sie ist das Charakteristikum und die Quintessenz unseres Galuthdaseins; daß wir Menschen sind und Juden bleiben wollen, daß wir Bürger unserer nationalen Vaterländer und zugleich auch Glieder des internationalen jüdischen Volkes sind ,dies ist ja der schwere, tiefe, seelische Konflikt, den unter den herrschenden Daseinsbedingungen des jüdischen Volkes nie völlig überwinden zu können, das tiefste Motiv unserer nationalen Renaissancebewegung bildet. Es ist nur natürlich, daß dieser Krieg diesen Konflikt erheblich verschärft hat. Denn der Krieg, der die Staaten entzweit, scheidet notwen-

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