Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 9 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^t! *S*£ Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten mwm^ E3 WM/MW^m Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pi. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 5. März 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 9 . «fotj M nn fcZ ...s,.: Ami & I <e- A l: tffpanhW-; ilbertshoie' f: >K 4 1915 Wochenkalender (5675) Hjnn März fldar -nx >3 Samstag 6 20 ms'D Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 8V2- Herzog Rud.-Str. 7V2- Sonntag 7 21 Sabbath-Äusgang 6«. Montag 8 22 Dienstag 9 23 Mittwoch 10 24 Donnerstag 11 25 Freitag 12 26 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6—. Herzog Rud.-Str. 6—. Inhalt \ N. W.: Staatsangehörigkeit und Natio- * nalität. — Der Literarische Abend des Jüdischen Echos.-Selma Blumberg: Karl Kautsky über „Rasse und Judentum". — Dr. Salomon D. Steinberg: Brief aus der Schweiz. — David Pinski: Bergab, eine Purimgeschichte. — Welt-, Gemeinden-, Vereins-, Literarisches-, Bühnen-Echo usw. Staatsangehörigkeit und Nationalität Den Zionisten wurde oft entgegengehalten, daß die Betonung eines Zusammenhanges der Juden aller Welt mit der Hingabe an das Vaterland sich nicht vertrüge. Dabei wurde für zweckmäßig angesehen, die Tatsache einer nationalen Einheit des jüdischen Volkes zu leugnen. Immerhin mußte zugegeben werden, daß die Juden der meisten Staaten einen gemeinsamen äußeren Feind hätten, indem sie unter derselben Erscheinung des in verschiedenen Graden auftretenden Antisemitismus zu seufzen hätten — also zumindest ein gemeinsames politisches Merkmal für sie bestände. Dessenungeachtet glaubte man den Standpunkt vertreten zu müssen, daß die Judenheit jedes Landes möglichst unabhängig und für sich den Kampf gegen diese feindliche Macht durchführen solle. Früher war das noch anders. Aber das historische Denken ist nicht die Stärke der öffentlichen Meinung, auch wenn es sich nur um Parallelen handelt, die noch kein Menschenalter zurückliegen. Bekanntlich ist ein Hauptverdienst der Alliance Israelite Universelle darin zu erblicken, daß sie sich, eingedenk ihres Wahlspruches „Ganz Israel bürgt für einander", ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen um jüdische Angelegenheiten sorgte. Allmählich geriet der Gedanke der Gemeinbürgschaft aus Gründen, deren Erörterung nicht in diesen Zusammenhang gehört, in Verfall und man beschränkte sich aus Furcht vor antisemitischer Nachrede notfalls auf philanthropische Maßnahmen palliativer Art, statt mutig im Bewußtsein unserer inneren Verbundenheit politisch tatkräftige Aktionen als die stets wirksamsten Mittel zur Erreichung besserer Zustände durchzuführen. Und der Krieg, von dem es heißt, daß er eingeschlummerte Kräfte zu neuem Leben erwecke und nie gekannte neu erstehen ließe, zeitigt bei uns Symptome eines Tiefstandes, wie wir ihn uns nicht einmal träumen ließen: selbst der letzte, im allgemeinen noch anerkannte, angeblich nur auf religiösem Grunde ruhende Zusammenhang zwischen den differenzierten Gliedern unseres Volkes soll in Zukunft bedeutungslos werden, folgten wir vereinzelt sich hervorwagenden Stimmen in der deutschen Judenheit. Als ob die Juden der kriegführenden Staaten aus Haß des Herzens einander gegenüberstünden und unsere Spaltung nicht das Ergebnis einer unerbittlichen geschichtlichen Entwicklung wäre, zu deren Objekt wir ohne unsern Willen geworden sind! Zu dem Kapitel, wie sich Staatsangehörigkeit mit den Sympathien für Konnationale in anderen Ländern vertrage, liefert jetzt Amerika einen Beitrag, der geradezu ein Schulbeispiel für unsere in alle Windrichtungen versprengten Volksgenossen bilden kann. Es ist in frischer Erinnerung, daß die Haltung der Vereinigten Staaten zu den feindlichen Mächten von zwei entgegengesetzten Strömungen abhängig ist. Hie die Dreiverband, hie die Zweibund freundlichen Elemente. Die den Zentrairnächten wohlgesinnten Bürger der Union