Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 7 (19.2.1915)
- Date
- 1915-02-19
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Das Jüdische Echo nen Mitteln betriebene wissenschaftliche Tätigkeit desselben seine staunende Bewunderung ausgedrückt hatte, die Leitung der Gesellschaft für die Dauer des Krieges zu übernehmen und die notwendigen Mittel in Amerika aufzubringen. Erfreulicherweise hat aber auch die türkische A r m e e 1 e i t u n g die Bedeutung eines solchen Instituts richtig eingeschätzt, und so waren wir mit ihrer Unterstützung in der Lage, den Betrieb des Instituts in dieser kritischen Zeit nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern ohne Aufwendung eigener Mittel weiter auszugestalten und gerade jetzt neue Aufgaben in Angriff zu nehmen, an die wir aus Mangel an Mitteln im vergangenen Jahre noch nicht heranzutreten gewagt hatten. Da ich annehme, daß die Leser für die Einzelheiten dieser umfassenden und für Palästina überaus wichtigen Tätigkeit Interesse haben werden, so gebe ich einen ausführlicheren Bericht. Es wurden Soldaten der türkischen Armee, die von tollwütigen oder der Tollwut verdächtigen Tieren gebissen waren, von Herrn Dr. B en am in unserer Tollwut-Impfstation in der üblichen Weise behandelt. Bald aber wandte sich der Kommandant von Jerusalenm an unseren Arzt mit dem Vorschlag, das Institut in den Dienst des Roten Halbmondes zu stellen. Herr Dr. B e h a m stimmte natürlich zu und die Herren des Instituts organisierten zunächst gemeinsam mit der Jüdischen Ärztegesellschaft in Jerusalem vierwöchentliche Krankenpflegekurse, für die sich sogleich gegen hundert Schüler und Schülerinnen meldeten. Die in hebräischer Sprache abgehaltenen Kurse behandelten die Grundzüge der Körperlehre, die Lehre von den ansteckenden Krankheiten, allgemeine Chirurgie, Verbandlehre mit praktischen Übungen, erste Hilfe, Desinfektion, Kranken- und Verwundeten- Pflege, praktische Übungen in Krankenhäusern und auf dem Felde; Prüfung. Auf Vorschlag der Regierung wurde sogleich nach Abhaltung der Prüfungen die erste Schwesterngruppe zusammengestellt. Ebenfalls auf Ersuchen der Regierung stellte sodann das Institut für die Armee mehrere Vaccine her. Herrn Dr. Behams Vorschlag, für die Bedürfnisse des Heeres auch anderweitige Sera, insbesondere Dysenterie-. Diphtherie-, Streptococcen- und, wenn möglich, auch Tetanus-Serum herzustellen, wurde von Herrn Generalarzt Dr. J u n g e 1 s mit Freude begrüt. Die Heeresleitung stellte, da die Anfertigung dieser Sera bisher im Institut nicht erfolgt war, alles Notwendige zur Verfügung, sie beschaffte dem Institut auf schnellstem Wege aus Berlin und Wien Pockenlymphe, ferner die Standard-Sera für Wertbemessung der Diphtherie und Tetanus- Heilsera von Ehrlich und Pal tauf-Wien. Ebenso wurden dem Institut die notwendigen Tiere, besonders Pferde und Kälber, zur Verfügung gestellt. Da sich überall in Palästina, auch in der Nähe der jüdischen Kolonien, Pockenherde finden, so war es längst unser Wunsch gewesen, Pockenlymphe im Institut herzustellen, die bisher aus Konstantinopel oder gar aus Bern, Paris oder Rußland beschafft werden mußte. Als in Jerusalem gerade einige Pockenfälle vorkamen, impfte Dr. Beham 365 Kinder verschiedener jüdischer Schulen, doch war nicht genügend Material für weitere Impfungen vorhanden. Auf Wunsch der Regierung sollen nun von dem Institut monatliche Berichte bei dem Sanitätsamt eingereicht werden. Die Tätigkeit der Instituts-Ärzte dürfte sich inzwischen wesentlich erweitert haben. Herr Dr. Beham wird demnächst über die gesamten Arbeiten des Instituts während der letzten P/a Jahre Bericht erstatten. Über das erste Jahr (1913) ist übrigens ein ausführlicher Bericht im Januar 1914 erschienen („Erster Bericht der Gesellschaft Jüdischer Ärzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina"), der jedem Interessenten auf Wunsch von dem Verfasser dieses Artikels (Charlottenburg, Droysenstr. 6) zugestellt wird. Jedermann begreift, welchen Nutzen eine ausgedehnte Tätigkeit unseres Instituts nicht nur der Bevölkerung Palästinas, sondern auch der türkischen Armee bringen kann; ist doch bei ungenügender Überwachung der ersten Infektionsfälle die Zahl der von Epidemien geforderten Kriegsopfer meist um das Vielfache höher als die Zahl der im Kriege Gefallenen. Wir begreifen auch, daß wir uns durch diese exakt-wissenschaftliche Tätigkeit des Institus, die allein imstande ist, die Infektionspforten rechtzeitig zu erspüren und zu verstopfen, den Dank der Bevölkerung und der Behörden verdienen werden. Der Bestand des Instituts muß daher unter allen Umständen sichergestellt werden. Nachdem es uns gelungen ist, hauptsächlich mit Hilfe einer großen Zahl kleiner Beiträge die Grundlagen für das Institut zu schaffen und gleich im ersten Jahre eine ansehnliche praktische und wissenschaftliche Tätigkeit zu entfalten, legen wir, obwohl es sich um weit ausgreifende Ziele handelt, auf die Einsammlung der kleinen Mitgliedsbeiträge großes Gewicht und bitten dringend, auch während der Kriegszeit die Einsendung der fälligen Mitgliederbeiträge nicht unterlassen zu wollen. (Zahlstelle: Bankhaus Veit, Seiberg & Co., Berlin, Französische Str. 49, Postscheckkonto Berlin 4396.)