Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 6 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Das Jüdische Echd höhte Aufmerksamkeit aller Zionisten und Zionsfreunde. Der Schekel hat eine doppelte Bedeutung. Mit dem praktischen finanziellen Zwecke verbindet diese demokratischeste Steuer, die das Judentum im Altertum kannte und in der Gegenwart wieder besitzt, das Bekenntnis zum Zionismus. Der Schekelaufruf ist gleichzeitig die Parole, für den jüdischen Erlösungsgedanken zu werben, damit sich die Zahl seiner Anhänger mehre. Ein großer Teil der deutschen Judenheit stand bisher nur deshalb dem Zionismus zurückhaltend gegenüber, weil er sein Wesen nicht erschaute. Die Haltung der Zionisten im Kriege hat nunmehr dazu beigetragen, e i n Vorurteil zu zerstören, das der Bewegung nachgerade nicht wenig Schaden gebracht hat. Heute erkennen auch unsere entschiedensten Gegner rückhaltlos an, daß der uns gemachte Vorwurf mangelnder Vaterlandsliebe zumindest ungerechtfertigt war. Durch die Taten haben die Zionisten bewiesen, was man ihnen früher nicht glauben wollte, daß sie zu den aufrichtigsten Patrioten im Deutschen Reiche gehören. Es entfällt also für die Zukunft die so oft gehörte Befürchtung, in unserer Bewegung liege eine Gefahr für die deutschen Juden, die volle Gleichberechtigung zu erlangen. Um unsere Gegner, denen die Erhaltung des Judentums noch eine Gewissenspflicht ist, zu gewinnen, harrt so eigentlich nur mehr e i n Irrtum, der sie vom Anschluß an unsere Reihen abhält, der Beseitigung. Die Eingliederung in unsere Organisation ist bedingt von der Überzeugung unserer nationalen Zusammengehörigkeit. Aber auch auf diesem Gebiete . gegensätzlicher Meinungen vollzieht sich schon eine Wandlung zu unseren Gunsten. Eine Wandlung, die zurückzuführen ist auf die Aussichten, die sich den Juden in einem befreiten Polen nach der besseren oder schlechten Seite eröffnen. Ihre Gesundung oder ihr Untergang ist abhängig von der Entscheidung, welche Freiheiten ihnen als V o 1 k werden eingeräumt oder streitig gemacht werden. Denn noch keinem Staatsmann — es sei wiederholtermalen auf die bekannten jüdisch-deutschen Proklamationen Deutschlands und Österreichs verwiesen — ist es eingefallen, die Masse der polnischen Juden, die sich in Sprache, Sitten, Bildung und Religion so deutlich von ihrer Umgebung abhebt, für „Polen jüdischen Glaubens'' zu halten. Daher rüttelt nicht etwa nur der Zionismus, sondern die von ihm doch wahrlich unbeeinflußt gebliebene Weltpolitik an der in Deutschland verbreiteten, ebenso beharrlich vertretenen wie unhaltbaren Auffassung, daß die Juden aller Welt nur — ach wie so schwache — religiöse Beziehungen verbänden. Der Teil der deutschen Juden, der aus vermeintlich opportunistischen Gründen oder vielleicht auch aus mangelnder Einsicht an der Behauptung festhalten will, daß uns die Merkmale einer Nation fehlen, wird somit allgemach durch die harten Tatsachen der Wirklichkeit eines Besseren belehrt. Darum ist anzunehmen, daß der sich vollziehende geistige Umschwung zunehmend stärker wird, daß er viele reif werden läßt für die Mitarbeit an unseren Bestrebungen. In dieser Woche kommt der Bibelabschnitt vom Schekel zur Verlesung Er sei eine Mahnung dafür, wie sich der Einzelne an das Ganze anfügen solle und hingeben müsse. In Anknüpfung an den Geist, der aus diesen Bibelversen spricht, ergehe an die Schwankenden der Ruf, alle kleinlichen Bedenken fallen zu lassen und sich der Organisation anzuschließen, die wegen ihrer Grundsätze und Größe die Ansprüche und Hoffnungen des gesamten ungeteilten jüdischen Volkes verkörpert und mehr als jede andere staatlich begrenzte dazu berufen ist, auch seine Rechte in der Gegenwart zu vertreten und zu verteidigen. N. W. * * * AUFRUF des Engeren Actions-Comites der Zionistischen Organisation. „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaff mg einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätie in Palästina " Baseler Programm. Wir wenden uns in schwerer Zeit an alle Mitglieder der Zionistischen Organisation mit der Mahnung, durch Erfüllung der zionistischen Pflichten für den Fortbestand der Organisation zu sorgen. Der Ausbruch des Weltkrieges mit allen seinen Begleitumständen hat unsere Organisation selbstverständlich schwer erschüttert, aber ihre Grundlage hat er unangetastet gelassen. Die Kraft der Zionistischen Organisation liegt in der Einheit des jüdischen Volkes und im Willen der Zionistischen Bewegung, dem heimatlosen jüdischen Volke die Heimat und damit die nationale Zukunft zu schaffen. Der Zionismus, der in Hunderttausenden unserer Volksgenossen lebendig ist, kann durch kein Ereignis entwurzelt werden, darum muß auch die Zionistische Organisation, das große Werk Theodor Herzäs, alle Gefahren überdauern. Gesinnungsgenossen! In dieser schweren Zeit bedarf es der äußersten Kraftanstrengung aller Zionisten, wenn wir die Zionistische Organisation als das Instrument erhalten wollen, durch das sich das jüdische Volk seine nationale Zukunft erringt. Darum fordern wir von jedem einzelnen Zionisten, daß er seine zionistische Pflicht erfüllt. Die Zionistische Organisation ist auf dem Schekel aufgebaut. Wenn sie ihre Größe erhalten soll, wenn sie nicht in einer Zeit versagen soll, in der ihr Aufgaben von weltgeschichtlicher Bedeutung gestellt sind, muß jeder einzelne Zionist dafür sorgen, daß die Zahl der Schekel, die von der Größe unserer Organisation Zeugnis ablegt, auch unter noch so schwierigen äußeren Verhältnissen nicht sinkt. Wer den Zionismus als Lebensnotwendigkeit des jüdischen Volkes fühlt, hört auf unsere Mahnung: SAMMELT DEN SCHEKEL!