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Das jüdische Echo · 1915-01-29 · 4 (29.1.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
4 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten mwm wM MM Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Yiertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos": München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 29. Januar 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 4 1915 Wochcnkalendcr (5675) Hjnn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Januar Schevath B3tP 30 15 31 16 Febr. 1 17 2 18 3 19 4 20 5 21 rfrüSO Gottesdienste: ~wv nt^Dn Morgens Haupsyn. 872- Herzog Rud.-Str. 78/4. Sabbath-Äusgang 562. Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 5 lU. Herzog Rud.-Str. 50U. Inhalt! Max Mayer: Zum 15. Sch'wat. — —^— Davis Trietsch: Palästina im Kriege (Schluß). — Kriegsnot in Palästina (Brief aus Jerusalem). — N. W.: Narcisse Leven. — Gefallene jüdische Krieger. — Eiserne Kreuze. — Feldpostbrief aus Galizien. — Feuilleton: Die Flucht der van Spandows von Arnold Zweig. — Wochen-Echo. Zum 15. Sch'wat Von Dr. Max Mayer, München Während draußen noch frostige Winterstürme die schneebedeckte Erde in eisigem Banne halten und kein Vorbote des noch fernen Lenzes uns Trost zu spenden vermag, begehen wir in warmen Stuben das „Neujahrsfest der Bäume". Wir feiern an früchtebeladenen Tischen den 15. Sch'wat als einen Tag des Frohsinns: an ihm beginnen in den kahlen Ästen unserer Bäume sich neue Kräfte zu regen, der tote Punkt des winterlichen Stillstandes ist überwunden und mit der Macht des siegenden Lebens steigen junge Säfte von den Wurzeln in die zartesten Adern empor. Das ist heute der für alle gläubigen Juden verbindliche Sinn des „Rosch-haschonoh le'ilonos", und mit solchen hoffnungsfreudigen Gefühlen feiert Israel in Ost und West seit Jahrhunderten das alljährliche Wiederaufleben der göttlichen Natur. Aber Feste haben wie Bücher ihre Geschichte und werden nicht zu allen Zeiten in gleicher Weise gefeiert. Die jeweilige Zeitgeschichte Israels bestimmt die Lichtreflexe seines Kalenders. Das Volk gibt seinen Festen trotz ewiger Unantastbarkeit ihres Kernes eine gewisse zeitlich und räumlich begrenzte Gegenwartsauslegung, es geheimnist in seinen Kalender sein stilles Sehnen und Hoffen hinein. Zu Zeiten der inneren und äußeren Knechtschaft begeht es mit besonderer Glut und Inbrunst die Feste seiner Befreiung, zu Zeiten der Judenverfolgungen und Ritualmordanklagen mit besonderem Jubel das Siegesfest über seine Hasser und mit besonderer Schwermut den dies ater seiner Geschichte. Wie verständlich, ja naturnotwendig erscheint uns unter diesem Gesichtspunkt die zähe Anhänglichkeit und Hingebung Jeschuruns gerade an das Fest des 15. Sch'wat! Eingesperrt in die schmucklosen Mauern des Ghetto, gebannt in die Berufe des bodenentfremdenden Handels, mußte sich Israel gegen diese systematische Austrocknung seiner alten naturfrohen Seele empören. Und gab es einen geeigneteren Tag im jüdischen Kalender als den 15. Sch'wat, um dieser aufgezwungenen Einseitigkeit ein wenn auch mehr symbolisches Gegengewicht zu schaffen? Nicht von je und je feierte das Volk diesen Tag. Wir haben in unserer schriftlichen Überlieferung" keinen Anhaltspunkt, daß Rosch-haschonoh leilonos in der vorexilischen Zeit ein Festtag gewesen ist. Es war vielmehr ein religionsgesetzlicher Begriff, ein Termin zur Feststellung des Alters der Bäume und ihrer Früchte. (Die Bestimmungen des mosaischen Gesetzes über den Genuß der Baumfrüchte erforderte eine solche Festsetzung). Erst in der Diaspora verlor der 15. Sch'wat seine reale Gesetzeskraft, die nur solange eine für ganz Israel geltende Bedeutung hatte, als die Juden in einer einheitlich organisierten Wirtschaftsgemeinschaft lebten. Chamischoh osor bisch'wat sank herab zu einer Kalendernotiz und nur der schaffende Geist der jüdischen Volksseele hat den wesenlos gewordenen Begriff von neuem erfaßt und umgedeutet. Das Unvermögen, die gewaltig stoßenden Kräfte des Innern in die Welt der Wirklichkeit zu überführen, treibt den Volksgeist in seiner ohnmäch-

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