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Das jüdische Echo · 1915-01-22 · 3 (22.1.1915) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
3 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo JL 23 München. Im Dezember sollte satzungsgemäß eine Neuwahl von 6 Mitgliedern zur Israelitischen Kultusverwaltung stattfinden. Wegen des Krieges wurde sie bis auf weiteres verschoben. Die Mitglieder, welche auszuscheiden hätten, bleiben zunächst in ihrem Amt. München. Die Verlustlisten, die nicht mehr in den Tageszeitungen veröffentlicht werden, gehen jetzt wie den christlichen Pfarrämtern auch dem Rabbinat München zu und durch deren Vermittlung an die übrigen Rabbinate in Bayern. München. Im Lesesaal der Münchener Universität liegen die antisemitischen Zeitschriften „Der Hammer", „Auf Vorposten" und „Der Scherer" auf. Diese bringen auch in der jetzigen Zeit das Judentum schwer beleidigende Artikel. Der bayerische Delegierte des Reichsvereins der deutschen Juden, Herr Dr. Ludwig Wassermann, hat sich deshalb im Auftrage der erwähnten Organisation an Rektor und Senat gewandt, um die Entfernung der genannten Blätter zu veranlassen. Eine ähnliche Eingabe ist von den jüdischen Studentenverbindungen Licaria, Jordania und Kadimah ergangen. Die Universitätsbibliothek vertritt in ihrer Antwort den Standpunkt, daß sie auo „wissenschaftlichen Gründen" auf die Eingabe einen abschlägigen Bescheid geben müsse. Vereins-Echo München. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielten am 16. Dezember eine gemeinsame Versammlung ab, in der Herr Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs aus Berlin über den „Krieg" und Herr Rabbiner Dr. Werner über „innere Mission" sprachen. Nach den Begrüßungsworten des Herrn Justizrat O f n e r führte der erste Redner u. a. folgendes aus: Durch den Krieg habe eine Umwertung fast aller Werte stattgefunden. Wir sollten uns klar werden, ob sie von nachhaltiger Wirkung sein werde oder nicht. Das Unzulängliche sei Ereignis geworden. Dem Krieg nach außen sei der Friede im Innern gefolgt. Er zeige sich so, wie wir ihn von dem goldenen, messianischen Zeitalter, aber nicht vom eisernen erwarteten. Wir würden zu Idealisten. Jeder opfere alles der Nation und das sei recht. Denn „ewig will und soll die Nation sein." Hierauf rezitierte Herr Geheimrat Fuchs das „Österreichische Reiterlied" Hugo Zuckermanns, scheinbar ohne zu wissen, jedenfalls ohne daran zu erinnern, daß dieser allzu früh gefallene Dichter einer der glühendsten Zionisten gewesen ist und sich im Gegensatz zu dem Redner, der so begeisterte Worte für den nationalen Gedanken an sich fand, zur jüdischen Nation bekannte. Zum Schluß seiner Rede beschäftigte sich Geheimrat Fuchs auch mit den jüdischen Problemen. Er sagte u. a.: Mit tiefer Entrüstung habe man von dem Schreiben Zangwills an die Juden der neutralen Länder gelesen (vereinzelte Pfuirufe). Er habe auf Veranlassung des Verbandes eine offene Antwort entworfen, da es einem Verbrechen gegen die Zivilisation und das Judentum zu steuern galt. Es sei aber dann beschlossen worden, Zangwill keiner Antwort zu würdigen. Denn Lügen hätten kurze Beine, (Ein Wort, das auch diejenigen beherzigen mögen, die Zangwill gerne als Zionisten hinstellen möchten.) Möge der Burgfrieden auch bei uns Juden herrschen, wenn er auch nicht die Verschiedenheit der Anschauungen aufheben soll. Streitigkeiten mögen wie zwischen Brüdern geführt w e r - w erden, sachlich, nur mit den Waffen des Geistes. Seien und bleiben wir Idealisten! Nach diesem eindringlichen Appell an die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe beschäftigte sich Geheimrat Fuchs mit der voraussichtlichen Entwicklung des Antisemitismus. Er wies auf den Gegensatz zwischen den Absichten der Regierung und der Volksstimmung hin und meinte: Den Haß, dessen sich die Juden erfreuen, teilten sie nunmehr mit den Deutschen. Diese Gemeinsamkeit zeige, daß die meist gehaßten Menschen nicht die schlechtesten seien. „Aber glauben Sie nicht daran, daß der Antisemitismus aufgehört hat". — Herr Rabbiner Dr. Werner, der als zweiter Redner das Wort ergriff, verglich die entzündeten fünf Chanukkahlichter mit den fünf leuchtenden Gedanken der Sittlichkeit, Gotteslehre, Kultur, Vaterlandsliebe und Hoffnung. Seine Ausführungen fanden den lebhaftesten Beifall der Zuhörer. München. Die Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes veranstaltete am 19. Dezember in den Räumen der München-Loge ihren zweiten geselligen Abend, an dem Kammersänger Paul Bender, Frl. Sofie Blum (Violine) und Frl. Valentine Lammfromm (Klavier) mitwirkten. München. Der Verein „B n e Jehudah" hielt am 26. Dezember seine ordentliche Jahresversammlung ab. Die Abwesenheit im Felde stehender Vorstandsmitglieder veranlaßte einige Änderungen in der Zusammensetzung der bisherigen Vorstandschaft. Es wurden gewählt als 1. Vorsitzender Herr Aron K o h n , 2. Vorsitzender Abe M o n h e i t, Schriftführer Isidor Stern, Kassiererin Frl. Adele Hohenberger, Bibliothekar Schelome M o n h e i t. München. Fräulein Elfriede Bambus aus Kinereth sprach am 9. Januar in der Zionistischen Ortsgruppe über „die gegenwärtige Lage in Palästina". Die Rednerin entwarf ein überaus anschauliches, durch Erzählen ihrer persönlichen Erlebnisse besonders fesselndes Bild von dem Einfluß des Krieges auf das Heilige Land und seine jüdischen Bewohner. Die über Erwarten zahlreiche Zuhörerschaft folgte den Ausführungen mit gespanntem Interesse und dankte der Rednerin für ihren Vortrag mit herzlichem Beifall. München. Der Verein für Statistik der Juden hat in einer am 23. XI. abgehaltenen Vorstands-Sitzung beschlossen, die von ihm geplante Publikation über die Juden in Bayern (Bevölkerungs-, Berufs-, Unterrichts-, Kultus-, Finanzstatistik) so zu fördern, daß deren Herausgabe im nächsten Jahre erfolgen und mit als Grundlage für die Revision der bayerischen Judengesetzgebung Verwendung finden könne. Die einzelnen Kapitel sind von Mitgliedern des Vereins zur Bearbeitung übernommen worden und zwar von: Prof. Dr. Arthur Cohen: Einleitung. Die Statistik der Juden und die bayerische amtliche Statistik. Dr. Jacob S e g a 11 : Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung für Bayern im ganzen, Wohltätigkeitsstatistik (Vereine und Stiftungen) für Bayern außer München.

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