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Das jüdische Echo · 1914-12-01 · 12 (Dez. 1914) · p. Seite 137

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
12 (Dez. 1914)
Date
1914-12-01
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 137 Zeichnung Fr. Feigls aus dem „Ghettobuch_, hrsg. von Artur Landsberger im Verlag Georg Müller, München. die Nethe. Um 2 Uhr ging das Bataillon durch das erstürmte Lierre über die Nethe. Die ersten Kompagnien kamen noch gut weg. Die Belgier mußten sich erst auf die Entfernung der frisch errichteten Pionierbrücken einschießen; allmählich fanden sie das Ziel. Zwischen dem Bataillon und meiner Krankenträgertruppe schoben sich noch Maschinengewehrkompagnien ein, sodaß wir zu einem Zeitpunkt zur Passage kamen, wo die Schüsse saßen. Wir liefen mit unseren Bahren wie toll über den schmalen, vom Regen feuchten Steg und verteilten uns sofort über die Wiese, um nicht auf dem Wege ein einheitliches Ziel zu geben. Da die Nethe aber gestaut war, war die Wiese keine Wiese mehr, sondern ein Sumpf, aus dem wir uns abwechselnd herauszogen. Aber die feindliche Artillerie beflügelte unsern Schritt und besonders an der Ruine eines Schlosses vorbei, welches die schwere Artillerie bestrich. Am Kanal empfingen uns nicht nur Verwundete, sondern auch Salven feindlicher Maschinengewehre. Die Belgier, die vielfach zu hoch schießen, bestrichen das hintere Gelände mit einem unheimlichen Feuer. Aber vorwärts! Über Gräben und Hecken geht es, zweimal über eine kleine Brücke, auf der uns die Kugeln um die Ohren sausen . . . Die Nacht schließlich verbinden wir zuerst rückwärts im Keller des zerstörten Schlosses und rücken noch nachts mit Wein und Brot zu einem Gehöft, das 50 Meter hinter der Schützenlinie liegt. Um 2 Uhr geht eine blödsinnige Knallerei los. Wirklich gelingt es einem Teil der Belgier durch eine Lücke bei uns durchzubrechen. Feinde vor und hinter der Front. Man kann sich vor den Kugeln kaum retten. Um 4 Uhr ist der Ausfall abgeschlagen, die 6. und 8. Kompagnie hatte große Verluste, von uns sind vierzig verwundet, die ich inzwischen zu verbinden begonnen habe; leider ist auch mancher schwere Bauch- und Kopfschuß darunter. Um 6 Uhr ist es Tag und die Granaten flitzen in mein Lazarett, wo wir notdürftig und eilig Deutsche und Belgier hereingenommen haben. Zuerst lachen wir, aber schon fallen uns die Ziegel vom Haus und Flintenkugeln sausen durch die Fensterläden. Zwei verwundete Belgier erschlägt eine Granate. Durch all das feindliche Feuer tragen wir unsere Verwundeten zurück. Die Fahne, die bei uns untergebracht ist, trifft ein Geschoß und meinen Rücken bearbeitet, mit glücklicherweise nicht durchschlagendem Erfolg ein abgesprengtes Schrapnellstück. Aber unsere Verwundeten haben wir doch glücklich — wenn auch unter Aufbietung aller Kräfte — aus der Front nach hinten gebracht. Da unser Stabsarzt von Putte vom Pferd geschossen und gefangen genommen war, bin ich Bataillonsarzt und allein. Dafür bekomme ich auch über Vorschlag nicht nur des Majors, sondern auch des Regimentskommandeurs das Eiserne Kreuz zur Erinnerung an diesen Tag, an Jörn Kippur. * * * Ende Laubhüttenfest waren wir an die Yser gekommen. In der 6. Kompagnie war der Zugführer Vizefeldwebel S. . . ., Bankbeamter aus Düsseldorf. Mehrfach hatte er mir sein Leid geklagt. Am Simchas Thora geht es von Leke ab zum Angriff über die Yser. Von meinen Krankenträgern und Sanitätsunteroffizieren fallen 4 Mann, das Bataillon hatte großen Verlust. Aber an der Spitze der 6. Komp. vor allen führte seinen Zug zur Yser der Vizefeldw. S..... Am Ufer der Yser haben wir ihn später verscharrt. Jenseits des Flusses lasen wir in der Nacht seinen Hauptmann auf, ein Bauchschuß hatte ihn getroffen. Jedesmal, wenn ich an der Stelle vorbeiziehe, wo S.....fiel, und wo die neue Brücke der Pioniere geschlagen ist, fallen die Schrapnells nieder. Am Himmel lodert der Schein vom brennenden Pervyse, Keyern und Schorbacke und wir feiern Simchas Thora. (m.)

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