Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 11 (Nov. 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Das Jüdische Echo Nr. 11 selbst vor. Der heute als Sachverständige vernommene Rabbiner Dr. Freudenthal von hier, der zwecks Abstellung dieser Vorkommnisse Anzeige erstattete, bekundet, daß er dies nur deshalb getan habe, weil das Treiben des Angeklagten zu unangenehmen Erscheinungen in dem Eheleben gerade der aus Galizien eingewanderten jüdischen Familien geführt habe; außerdem dürfe der Angeklagte, wenngleich er fcuch die entsprechende Vorbildung genossen, priesterliche Funktionen nicht vornehmen. Das Gericht spricht den Angeklagten frei, weil die vorgenommenen religiösen Handlungen nicht als staatliche Amtshandlungen zu bezeichnen sind und der Angeklagte weder vom Staate noch von einer religiösen Gemeinschaft mit einem Amte betraut gewesen ist. Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen Bisher wurden ungefähr 450 jüdische Krieger gezählt, die sich das Eiserne Kreuz erworben haben. Nach dem Erscheinen der letzten Nummer wurden uns noch folgende Namen und Taten bekannt. Ansbach. Herr Adolph Haas, Sohn der Witwe Karoline Haas. Bamberg. Dr. med. Bauchwitz. — Gefreiter Albert Walter. Bayreuth. Oberarzt d. R. Dr. Leo Steinb e r g e r , Sohn unseres Gesinnungsgenossen Herrn Moritz Steinberger in Würzburg, beim 7. bayerischen Inf.-Reg. Hof. Oberarzt d. R. Dr. W a 11 e r L e v y. München. Privatdozent Dr. med. Erich Benjamin in den Kämpfen bei Longwy. — Dr. Ernst Löb, Oberarzt d. R. im 9. Feldartillerie- Reg. — Max Rothschild, Unteroffizier beim 1. schweren Reiterregiment für einen hervorragenden Patrouillenritt. — Gesinnungsgenosse Dr. med. Felix A. Theilhaber, Sohn des Herrn Hofrat Adolf Theilhaber, im 24. preußischen Res.-Inf.-Regiment, beim Sturm auf Antwerpen und Übergang über die Nethe. — Dr. Felix Wassermann, Unterarzt beim 3. bayer. Res.-Inf.-Regiment, Sohn des Herrn Kommerzienrat Karl Wassermann, für tapferes Verhalten im Granatfeuer. Herr Max Niedermeier, Unteroffizier beim Feldgendarmerietrupp beim Generalkommando des 10. bayer. Armeekorps, schilderte in einem Briefe an seine Eltern, der uns auf unser Ersuchen liebenswürdigerweise mitgeteilt wurde, die Umstände, unter denen er sich das Eiserne Kreuz erwarb: „Zuerst fiel mitten ins Generalkommando eine Granate, vielleicht 10 Meter von mir, ohne jedoch zu explodieren. Darauf ritt ein Major und ich vor, um uns zu orientieren. Ich erbat mich freiwillig die nötigen Informationen auf der anderen Seite zu holen und bin dann durchs ganze Gefechtfeld geritten, Granaten und Kugelregen über mich. Es gelang mir jenseits auf preußische Truppen zu stoßen und sehr wichtige Nachrichten zu erhalten. Beim Zurückreiten stieß ich plötzlich auf eine feindliche Flankenpatrouille von 3 Infanteristen und es gelang mir, die drei Mann gefangen zu nehmen, und nachdem ich sie der nächsten Truppe von uns übergeben hatte, mit meinem Berichte wieder glücklich ins Hauptquartier zu kommen. Se. Exzellenz der kommandierende General hat mir vor sämtlichen Offizieren seine Anerkennung ausgesprochen und mir wenige Tage darnach, am 29. September, das Eiserne Kreuz II. Klasse überreicht". . , u Der Bericht über die Auszeichnung des Herrn Hermann Rosenau, Einjährig Freiw.-Gefreiter im 2. Inf.-Reg., lautet: „Für aufopfernde Überbringung von wichtigen Meldungen im stärksten feindlichen Granatfeuer auf den Höhen von „R", ferner wegen desselben Grundes auf der Straße nach „M.", des weiteren wegen pünktlichen Überbringens der Befehle bei Nacht und bei den schwierigsten Situationen". Laufenselden bei Nabburg. Robert Löwenstein, Reservist, nach 14 Tagen zum Unteroffizier befördert, am 14. September verwundet, z. Z. bei der 2. Komp. Ers.-Bataillon in Amberg, Sohn des Herrn Wilhelm Löwenstein, „für stete Tapferkeit, Kaltblütigkeit und stete Bereitwilligkeit, schwierige Aufgaben zu übernehmen". Nürnberg. Fabrikbesitzer Julius Bernstiel, Mitglied der freiwilligen dem Oberkommando des 6. Armeekorps zugeteilten Automobilkolonne. Das Eiserne Kreuz wurde ihm vom Kronprinzen Rupprecht überreicht mit den Worten: „Ich habe mit ganz besonderem Vergnügen von Ihren großen Erfolgen gehört und freue mich, Ihnen im Namen S. M. des Kaisers das Eiserne Kreuz überreichen zu können". — Oberarzt Dr. David Grünbaum, Präsident der Franken-Loge, Sohn des Herrn Abraham Grünbaum, des Vorstandes der isr. Religions-Gesellschaft Adas Israel. Er wurde auf einen sehr exponierten Platz kommandiert, arbeitete ungegefähr 18 Tage unter ständigem Granatregen und wurde schließlich durch einen Granatsplitter leicht verwundet. — Dr. Adolph Grünspecht, Oberarzt der Landwehr im 14. Inf.- Reg. hat nach der großen Schlacht bei Remerville zunächst viele Soldaten auf der Straße verbunden und dann in einem Schloß, das von Infanterie- und Artilleriefeuer beschossen wurde, an einem Nachmittag 250 Soldaten seinen ärztlichen Beistand geleistet. — Oberleutnant der Landwehr und Kompagnieführer, Fabrikbesitzer Paul Josephthal, Sohn des jüngst verstorbenen Geheimrats Gustav Josephsthal. — Einjährig-Freiwilliger Max K a r p f, Sohn des Herrn Joseph Karpf sen., der bei einem sehr gefährlichen Kundschaftergang in Frankreich fiel. Sein Hauptmann wies auf die Gefahren des Unternehmens hin; wer von den Freiwilligen, die sich dazu meldeten, wiederkomme, solle das Eiserne Kreuz erhalten.— Dr. Justin Kühn, Leutnant d. R., fiel, bevor ihm noch die Auszeichnung, die er für frühere Leistungen erhalten sollte, verliehen wurde, bei einem Meldegang. — Stabsarzt Dr. Felix Lehmann für „vorzügliche Leistungen vor dem Feinde". Er wurde beim Verbinden im Kugelregen von einem Schrappnell getroffen, das in Nürnberg, wo er sich zur Genesung aufhielt, durch Operation entfernt wurde. — Julius Rosenberg, der einem Offizier seiner Batterie dadurch das Leben rettete, daß er ihn aus einem brennenden Munitionswagen hervorholte. — Fritz Wallensteiner, Gefreiter beim 6. Feldartillerie-Regiment, der trotz seiner Verwundung einen zurückgelassenen Telephonapparat nebst Leitung zur Batterie zurückbrachte. Herrn Fritz Eichbaum, stellvertretenden Lazarettinspektor, wurde für hervorragende Mitarbeit beim Aufbau eines Lazarettes und tapferes Verhalten beim Transport vieler Verwundeter aus der Gefechtslinie das Bayerische Militär-Verdienstkreuz 2. Klasse mit Krone und Schwertern verliehen.