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Das jüdische Echo · 1914-10-01 · 10 (Okt. 1914) · p. Seite 117

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
10 (Okt. 1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 117 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 117 überall für seine guten Ratschläge Zurückweisung und Hohn empfangen. Es wäre wirklich müssig, sich im Augenblick mit ihm näher zu beschäftigen, da er nunmehr den Rest seines Prestiges als jüdischer Politiker eingebüßt hat. Was werden die paar Hoisten zu dieser neuen Wandlung ihrers Führers sagen, wenn er ihnen Rußland, ja Rußland als das lange gesuchte und endlich gefundene Territorium der „Jewish Territorialisation Organisation" vorschlägt? Auch die „München-Augsburger Abendzeitung" beschäftigte in Nummer 286 sich mit Zangwills aufsehenerregendem Schreiben. Sie brachte einen außerordentlich sachkundigen von A. Lg. gezeichneten Artikel über die „Judenverfolgungen in Rußland", in dem die allerneuesten im Kriege aufgetauchten Judenverordnungen und -Schikanen beleuchtet werden. Lese jeder selber, um zu sehen, daß sie alles Menschenmögliche übersteigen. In Nummer 38 des „Frankfurter Israelitischen Familienblattes" vom 25. September veröffentlichte Herr Jakob Fränkel, der Vorsitzende des Zionistischen Gruppenverbandes Bayerns, einen Artikel mit der Überschrift: „Ein Unfug im jüdischen Qemeindelebe n". Er wendet sich darin gegen das für Kultusbeamte als „Nebeneinkommen" angesehene Trinkgelderunwesen als eine unsichere und in der Form würdelose Einnahmequelle. Statt dessen schlägt er vor: „Zahle man den Beamten einen angemessenen Gehalt, sichere man ihnen eine richtige Pension; nur so kann das Ansehen der jüdischen Beamten gehoben werden." F r ä n k e 1 s Hinweis auf diesen Übelstand hat in den beteiligten Kreisen lebhafte Zustimmung gefunden. In Nummer 3 der Künstlerflugblätter „Kriegszeit", die im Verlag Paul Cassierer in Berlin erscheinen, findet man eine von Max Liebermann stammende Lithographie. Angeregt durch das tatsächlich vorhandene oder nur zur Täuschung des Auslandes erfundene Zarenmanifest „An meine lieben Juden" schildert Liebermann in einer prachtvollen Zeichnung, die weit, weit über die übliche Gelegenheitsmache hinausreicht, eine Szene des Kischenewer Pogroms. H^Uüiiuailiim*u»»AM»«MmM.M.».. .........Ii.,.. iiiitMMiiiiiiiita^iilllfcll'liifclMMMII- |S| Vereins-Echo |gj| München Verein Ethische Kultur. Am 27. September sprach Geheimrat Prof. Rudolf Eucken aus Jena vor einer zahlreichen Zuhörerschar über „Unsere gerechte Sache". Er gab in seinen Ausführungen Gedanken wieder, die uns alle jetzt beseelen. Als Eucken auf Rußlands Stellung zur zivilisierten Menschheit zu sprechen kam, nannte er einige von der „halbasiatischen Macht" unterdrückte Völker. Die Juden nicht. Es geschah sicherlich nicht absichtlich, sondern beweist nur neuerdings das eine: Für viele unserer Gelehrten (ausgenommen die Spezialisten) ist Judenheit und Judentum als zeitliche gegenwärtige Erscheinung eine große Unbekannte. In allen Kulturen mögen sie mehr oder minder heimisch sein, an der jüdischen Wirklichkeit gehen sie wie an einem „Rühr mich nicht an" vorüber. Nur so ist es zu erklären, daß Eucken in seiner freien — sicher zum Teil improvisierten — Rede vergessen konnte, die Judenfrage in Rußland zu erwähnen. Das ist ja eben das Bezeichnende: sie steigt auch dann nicht über die Bewußtseinsschwelle, wenn sie zur Erörterung Anlaß gibt, sich gewaltig der Beobachtung aufdrängt, wie in der letzten Zeit, wo ganz allgemein das Manifest des Zaren von der Öffentlichkeit glossiert wurde. — Wir erheben nicht den Anspruch, bei jeder Gelegenheit oder dort, wo kein Zusammenhang gegeben ist, apostrophiert zu werden. Es handelte sich uns nur darum, festzustellen, daß die jüdische Frage diejenigen, von denen man es erwarten könnte, leider zu wenig interessiert und beschäftigt. Im Israelitischen Krankenheim befinden sich seit Anfang September 34 Verwundete, darunter einige Offiziere, die sich außerordentlich befriedigt über die Aufnahme äußerten. In die Behandlung teilen sich die Ärzte Dr. Weißbarth, Dr. Horn und Dr. Reis, da das Vorstandsmitglied Dr. August Feuchtwanger als Stabsarzt ins Lazarett Dillingen beordert wurde. In den „M. N. N." fand sich letzte Woche folgender „Öffentlicher Dank": „Die am 25.—27. August verwundeten und am 1. September in das isr. Krankenheim, Hermann Schmidstr. 5, eingelieferten deutschen Krieger, erlauben sich für die liebevolle Behandlung, welche ihnen von Seiten der Herren Ärzte Dr. Weißbarth, Dr. Horn und Dr. Reis, sowie von sämtlichen Schwestern an Pflege zuteil geworden ist, auch dem gesamten Personal und allen, welche uns mit Liebesgaben bedacht haben, unsern herzlichsten Dank auszusprechen." Die Ortsgruppe des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina hat dem Spitzenhaus Rosa Klauber, Theatinerstraße 35, den Alleinverkauf palästinensischer Spitzen und Spitzen- Fassonartikel übertragen. Interessenten werden gebeten, sich bei Bedarf ausschließlich an die betreffende Firma zu wenden, die sich schon wegen des guten Zweckes mit einem sehr kleinen Nutzen begnügt. Die Waren sind mit festen und billigsten Preisen ausgezeichnet. Der Wanderbund „Blau - Weiß" beabsichtigt, seine Ausflüge wieder aufzunehmen. An der kurz vor Kriegsausbruch unternommenen Fußreise ins Salzkammergut haben sich acht Mädchen beteiligt. Zionistischer Stammtisch. Jeden Montag zwischen halb 2 und 3 Uhr nachmittags treffen sich Zionisten im Cafe Imperial, Bayerstraße. Gäste stets willkommen. Kitzingen. Die Schekelzahlergruppe hat Herrn Paul Ordenstein in Nürnberg zum Dank für seine zionistische Propaganda in Kitzingen ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen lassen. Gesdlschafts-Echo Unsere Gg. Frl. Käte Freyer in München verlobte sich mit Assessor Dr. Albert Baer in Stettin. Unser Gg. Herr Rechtsanwalt Siegfried W e i n e r in Regensburg hat sich mit Gg. Frl. Dr. oec. publ. Paula Odenheimer verlobt.

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