Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 10 (Okt. 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheint bis auf weiteres monatlich, später wöchentlich. Äbonnementspreis bei wöchentlichem Erscheinen 1.— M. pro Vierteljahr. Einzelnummer 10 Pf. Expedition des „JüdischenEcho" München, Herzog Maxstraße 4. Redaktion: München-Solln, Erikastr. 6 Nummer 10 / München / Okt. 1914 Anzeigen: Die 4gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 25 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt, s—._s Anzeigenannahme und Verlag: Buchdruckerei B. Heller, München, Herzog Maxstraße 4. Fernspr. 8099. Postscheck-Konto München Nr. 5987. Inhalt* BP~ R?phael Straus: David Wolffsohn — An die Arbeit! — E. M. Lilien: Schwarz-weiß-Zeichnung - Aufruf des 7 H*uPtbu«'eaus desJ- N--F- — Dr. Elias Auerbach: Eine Kriegsfahrt aus Palästina — Eiserne Kreuze — Gemeindenbcno — Leser-Echo: Krieg und Kultusgemeinde — Mathias Acher: Bloß Feststellungen — Zeitungs-Echo — Vereins-Echo usw. David Wolffsohn Von Dr. Raphael Straus, München. Am 15. September 1914 ist David Wolffsohn in Homburg im 59. Lebensjahr seinem langjährigen Herzleiden erlegen. Von 1904 bis 1911 stand er an der Spitze der zionistischen Weltorganisation und damit an einem exponierten Punkte des jüdischen öffentlichen Lebens. Als einer der nächsten Freunde Theodor Herzls und tätigster Mitbegründer der zionistischen Organisation war er nach dessen frühem Tode 1904 dazu bestimmt, ein schweres Amt zu übernehmen. In unermüdlicher und für einen Einzelnen — sei es auch der Beste — gar zu schwerer Arbeit hatte Herzl in acht Jahren aus dem Nichts eine Gemeinde von Millionen, eine Organisation von Hunderttausenden geschaffen mit Kongreß, mit Bank und Nationalfond, mit Presse und den sonstigen großen und kleinen Verbindungen, die für die Bewegung notwendig waren. Nicht lange vor seinem Tode auf seiner letzten russischen Reise wurde Herzl auf dem Warschauer Bahnhof von Tausenden von Juden empfangen wie ein Fürst. Die Augen zahlloser Juden hingen an ihm, seine königliche Persönlichkeit ließ sie auf ein schnelles Ende von Not und Elend hoffen. In wenigen Jahren sollte er die Berge abtragen, die Jahrhunderte aufgetürmt. Schon begannen sich Stimmen zu erheben, die murrten und zweifelten: da starb Theodor Herzl „mitten im Leben" und in der Arbeit. An seine Stelle trat David Wolffsohn im schwersten Augenblick der bisherigen zionistischen Geschichte. Wolffsohn war 1856 in einem Orte des Gouvernements Kowno geboren. Bis zu seinem 14. Lebensjahre „lernte" er im Cheder und Beth-Hammidrasch Er hat es immer geliebt, seine Rede mit biblischen und talmudischen Zitaten zu würzen, und dies Zurückgreifen auf das, was in der Jugend sein Lebenselement gewesen, gab seinen Worten und seinem Wesen die naturwüchsige und gewinnende Note, deren Einfluß sich niemand entziehen konnte. Wolffsohn war Kaufmann und lebte seit 1887 in Köln. Es ist eines Gedankens wert, wie verschiedenartig die Kreise waren, denen die beiden ersten Präsidenten der zionistischen Organisation entstammten, wie verschieden ihre Bildung und ihr Lebensweg. Theodor Herzl war als Wiener Student Mitglied einer schlagenden Verbindung, aus der er austrat, als der Beschluß gefaßt wurde, daß künftig keine Juden als Mitglieder mehr aufgenommen werden sollten. Er war ein anerkannter Journalist, dessen Leben und Streben mehr ästhetisch als ethisch betont war. Sein Judentum war ihm eine Erinnerung, die er nicht missen wollte, der er aber auch keine entscheidende Rolle für sein Leben anweisen konnte. Erst die Hergänge der D r e y f u ß - Affäre, die er als Pariser Berichterstatter der „Neuen Freien Presse" in der Nähe beobachtete, gewannen ihn dem Judentum neu, veranlaßten mittelbar den „Judenstaat" und erweckten jenen „Prophetengeist" in ihm, den selbst ein so vielgewandter Mann wie der Sultan Abdul Hamid bemerken und bewundern mußte. David Wolffsohn ging den umgekehrten Weg. Er kam aus dem Milieu seiner Kindheit voll mit jüdischem Wissen und mit lebendigem Gefühl für die Nöte der Zeit. Er war längst Zionist in Gedanken und Tat, bevor Herzl nur entferntest daran dachte, sich in den Dienst der jüdischen Sache zu stellen. Sein Geist war für das Judentum und seine Bedürfnisse empfänglich und weil er zugleich ein Mann der Tat war,