Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 9 (Sept. 1914)
- Date
- 1914-09-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. y Das Jüdische Echo 105 Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina*) ist auch in München längst nicht mehr unbekannt. Zählt er doch in unserer Stadt gegen 100 Mitglieder und liefert einen Beitrag von ungefähr 400 M. jährlich an die Zentrale ab. Aber die Arbeit dieses Verbandes verdient es, auch in weiteren Kreisen bekannt und gewürdigt zu werden. Denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die weibliche Jugend Palästinas zur Arbeit zu erziehen. Nicht als ob diese Jugend fauler oder ungeschickter wäre als sonst eine in der Welt! Durchaus nicht: das erfährt der Verband täglich. Doch seit Jahrhunderten haben sich drüben in Palästina in den Städten, vor allem in Jerusalem, Saffed und Tiberias Scharen von Juden angesammelt, die nur hinübergezogen waren, in der frommen Sehnsucht im heiligen Lande zu leben und dort einst begraben zu werden. Die Juden der Heimat sahen so viel Verdienstvolles in diesem Tun, daß sie alljährlich große Summen hinüberschickten, um ihnen das Leben dort zu ermöglichen, ein Leben, das fast ganz dem „Lernen", dem Thorastudium geweiht war. So erstand die Einrichtung der „Chalukah", die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Aber die Zahl der Juden drüben wuchs, die Chalukah-Gelder reichten nicht aus, den ganzen Lebensunterhalt zu bestreiten. Vor allem aber wurde durch die neuen jüdischen Einwanderer, die hinüberkamen, um zu arbeiten, das Land zu bebauen, die ältere Bewohnerschaft aufgerüttelt. Auch diese sah jetzt ein, daß es richtiger und menschenwürdiger sei, von der Hände Arbeit zu leben, als sich von anderen ernähren zu lassen, geschähe es auch aus den besten, edelsten Motiven. — Aber unter einer armen Bevölkerung in einem noch unentwickelten Lande war es oft beim besten Willen nicht leicht, eine Arbeit zu finden. Und wenn es für die Männer noch eher möglich war, einen geringen Verdienst sich zu sichern, für die Mädchen und Frauen war es fast eine Unmöglichkeit Erwerb zu finden. Besonders da leider in Palästina mit dem Vorurteil gerechnet werden muß, daß häusliche Dienstleistungen etwas Erniedrigendes seien. Da trat vor knapp sechs Jahren der Verband auf und versuchte es, den jungen Mädchen eine Arbeit zu geben. Er eröffnete Spitzenateliers, in denen die jungen Mädchen in kurzer Zeit eine Handarbeit erlernen sollten, die dann als Heimarbeit weitergeführt werden konnte. In Scharen drängten sich die Mädchen in die Spitzenschulen. In allen Städten mußten Ateliers eröffnet werden und auch in größeren Dörfern. Und die Mädchen waren geschickt und fleißig; eine ganze Spitzenindustrie erstand in Palästina, die schon im Vorjahre für 50,000 Fcs. Ware produzierte. Und es wäre ein Leichtes, die Produktion in diesem Jahre auf 100.000 Fcs. zu erhöhen. Aber bevor der Verband es wagen kann, immer mehr Frauen in der Spitzenindustrie zu beschäftigen, muß er sehen, seinen Spitzen einen festen Markt zu verschaffen, ihnen guten Absatz zu sichern. Darum sucht er in allen Städten des In- und Auslandes Verkaufsniederlagen zu errichten und veranstaltet Ausstellungen, um seine Spitzen bekannt zu machen. Die Spitzen bekannt machen aber heißt schon ihnen Freunde sichern. Denn VZu dem im Mai erschienenen 6. Verbandsbericht der außer interessanten Aboildungen zwei lesenswerte Beitrage enthalt. »Ein Tag auf der Mädchenfarm in Kinereth« von Elfriede Bambus und „Die Bedeutung unserer Arbeit für die Gesundhe.tspflege in Palästina« von Frau Dr. med. Rahel St raus. die feine Nadelarbeit mit ihren mannigfaltigen Formen gibt immer neue reizvolle Muster, die als Deckchen und Kragen, als Einsätze und Meterspitzen sich ausgezeichnet verwerten lassen. Auch hier in München versuchen wir die Spitzen weiten Kreisen vertraut zu machen, und hoffen, daß es uns gelingen wird, möglichst viele Damen für die Palästinaspitzen zu interessieren. Den ehrenamtlichen Verkauf haben vorerst übernommen: Frau B e s s i e Weil, Tengstr. 37 und Frau Dr. Rahel Straus, Kobellstr. 13. Beide Damen sind gerne bereit, die Spitzen jedermann zu zeigen und betrachten es durchaus nicht als Belästigung, wenn sie recht oft dieserhalb bemüht werden. Denn je mehr wir den Absatz der Spitzen vergrößern, um so mehr können Mädchen drüben in Palästina auf festen Verdienst rechnen. Ja, der Verband hofft, daß diese „Heimindustrie" dazu beitragen wird, auch die Existenz ganzer Familien in Stadt und Land zu sichern, und der Verband leistet so wirklich, was er sich zum Ziele gesetzt hat: Kulturarbeit in Palästina. R. St. Gemeinden-Echo München. Das Komitee für die Enthebung von schriftlicher Beglückwünschung richtete an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde einen Aufruf, in dem es mitteilte, daß die Spenden dieses Jahres nicht wie bisher an Vereine abgeliefert würden, sondern im vollen Umfange zur Linderung der bestehenden Not der durch den Krieg auf regelmäßige Unterstützung Angewiesenen Verwendung fänden. München. Der israelitische Verein für Ferienkolonien in München hat sein Ferienheim in Krumbach (Schwaben), welches Aufnahme für 100 Kranke bieten kann, dem Kgl. bayer. Kriegsministerium zu Lazarettzwecken und für Rekonvaleszenten zur Verfügung gestellt. München. Von den verschiedenen Gruppen der ausländischen Juden ist eine Hilfsaktion zur Abstellung der dringendsten Not eingeleimt worden. Auf Veranlassung des Herrn B. W a d 1 e r wurde von der Vorstandschaft des Vereins „Linath Itazedek" unter Vorsitz des Herrn L. Spielmann zu Gunsten der hier infolge des Krieges in Not geratenen Glaubensgenossen eine Sammlung bei den Mitgliedern veranstaltet, die einen Betrag von über 1700 Mark ergab. Der Betrag wurde der hiesigen Kultusgemeinde übermittelt, damit sie die Verteilung durchführe. Ebenso bestrebt sich der jüdische österreichische Frauenverein unter Vorsitz der Frau M e c h 1 o w i t z die in Not geratenen Glaubensgenossen nach Möglichkeit zu unterstützen. Aber auch jeder einzelne tut seine Pflicht und sucht in seinen Bekanntenkreisen die Not, soweit es nur geht, zu lindern. D. H. Regensburg. Die Israelitische Kultusgemeinde gab 2500 Mark für die Angehörigen von Kriegern. Erlangen. Die Israelitische Kultusgemeinde beteiligte sich mit 500 Mark an der Sammlung für die Familien, deren Angehörige im Felde gefallen sind. Weiden. Die Israelitische Kultusgemeinde stellt monatlich 100 Mark für die Angehörigen von im Felde stehenden Soldaten zur Verfügung.