Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 9 (Sept. 1914)
- Date
- 1914-09-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 103 zum Zionismus auch bei Lebzeiten nicht verziehen. Vom Standpunkt der Herausgeber der Neuen Freien Presse ist er also nur „als Schriftsteller eine unvergessene Erscheinung", da sie ein heimliches Grauen vor der anderen Seite seines Daseins haben. Kein Wunder! Sie müssen sich in „Mauscheis" wandelbarer Gestalt porträtiert fühlen. Warum die Verstellung? Wissen denn die Benedikte und Bacher nicht, worin Theodor Herzl seinen eigentlichen Beruf sah; daß er eine Lobeshymne, die den Hauptinhalt seines Wesens verschütten will als tiefste Beleidigung seiner Person aufnähme, da ein solches Vorgehen gegen den Grundzug seines Charakters, gegen die Wahrhaftigkeit vor sich und anderen verstößt; daß er seine Arbeiten in der Redaktion nur als Frohndienst schlimmster Art empfand! Oder — stellen sie sich nur so dumm oder — halten sie das Publikum für so ununterrichtet oder — wollen sie ihren jüdischen Lesern einreden — der Leser als Massenerscheinung ist ja immer folgsam, wenn seiner Gedankenlosigkeit geschmeichelt wird —: Ihr seht aus unserer Fürsicht, aus unserem Schleichen auf den Zehenspitzen, was für ein gefährliches, verabscheuungswürdiges Gift — der Zionismus ist. So kommt auch das Wort vom Zionismus Herzls in dem Aufsatz Auernheimers nicht einmal vor. Erstaunt hat uns diese Haltung der Neuen Freien Presse nicht im geringsten. Glaube, lieber Leser, ja nicht etwa, daß wir uns über diese kleinlichen Praktiken ärgern. Es seien nur diejenigen auf die Unwürdigkeit derartiger unserem Führer so oft widerfahrenen Mätzchen aufmerksam gemacht, die den Geist der Neuen Freien Presse in seiner gesamten Auswirkung noch nicht kennen. Und zwar der Neuen Freien Presse als Typus, wohlgemerkt als Typus einer Anzahl von Juden geleiteter, angesehener Tagesblätter. Das Verhältnis der Neuen Freien Presse zu Herzl ist nur ein Paradigma. Den wahren Einfluß, den dieses Weltblatt auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens in Österreich genommen hat, wird nicht in einer Gedenknummer offenbart — wenn er sich auch auf keiner Seite verleugnen läßt —, sondern von einem unabhängigen Manne geschrieben werden müssen, anderswo, wenn die Zeit kommt, mit ihr der Unerschrockene. Darum zum Schluß noch unsere Gratulation. Wir wünschen im Interesse einer gesunden Entwicklung Österreichs aufrichtig und von ganzem Herzen der Neuen Freien Presse zu ihrem 50. Geburtstage, daß dies bald, recht bald geschähe. Die Jüdische Rundschau teilt mit, daß das Zionistische Zentralbureau trotz allen Bemühungen den Aufenthalt Max Nordaus nicht feststellen konnte. Wie der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt, lebt in Szillen, einem Ort Ostpreußens, eine jüdische Witwe namens S. Guttmann, die acht Söhne ins Feld geschickt hat. Die „Kleine Presse" berichtet aus Frankfurt: „In eine hiesige Wohltätigkeitsanstalt kam dieser Tage ein älterer Mann mit echt russischem Aussehen und erbat ein Mittagessen. Der Verwalter mußte ihn abweisen, da er nur an Iniander Essen geben dürfe. Der Mann mit dem russischen Aussehen erwiderte darauf, er sei auch Preuße und schrieb sich, wie folgt, in das Buch ein: Kaiisch Moses aus Kaiisch, Kreis Kaiisch (Ostpreußen). Der gute Mann hat also die Einverleibung bereits vollzogen. München Zionistische Ortsgruppe. Am 15. Juli fand im Musiksaal von Alfred Schmid Nchf. die Herzl-Feier der Ortsgruppe statt. Der Besuch war durch ein kurz vor dem Beginn einsetzendes Unwetter beeinträchtigt, immerhin fand sich ein ungefähr hundertköpfiges Publikum ein, das sich in seiner Zusammensetzung — es bestand meist aus Mitgliedern der verschiedenen Jugendvereine — in seiner Einheitlichkeit vorteilhaft von dem anderer Veranstaltungen unterschied. Nach einem Präludium des Herrn Dr. August Feuchtwanger auf dem Harmonium zeichnete Herr Arnold Zweig ein liebevolles Bild von der Persönlichkeit Herzls, in dem er das Motiv der „Einigung", das in ihm herrschte und das er auf das jüdische Volk übertrug, besonders betonte. Herrn Zweigs Vortrag bewies, wie sehr Herzl selbst auch in der Generation, die nicht mehr unter seinem unmittelbaren Einfluß stehen konnte, lebendig ist, und daß ein Zurückgehen auf Herzls Wandel unter uns das geeignetste Mittel ist, die Jugend mit Idealen zu erfüllen, wie sie seine Gestalt allein hervorzuzaubern vermochte. Nach Herrn Zweigs Rede las Herr Schauspieler Bennie Spanier Herzls Menorah vor, so schlicht und so innig und stark, wie sie geschrieben ist. Die Rezitation des Stufenliedes schloß den harmonisch verlaufenen Abend. Der Jüdische Turn- und Sportverein berief seine Mitglieder am 31. August zu einer Versammlung, um festzustellen, wer von den Turnern nicht in den Krieg ziehen mußte. Es sind deren nur ganz wenige. Obwohl der allergrößte Teil unter den Fahnen steht, wurde beschlossen, den Turnbetrieb wieder aufzunehmen. Er findet für die Herrenu n d Damenabteilung jeden Mittwoch abends von Vs9—10 Uhr statt. In der richtigen, auch von anderen Turvereinen gemachten Erkenntnis, daß mit der Übung des Körpers nicht ausgesetzt werden dürfe, hat der Jüdische Turnverein als erster in München seine Abende wieder aufgenommen. Agudah-Israel-Jugendgruppe. Um ihrem Programm nach jeder Richtung hin gerecht zu werden, unternahm die hiesige Jugendgruppe im vorvorigen Monat eine kleine Nachmittagstour in den schönen Osten Münchens. Vom Wetter begünstigt, zogen wir, ungefähr dreißig an der Zahl, hinaus ins Freie. Bei frischem Gesang unter Lautebegleitung ging es im flotten Tempo durch Wald und Feld, dem Ausflugsziele entgegen. Es wurden nicht nur agudistische oder ähnliche Themata besprochen — wir zollten auch der Geselligkeit ihren Teil. Heitere Vorträge wechselten mit Gesellschaftsspielen ab, sodaß uns die Zeit wirklich nicht lsange wurde. Als wir uns des Abends voneinander trennten, da hatte ein jeder die Empfindung: „einen schönen Sonntag-Nachmitt?"- in dem Kreise der Aguda verbracht zu haben, dem bald mehrere folgen mögen". M. Z. Regensburg. Der Verein „Phönix" wendete dem Roten Kreuz 100 Mark zu. Regensburg. Der Israelitische Frauenwohltätigkeitsverein spendete 400 Mark für das Rote Kreuz und 500 Mark für Angehörige von Kriegern. Landshut. Vom Israelitischen Frauenverein wurden 500 Mark zur Pflege der Verletzten gespendet.