Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 8 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 95 herzloser Juden Deutschlands, daß die östlichen Juden ihr Unglück seien, aller Verachtung wert, nur geeignet, die Emanzipation oder Assimilation ungebührlich aufzuhalten, sei noch eine Stelle aus Arams Buch wiedergegeben: „So gut ich als Germane jeden Deutschen verachten würde, der laut und öffentlich mitschimpfte über von irgendeiner Allgemeinheit bedrängte Stammesgenossen, mögen sie mir persönlich auch noch so wenig sympathisch sein, so verächtlich fände ich den Europäer oder Amerikaner jüdischen Glaubens, der sich laut und öffentlich über den „polnischen Juden" bekennen würde." Er schließt: „So ist dank russischer Regierungsweisheit durch den moralischen Zusammenbruch des offiziellen Rußlands aus einer russischen Frage eine Weltfrage geworden, welche die ganze gesittete Welt angeht und sie beschäftigen muß, bis das schmerzhafte Problem seine Lösung findet und diese Schande von ihrem Haupte genommen ist, die jedem anständigen Menschen, der Bescheid weiß, die Röte der Scham und der Empörung ins Gesicht treibt. Wir haben Schiedsgerichte der verschiedensten Art, sogar internationale; wir schließen uns jeweils zu einer Liga zusammen, rühmlicherweise sogar zu einer solchen gegen barbarischen Vogelmord, mag er nun Wachteln oder Reihern gelten; überall gibt es Tierschutzvereine, — sollte da nicht auch eine wirksame Instanz zum Schutz gegen sinnlose Menschenquälerei geschaffen werden können, eine Liga gegen barbarischen Menschenmord, wobei hingestellt bleiben mag, ob die moralischen Quälereien der Judengesetzgebung oder die Pogrome schändlicher sind, sollte sich nicht ein Schiedsgericht zusammenbringen lassen, sogar ein internationales, zusammengesetzt aus Männern und Frauen von sittlicher Kraft und moralischem Gewicht?" Solche Worte haben wir schon des öfteren gehört. Sie sind wirkungslos verklungen. Wenn wir sie wieder anführen, geschieht es nur zu dem Zwecke, neuerdings diejenigen, die es am meisten angeht, unsere eigenen Volksgenossen auf Zustände hinzuweisen, zu deren Abhilfe sie vor allen anderen in großzügiger Weise mitzuwirken berufen wären. Wie in diesen Tagen ganz Deutschland aufsteht, um sich seiner Existenz zu wehren, seine Würde zu wahren, so müßte die gesamte Judenschaft aller Länder ihr Letztes daran setzen, um nicht als mitschuldig erklärt zu werden an dem namenlosen Unglück ihrer russischen Brüder. Die Möglichkeit dazu besteht in der nahen Zukunft vielleicht weit eher, als man jetzt wird glauben wollen. Werden unsere verantwortlichen Männer diesen Zeitpunkt, eine Schicksalsstunde für die kommenden Geschicke der Judenheit, verstreichen lassen, ohne die Hand zu rühren? Besprochene Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 23 804. Jüdischer Jugendverein. Aus seinem Rundschreiben vom 8. August. Wir stellen zunächst mit Genugtuung fest, daß der größte Teil der Mitglieder des Jüdischen Jugendvereins die Bedeutung des Augenblicks voll erkannt und sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat... Zahlreiche Mitglieder haben dem auch von uns unterzeichneten Aufruf des Jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß München" Folge geleistet und sich für die E r n t e a r b e i t zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt haben sich zahlreiche unserer weiblichen Mitglieder bei dem Jüdischen Frauenbund für soziale Hilfstätigkeit gemeldet. Jede soziale Betätigung (Krankenpflege, Kinderpflege, Kochen, Nähen, Büroarbeit) erfolgt am besten durch Anmeldung bei dem Jüdischen Frauenbund '(Kaufingerstraße 11/11). Dort werden unsere Mitglieder in verschiedene Gruppen eingeteilt. Besondere Wünsche können Berücksichtigung finden. . .. Zum Schlüsse fordern wir unsere sämtlichen Mitglieder auf, uns darüber eingehende Mitteilung an die Adresse von Fräulein Therese Feust, Königinstraße 2/1, zukommen zu lassen, in welcher Weise sie sich betätigen und später auch darüber, ob sie für neue Tätigkeit frei geworden sind. Die Vorstandschaft, deren männliche Mitglieder, soweit sie nicht ohnedies waffenpflichtig sind, sich sämtlich freiwillig zum Dienst im aktiven Heer gemeldet haben, ruft allen denjenigen, die ins Feld ziehen, ein herzliches Lebewohl zu und verabschiedet sich gleichzeitig von sämtlichen Mitgliedern des Vereins. Sie erwartet, daß jedes Mitglied seine Pflicht tun wird. Die zionistische Ortsgruppe München hat durch den Heimgang ihres Mitgliedes Dr. med. Michael Hoffmann einen großen Verlust erlitten. Ein selten bescheidener und selbstloser Mensch ist mit ihm dahingegangen; neben seinem Beruf, der ihn den größten Teil des Tages beschäftigte, war ihm unsere Sache sein höchstes Lebensziel. Am 13. August wurde er in Berlin zur letzten Ruhe gebracht; neben Prof. Berliner widmete ihm sein greiser Vater, der Direktor des Berliner Rabbinerseminars, die letzten Grüße. Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß" und Judischer Jugendverein. Auf einen Aufruf der beiden Vereine zur Mitwirkung bei der Einbringung der Ernte meldeten sich gegen hundert Madchen und Jungen, darunter auch viele Nichtmitgheder. Ein zionistischer Generalmajor in Österreich Von nichtzionistischer Seite ist wiederholt die Befürchtung ausgesprochen worden, daß unsere Bewegung ein Hemmnis für die Betätigung patriotischer Gefühle bedeute. Wir bestritten diesen Einwand gegen unsere Bestrebungen stets nachdrücklich und betonten die Verdienste, die sich so viele unserer Mitglieder um das Wohl ihres Staates erworben haben. So wollen wir auch heute, wo nicht mit dem Munde, sondern mit der Tat unsere wahre Gesinnung hervortreten wird, auf ein Beispiel von unwiderleglicher Wirkung/ hinweisen, das der Aktualität nicht entraten dürfte. Es handelt sich um einen Mann, der bis in sein Greisenalter hinein für die Ausgestaltung der österreichischungarischen Armee hervorragende Leistungen aufzuweisen hat und, als Theodor Herzl seinen Ruf erschallen ließ, sich ihm anschloß, um der