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Das jüdische Echo · 1914-07-01 · 7 (Juli 1914) · p. Seite 84

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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8} Das Jüdische Echo Nr. 7 Da geschah das Unerwartete. Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Rabbinerverbandes protestierte gegen die Zusammenkunft mit der Begründung, daß der Zionismus dem Lehrinhalt des Judentums und den patriotischen Pflichten seiner Bekenner widerspräche. Zwar mußten sich die Unterzeichner von dem angesehenen, der zionistischen Organisation beigetretenen Memeler Rabbiner Dr. F. Rülf wie von anderen Amtsgenossen sagen lassen, „es sei unrichtig, daß die zionistischen Bestrebungen ^den messianischen Verheißungen widersprächen", sie „beschäftigen sich übrigens mit dem Lehrinhalte des Judentums überhaupt nicht", aber die Erklärung hatte doch vermocht, die Gemüter so zu verwirren, daß als Folge davon ein Kesseltreiben gegen einen Zionistenkongreß im Deutschen Reich beginnen konnte. Die vorbereitende Kommission des Zionistenkongresses hätte sich um Einsprüche nicht zu kümmern brauchen, „weil ja", wie es in der fünften Nummer des ersten Jahrgangs der „Welt" hieß, „die Herren nicht in der Lage sind, den Aufenthalt in München oder die Beratung einer Anzahl von Personen zu verbieten, mit denen sie ausdrücklich in keinem Zusammenhang stehen und stehen wollen." Dessenungeachtet wandte sich Herzl mit der Bitte um Aufklärung nach München, indem er einen für seine Anschauungen, seine Loyalität und seine Festigkeit bezeichnenden Brief schrieb, dessen Konzept wir im Faksimile veröffentlichen. Mit ihm kreuzte sich ein Schreiben der Kultusgemeinde München, das die Bedenken der Münchener Judenheit gegen die Zusammenkunft in ihrer Stadt aufzählte. Wir k'ennen den Wortlaut nicht. Dagegen ließ Herzl, wie er angekündigt hatte, die Antwort auf sein Schreiben in der „Welt" veröffentlichen. Es lautete: München, 14. Juni 1897. Euer Hochwohlgeboren! Ihr geehrtes, vom 11. d. M. datiertes Schreiben ist heute, wahrscheinlich zu gleicher Zeit, zu der Sie unsere Zuschrift vom Gestrigen erhielten, an uns gelangt. Die uns gegebenen Aufklärungen über Ziele und Zwecke der Zionistenbewegung sind nicht geeigenschaftet, unsere Stellungnahme zur Abhaltung des Zionisten-Congresses in München und Bayern zu verändern. Wir sind daher veranlaßt, unser Ersuchen zu wiederholen und, um jedes Mißverständnis auszuschließen, förmlich gegen die Abhaltung des Kongresses in München Protest zu erheben. Hochachtungsvoll Die Verwaltung der israelitischen Cultusgemeinde München. Mit diesem „jedes Mißverständnis ausschließenden Protest" hat sich Münchens Judenschaft um die hohe historische Ehre gebracht, dem ersten der Zionistenkongresse Gastfreundschaft bezeugt zu haben. Seither allerdings scheuten sich, wie bekannt, andere große jüdische Gemeinden nicht, dieses einzige Parlament des jüdischen Volkes willkommen zu heißen. Die Verlegung des ersten Kongresses von München nach Basel ist ein Ereignis, das schon der Geschichte angehört. Das Wachstum des Zionismus ist dadurch nicht beeinträchtigt worden. Durch seine Erfolge ist die gesamte Öffentlichkeit mit den zionistischen Bestrebungen genugsam bekannt geworden, um heute eine Absage, wie sie damals erfolgte, als unmöglich erscheinen zu lssscn Die zionistische Ortsgruppe von München beabsichtigt, bei der im August stattfindenden Jahreskonferenz der zionistischen Organisation den Antrag zu stellen, den Kongreß von 1915 nach München einzuberufen. Die Zionisten unseres Landes nehmen an, daß, sollte dem Antrag zugestimmt werden, die Juden Münchens den nächsten Kongreß würdig empfangen werden. W.—r. Zwei Herzl-Schriften Adolf Friedmann: Das Leben Theodor Herzte. Mit einem Bilde, einem Faksimile und mehreren unveröffentlichten Briefen Theodor Herzls. Jüd. Verlag, Berlin 1914. 8°. 141 S. geb. M. 2.—. Rabbiner Dr. Osias Thon: Theodor Herzl. Mit einigen unveröffentlichten Briefen ' Theodor Herzls an den Verfasser. Nr. 1 der Zionistischen Broschüren-Bibliothek, hrsg. vom Zionistischen Zentralbureau, Berlin W. 15. 8°. 40 S. brosch. M. —.10. Jede Biographie beruht auf Heldenverehrung. Es ist somit die natürliche Perspektive, wenn in Friedemanns Buch die mitwirkenden Faktoren und die Gegenspieler entfernter und unbedeutender erscheinen, als sie wohl in Wirklichkeit gewesen sind, und das Bild des Helden um so leuchtender und kraftvoller, in übermächtiger Größe hervortritt. Mit schöner Wärme hat F. den einzig möglichen Standpunkt eines jeden Zionisten Herzl gegenüber fixiert, den der innigsten Verehrung und Dankbarkeit. Nichtsdestoweniger ist es das leibhafte und wahre Portrait des Führers, wie auch wir ihn empfunden haben, die ihn noch auf der Kongreß-Tribüne sahen. Dieses schlichte und männliche Buch ist außerdem als sachliches Quellenwerk wertvoll. Der Verfasser hat als Mitarbeiter Herzls Nachrichten und Briefe aus erster Hand verarbeitet. Zum erstenmal wird hier zusammenhängend, übersichtlich und mit unbekannten Details die diplomatische Tätigkeit Herzls in ihrer ganzen Bedeutsamkeit dargestellt. Man kann sich der Empfindung nicht erwehren, wie billig die heute übliche geringschätzige Kritik des Charter-Gedankens ist. Unserer Generation mag er zu groß sein; Herzls überragendem Wuchs war er angemessen. Mit dem gleichen Gefühl bewundernder Liebe legt auch Osias Thon den Kranz des Dankes auf die Urne des toten Führers. Während bei Friedemann der Politiker Herzl stark in den Vordergrund tritt, hat Thon auf beschränktem Räume die gesamte Persönlichkeit Herzls gestaltet, klar und leicht faßlich, gut fundiert, und mit festgefügten Zusammenhängen. Aufs neue offenbart sich in den beiden Schriften das einzigartige Wesen des unvergeßlichen Mannes im Gegensatz zu allen Theoretikern und Problematikern der Judenheit. Bündeleien und Konventikel zu schaffen, haben diese vermocht; er aber erweckte mit seinem Ruf das jüdische Volk zur lebendigen Tat. Darum ist ihm keiner zu vergleichen. \y._St. Die besprochenen Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 804. Herzl-Feier Die Zionistische Ortsgruppe München veranstaltet am Mittwoch, 15. Juli, Va9 Uhr abends, anlaßl. des Todestages Herzls im Saal des Musik-

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