Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 71 .'t^"'""pÄ rung usw. Mit den Vorarbeiten, der Sammlung OcmCindCn-tCnO des Materials und dessen Zuteilung an die einzel- ,................,,■■■■■■■■■■■■,„......,,........»..»„„»„,„„„JWi&$jf neu Mitarbeiter, wurde dieser Tage begonnen. Das Wahlrecht der Duisburger Ausländer. In Rothenburg o. T. Bei Straßenarbeiten, die an allen Kreisen des deutschen Judentums hat der der Stelle des früheren jüdischen Friedhofes vor- Versuch der Duisburger Liberalen, die ausländigenommen wurden, fand man eine Anzahl alter scheu Juden von dem Gemeindewahlrecht auszu- Denk- und Grabsteine. Sie geben Kunde von dem schließen, das größte Aufsehen hervorgerufen. harten Schicksal, das die berühmte Gemeinde Man hat es nicht verschmäht, in Eingaben an die während der Kreuzzüge zu erdulden gehabt hat. Behörden die Fabel von einer „ketzerischen Sekte Herr Lehrer Wolff in Aurich sorgte bei der im Judentum" aufzutischen. Und das zur Zeit der Ausgrabung und Überführung zum gegenwärtigen Bellis-Affäre! Gottesacker für eine sachgemäße Behandlung. Die von den Duisburger Gemeindebörden be- Günzenhausen. Die jüdischen Rezitationen aus schlössen^ Statutenänderung bedurfte aber noch aiter Ulld neuer Zeit, die Ende Mai Herr Regisseur der behördlichen Genehmigung. Zu unserer Freude Marie vom Intimen Theater in Nürnberg wirsind wir in der Lage, unseren Lesern heute mitzukungsvoll und künstlerisch vollendet zu Gehör eilen, daß der Herr Minister des Innern tfurch brachte, ließen den großen poetischen Reichtum Erlaß vom 4. Mai d.J. dahin entschieden hat, daß der hl der jüdischen Literatur verborgen nach dem preußischen Gesetz von 1847 Auslander ist Das abwechslungsvoll zusammengestellte in den preußischen jüdischen Gemeinden das ak- Programm hielt das Publikum in ständiger Spantive und passive Wahlrecht haben. Im Erlaß heißt nung> So war denn auch der Bei{all der Zuhörer cs: warm und tiefempfunden, herausgewachsen aus „Das Gesetz bietet keinen Anhalt dafür, daß dem Gefühl eines echten Erlebnisses. S.W. es in diesen Punkten zwischen einheimischen und ausländischen, nicht naturalisierten Juden .mmmss""....................................................................... einen Unterschied hat machen wollen. Im übrij87~£l t •» 7~ -rp ■% gen ist durch die Anforderung dreijähriger Ab- 2X3 LllCrciriSCllßS HCilO gabenentrichtung Vorsorge dafür getroffen, daß lüWn......,.,..»,..,.....».,,........„,„,„»„»,,■■■■.■.■■■......«,.,, lediglich fluktuierende Elemente keinen Einfluß Sigmund Fraenkel: „Austrittspiel", offener Brief auf die Zusammensetzung der Repräsentantenan Herrn Rechtsanwalt Dr. Jsaak Breuer in Frankversammlung gewinnen, andererseits fehlt es an furta.M. Verl. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1914. einem innern Grunde, Personen, welche seit Die geplante Revision des 100 Jahre alten Jahren an die Synagogengemeinde Abgaben bayerischen Judengesetzes zeitigt merkwürdige zahlen, die Rechte aus der Mitgliedschaft bezüg- Blüten. Seit Jahr und Tag bekämpfen sich Freunde lieh der Wahlen vorzuenthalten, sofern sie im und Gegner der Revision in Versammlungen sowohl übrigen den Erfordernissen der Wahlberechtiwie in der Presse und in Broschüren. Ganz begnüg genügen." sonders lebhaft ist der Disput im orthodoxen Lager, Dieses hocherfreuliche Ergebnis danken wir der wo sich zwei Parteien ganz schroff gegenüberunausgesetzten Aufklärungsarbeit der Leiter des stehen; hier die Revisionsfreunde unter der zielbc- „Reichsvereins Deutscher Juden" und der tatkräfwußten Leitung des Führers der Münchner Orthotigen Unterstützung ihrer Aktion durch die deutdoxie, des Herrn Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, sehe Orthodoxie, insbesondere durch die „Freie dort der Ansbacher Rabbiner Dr. P. Kohn, welcher Vereinigung". Ihren Bemühungen um die Aufklüan der Seite sonst liberaler Gegner ganz besonders rung der Öffentlichkeit über das Unjüdische und die Zentralkasse bekämpft. Der Raum verbietet Ungesetzliche jenes Beschlusses ist es zuzuschreiuns, auf diesen Disput näher einzugehen; wir haben ben, daß der Anschlag auf die religiöse Einheit eine kurze Bemerkung nur vorausgeschickt, um des Judentums zurückgewiesen worden ist. den „Offenen Brief" verständlich zu machen. — Da die Frage des Ausländerwahlrechts auch bei In die im besonderen nur Bayern berührende Ander neuen bayerischen Judengesetzgebung zur gelegenheit der Revision hat sich der Bruder des Sprache kommen dürfte, ist die vorbildliche Entim Bunde Dr. Kohns befindlichen Aschaffenburger Scheidung des preußischen Ministeriums von be- Rabbiners eingemischt und in einer von beiden soliderem Wert. Rabbinern herausgegebenen Monatsschrift die re- . kt u j u iivisionsfreundlichen bayerischen Orthodoxen in München Nach der soeben _ erschienenen ejner alles Maß überschreitenden Weise angegriffen, neuen S eh u 1 Ordnung für d i e hohe r er. Hierauf hat nun Kommerzienrat Sigmund Fraenkel Lehranstalten in Bayern ist auch für die eine wenn auch scharfe so doch sehr berechtigte israelitische Schule der Besuch des Gottesdienstes Abfertigung erteilt, in der er auf den unbegreiflichen obligatorisch erklart worden. -Es heißt dann: Widerspruch hinweißt, dessen sich die Herren Die israelitischen Schuler haben an den Sab- Breuer als die Abkömmlinge S. R. fiirsch's und baten und Feiertagen, an denen ein Unterricht die Vorkämpfer seiner Ideen schuldig machen, wenn nicht stattfindet oder an denen sie vom Untersie für Bayern die Schaffung eines „Austrittsgencht befreit sind, am Hauptgottesdienst, an andesetzes" bekämpfen, während sie das preußische reu Sabbaten und Feiertagen den für sie m Austrittsgesetz als die höchste Errungenschaft der Betracht kommenden Jugendgottesdienst oder, Orthodoxie ständig preisen- Das Erscheinen der wo ein solcher nicht eingerichtet ist, den Nach- Schrift wurde in weiten Kreisen mit Beifall aufgemittagsgottesdienst zu besuchen. nommen. Die jüdische Oeffentlichkeit begrüßt es München. Die Israelitische Kultusgemeinde hat mit entschiedener Genugtuung, daß die zügellose beschlossen, zur Feier ihres hundertjährigen Be- Kampfesweise der Herren Breuer hier einmal die Standes im Jahre 1916 eine Festschrift herausgebünrende Zurückweisung erfahren hat. J. F. zugeben. U. a. werden darin folgende Kapitel be- ■ handelt: Geschichte der Juden in München, Ent- Die besprochenen Schriften sind zu beziehen stehung und Entwicklung der Gemeinde, Kultuseinvon Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, richtungen, Schulwesen, Wohltätigkeit, Bevölke- München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 804.