Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheint bis Herbst 1914 monatlich, dann wöchentlich. Abonnementspreis bis 1. Okt. 60 Pfg., ab 1. Okt. 1.— M. pro Vierteljahr. Einzelnummer 10 Pf. Expedition des „Jüdischen Echo" München, Herzog Maxstraße 4. -~"""*>—• Redaktion: München-Solln, Erikastr. 6 Nummer 6 / München / Juni 1914 Anzeigen: Die 4gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 25 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt, s---S Anzeigenannahme und Verlag: Buchdruckerei B. Heller, München, Herzog Maxstraße 4. Fernspr. 8099. Postscheck-Konto München Nr. 5987. Inhalt* Hans Goslar: Reichstagsreden — Der zionistische Delegiertentag in Leipzig — Dr. Rudolf Wassermann: Die lllliail. finanzwirtschaftlichen Gründe für die Revision des Judenediktes — Selma Blumberg: „Die zionistische Utopie", eine Entgegnung (Schluß) — Zeitungs-Echo: Nachrichten für Handel, Industrie und Landwirtschaft — Gemeinden-Echo — Literarisches Echo: „Austrittspiel" von Sigm. Fraenkel — Feuilleton: Die Verstossene von J. L. Perez — Vereins-Echo — Anzeigen-Echo usw. Reichstagsreden Von Handelsredakteur Hans Goslar in Berlin. In seiner Korrespondenz „Deutscher Bote" schrieb der bekannte nationale Journalist Artur D i x dieser Tage über „Parlament und Presse" und wies dabei auch auf die unerfreuliche Tatsache hin, daß im Gegensatz zu den direkt auf die Reichsgründung folgenden Jahren, wo es für die Volksvertretung Zeiten großer Ideen und hohen Gedankenfluges gab, heute das parlamentarische Niveau durch das In-den-Vordergrund- Rücken wirtschafte- und sozialpolitischer Detailfragen unverkennbar herabgedrückt worden ist. Typisch für diese Erkenntis sei die Handlungsweise des früheren Abgeordneten Dr. S t r e s e - mann, der s. Z. eine Sammlung von bei verschiedenen Gelegenheiten gehaltenen größeren Vorträgen unter dem Titel „Wirtschaftspolitische Zeitfragen" herausgab, aber davon Abstand nahm, auch seine Reichstagsreden in diese Sammlung aufzunehmen, und der dieses Vorgehen damit begründete, daß für eine großzügige Behandlung allgemeiner Fragen heute kaum der rechte Boden im Reichstage gefunden werden könne. An diese Sätze mußte ich denken, als ich in den Berichten über die Verhandlungen zum Militäretat im Wallothause die Rede des fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen las. Wie alljährlich wandte sich die Fortschrittliche Volkspartei gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere, ein Thema, das ja bekanntlich von der Regierung mit einigen unverbindlichen Ausflüchten abgetan zu werden pflegt, die in keinem Verhältnis zu dem Maße von Pathos und Entrüstung stehen, das regelmäßig Herr G o t h e i n in seiner Rede aufwendet. Nun hatte im Laufe der Debatte der der Wirtschaftlichen Vereinigung angehörende Abgeordnete R u p p - Marburg auch den Zionismus in die Diskussion hereingezogen. Er sagte nach dem ausführlichen Bericht der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung: „Ich will nicht bestreiten, daß auch unsere jüdischen Mitbürger in mancher Beziehung ihre Vorzüge haben. Diese liegen aber vielfach in anderer Richtung als beim deutschen Volke. Das sehen selbst verständige Juden ein. Der Abg. Qothein fragte nach dem Namen der jüdischen Reserveoffiziere. Ich möchte einmal fragen, woher es kommt, daß unter den aktiven Unteroffizieren gar keine Juden vorhanden sind. Es kann nicht daran liegen, daß sie sich vielleicht scheuen, nach 12jähriger Dienstzeit ein geringes Einkommen zu haben. Sie halten sich dafür wahrscheinlich für nicht geeignet. Auf einer zionistischen Versammlung in Berlin hatte ich einmal Gelegenheit, die Anschauungen offener, ehrlicher Juden zu hören. Ein jüdischer Professor meinte damals, eine Verschmelzung mit dem deutschen Volke sei nicht gut für die Juden, aber auch nicht gut für das deutsche Volk." Diese Gelegenheit ließ man in der Fortschrittlichen Volkspartei, wo man sich insbesondere seit der durch den Sprachenstreit herbeigeführten Erregung unter einigen ihrer einflußreichen jüdischen Freunde sehr für den Zionismus zu interessieren scheint — vide die angekündigte, allerdings unterbliebene Interpellation G o t - h e i n s —, nicht ungenutzt vorübergehen. Und Herr Dr. Müller-Meiningen, sonst einer der allerfähigsten und selbständigsten Köpfe unter der Reichstagsfraktion der Fortschrittlichen Volkspartei, fühlte sich bemüßigt, so ziemlich die denkbar größte und gröbste Plattheit aus dem Arsenal unserer jüdischen Gegner dem hohen Hause über den Zionismus aufzutischen. Er sagte: „Ich muß bestreiten, daß ein Gegensatz zwischen der deutschen und der jüdischen Bevölkerung besteht. Ich kenne nur deutsche Staatsbürger, die gleiche Pflichten und Rechte haben.