Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Das Jüdische Echo Nr. 5 will . . . Üben wir uns im Entgegenkommen, in milder Gegnerschaft ... und wir arbeiten damit sicherlich an dem gemeinsamen Besten unseres Volkes ... Es gehört mehr Mut und Reife dazu, in einer verwilderten Gesellschaft Maß als Trotz zu predigen. Und Maß ist der tiefere Trotz, der Trotz der wirklich Starken, des in sich Festen gegen den billigen Worttrotz des Schwachen. „Ausgewählte Schriften zur jüdischen Frage", Band II, S. 225, 226. Daß diese Worte im Verhältnis des Zionismus und des „Alljudentums" sich erfüllen, ist unser Wunsch zum Jubiläum Birnbaums. Der Tag verlangt aber von uns mehr als nur Wünsche, wenn auch noch so gute. Wir feiern nicht nur eine Leistung, sondern auch den Menschen, der sie vollbrachte. Und wir haben die Pflicht dafür zu arbeiten, daß er sie in Ruhe und ungestört von äußeren Sorgen in seinen kommenden reifsten Jahren ausbauen kann. Der Zionismus verfügt heute über die einzige große nationale Organisation. Das sollte jedem Zionisten das Gefühl der Verpflichtung geben, an einer großen nationalen Sache, wie es die Birnbaumjubiläumsspende ist, in der vordersten Reihe mitzuwirken. Münchener Komitee zu Dr. Nathan Birnbaums Jubiläumsfeier Dr. Nathan Birnbaum (Matthias Acher) beging am 6. Mai seinen fünfzigsten Geburtstag. Den Jubilar, der seit drei Jahrzehnten in aufopfernder Weise für die Anerkennung jüdischen Volkstums eintritt, mit einer Jubiläumsspende zu ehren, hat sich ein großes Komitee gebildet, dem u. v. a. Schalom Asch, Dr. Max Brod, J. Dienesohn, S. Dubnow, Dr. J. L. Magnes, Dr. D. Pasmanik, J. L. Perez, David Pinski, M. Winawer angehören. Auch in München ist die Bildung eines Lokalkomitees im Gange. Es wäre zu wünschen, daß sich auch hier jedermann, der Dr. Birnbaums Verdienste um die Erweckung aus unserer Lethargie zu würdigen weiß, an der Sammlung beteilige, umsomehr als es sich um eine ganz eigenartige jüdische Persönlichkeit handelt, die außerhalb aller Parteien stehend, in Werken und Worten allen dient, indem sie mit ihrer Kritik eine jede zur Selbstbesinnung, zur Rechenschaft vor sich selbst anregt, ja zwingt. Spenden für den Jubiläums-Fonds nimmt gegen Quittung vorläufig der Jüdischakademische Kulturverein, Zweigstraße 10, und die Redaktion des „Jüdischen Echos" entgegen. Biographische Daten über Dr. Nathan Birnbaum (Herausgegeben von der Zentrale des Dr. Nathan Birnbaum Jubiläums-Komitees in Berlin) Nathan Birnbaum ist in Wien als Sohn ostjüdischer Eltern geboren. Im Jahre 1883 gründet Birnbaum mit einigen ostjüdischen Freunden die „K a d i m a h", die erste Vereinigung jüdisch - nationaler Studenten überhaupt. In das Jahr 1884 fällt die Herausgabe der „Selbstemanzipation", jener ersten nationaljüdischen, bezw. zionistischen Zeitschrift des Westens, die mit teilweise langen Unterbrechungen bis in die neunziger Jahre von Birnbaum geleitet worden ist. 1887 erfolgt seine Promotion zum Dr. juris. Er ist dann noch einige Jahre ohne viel innere Anteilnahme als Kanzleijurist tätig gewesen, um schließlich diese Laufbahn völlig preiszugeben. Die durch ihn selbst heraufgeführte national-jüdisch zionistische Bewegung läßt ihn nicht mehr los und nimmt allmählich seine gesamte Arbeitskraft in Beschlag. In jenen Jahren legt er die gedanklichen Fundamente, die später vom Kongreßzionismus fast unverändert übernommen wurden. Den Abschluß dieser Periode mag man mit dem Jahre 1893 setzen; damals erscheint die Schrift „Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Land e". Die nächsten Jahre sind solche schweren Ringens um neue Formulierungen und neue Wege. Schon in „Der jüdischen Moderne" verrät sich ein verhaltenes, aber explosives Suchen. Es kommen die Kämpfe für den Primat und die Anerkennung der ostjüdischen Kultur. 1906 und 1907, zur Zeit, als das allgemeine Wahlrecht in Österreich eingeführt wurde, gibt Birnbaum in Wien ein neues Blatt heraus, die „N e u e Z e i t u n g". 1907 ist er, mit zionistischer Unterstützung, nationaljüdischer Kandidat zum Reichsrat für Buczacz (Qalizien), kommt in Stichwahl, dringt aber dem polnischen Wahlschwindel gegenüber nicht durch. 1908 ist Birnbaum in Czernowitz; dorthin beruft er im Spätsommer 1908 die erste „Jüdische Sprachkonferenz", an der die bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der Ostjuden teils persönlich (Asch, Nomberg, Perez, Reisen, Schitlowsky), teils mit Begrüßungsschreiben (Mendale Mojcher Sforim, Scholem Alejchem) teilnehmen. Die Konferenz spricht sich unzweideutig für die Rechte und die Bedeutung der ostjüdischen Volkssprache aus. In den ersten vier Monaten des Jahres 1908 unternimmt Birnbaum eine Vortragstournee in Amerika; 1911 hält er sich längere Zeit in Rußland auf und lernt auch hier die Verhältnisse aus der Nähe kennen. Bis zum Jahre 1908, wo er nach Czernowitz übersiedelt, lebt Birnbaum, von einem vorübergehenden Aufenthalt in Berlin 1897 abgesehen, beständig in Wien. Seit 1911 wohnt er in Berlin. Jüdische Seele in jüdischen Lebensformen ist jüdische Kraft. Dr. Nathan Birnbaum (Matthias Acher)