Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheint bis Herbst 1914 monatlich, dann wöchentlich. Hbonnementspreis bis 1. Okt. 60 Pf., ab 1. Okt. L— M. pro Vierteljahr. Einzelnummer 10 Pf. Expedition des „Jüdischen Echo" München, Herzog Maxstraße 4. •— Redaktion: München-Solln, Erikastr. 6 Hn zeigen: Die 4gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 25 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. /»—•»_<? Anzeigenannahme und Verlag': Buchdruckerei B. Heller, München, Herzog Maxstraße 4. Fernspr. 8099. Postscheck-Konto München Nr. 3987. Hpril 1914 München Nummer 4 Der Schekel Der Reiche soll nicht mehr geben, und der Arme nicht weniger. (2. Buch Moses, Kap. 30, Vers. 15) Der Schekel ist die Grundsteuer, welche der Zionist alljährlich seiner Organisation zu entrichten hat. Er ist eingeführt worden in Anlehnung an die Vorschrift des zweiten Buches Moses, wonach jeder Jude bei der Volkszählung einen halben Schekel an die Stiftshütte abzuführen hatte. Zu Beginn der zionistischen Bewegung war beabsichtigt, mit dem Schekolim die laufenden Ausgaben der Leitung zu decken. Zwar wuchs im Lauf der Jahre die Zahl der Zionisten, aber das Ergebnis der gering bemessenen Kopfsteuer von einer Mark reichte bald nicht mehr für die großen Bedürfnisse einer wohlgeleiteten Organisation aus. Zur Ergänzung schuf man den Zentralfonds. Auf diese Weise blieb das Wesen des Schekels unverändert. Denn er ist mehr als eine Geldleistung: die Abgabe des Schekels soll das Bekenntnis zu unseren Bestrebungen und Idealen bedeuten. Der Zionismus gewinnt in Deutschland durch die ihm innewohnenden moralischen Kräfte zusehends an Einfluß. Nicht unsere Schwäche, nein, unsere Stärke ist es, die die Gegner auf den Plan ruft. Ihre Angriffe und Warnungen verfehlen den Zweck: stetig wächst die Zahl unserer Anhänger. Kein Wunder! Jeder, der ungetrübten Auges den Weg, den das Judentum in Deutschland seit der Emanzipation gegangen ist, verfolgt, muß erkennen, daß uns die nach rechts und links geschlossenen Kompromisse mit beängstigender Schnelle an den Abgrund führen. Gewiß! Nach einer lange währenden, nur durch Abbrucharbeiten unterbrochenen Stille regt sich's wieder da und dort zu neuem Leben. Der Zionismus hat manch Gedankenlosen oder Faulen aus dem Schlaf gerüttelt. Laßt Euch aber nicht vom Scheine trügen! Bedenket, daß Halbheiten das Verhängnis nur verzögern, wahrlich nicht aufhalten können. Wir wollen uns nicht mit kleinen, die begonnene Entwicklung kaum hemmenden Tageserfolgen begnügen. Wir wollen nicht in den Erinnerungen an die einstige Größe, an den Glanz ach! längst vergangener Zeiten erschlaffen und uns mit einer wenn auch äußerlich erträglichen, innerlich jedoch völlig unbefriedigenden Gegenwart begnügen, sondern an die Gestaltung einer besseren Zukunft denken — vorbauen — wirken zum seelischen, geistigen, leiblichen Wohle derer, die nach uns kommen. Darum tue, wer in dem Wesentlichen der Kritik wie der Ziele mit uns übereinstimmt, auch den Schritt auf unsere Seite! Wir sind keine Zeloten und verlangen nicht, daß alle Zionisten sogleich und immerdar einer Meinung seien. Die demokratische Grundlage unserer Organisation hat bisher und wird stets jedem die Freiheit seiner persönlichen Ansichten verbürgen. In der Beurteilung heutiger Zustände, in Einzelfragen der Taktik und Methoden begegnen sich in unserem Lager verschiedene Forderungen. Sie stören nicht die Harmonie des Ganzen. Denn uns eint eine gemeinsame Idee, dargelegt im Baseler Programm. Zionist ist, wer sich zu dessen Inhalt bekennt. Unser Programm besagt, daß wir durch mehr als nur relgiöse Merkmale zusammengehalten werden, daß wir uns als Volk fühlen — in ethnischem Sinne. Es verkündet die Überzeugung, daß unser Fortbestand abhängig sei von der Wiederbesiedlung Palästinas mit einer normalen Bedingungen unterstellten jüdischen Bevölkerung und bekundet den Willen zur Erneuerung unseres Volkstums im Lande unserer Vorfahren. Das zu glauben, das zu wünschen, dafür einzutreten, verlangt der Zionismus von denen, die sich uns anschließen sollen. Nicht mehr und nicht weniger! Wessen Gewissen es zuläßt, „wen sein Herz dazu treibt", zahle den Schekel!