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Das jüdische Blatt · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Do» jüdische Klatt 13 Eines Tages war die Sehnsucht nach Regi da, und mit ihr zugleich kam die Reue. Aber noch eines bereitete den Boden dafür vor. Und bei seiner Gemütsart und tief religiös, wie er war, war's anzunehmen, daß die Sache für ihn nicht ganz zu Ende fein konnte. Schon die Scheidung hatte einen leisen Stachel zurückgelassen. Er konnte nicht vergessen, daß sie seine Hilfe zurückgewiesen. Und wie sie's getan, wie sie gesprochen hatte! Die Augen voll zorniger Tränen, die ganze Gestalt bebend in Empörung! . . Schon lange war die Ahnung in ihm aufgestiegen, daß vielleicht etwas anderes als Bosheit und Verstocktheit, wie er's damals geglaubt, dieser Leidenschaftlichkeit zugrunde gelegen habe. Gewissenszweifel singen an, ihn zu quälen; er wurde unsicher an sich selbst. Hatte er sich geprüft, wie ihm der Rabbiner an jenem Tage ernst mahnend vorgehalten? Und hatte er nicht selber als unterrichteter Mann das Gebot der Weisen gekannt: „Handle nicht im Zorn und sprich kein Urteil in der Erregtheit deines Gemütes? Wie er Regi für die Alleinschuldige gehalten, wie er zur Eile gedrängt, wie er alles getan, nur so bald als möglich von ihr frei zu kommen, so unbarmherzig ging er jetzt mit sich selber zu Gericht und kehrte alle Spitzen gegen sich selber. War er denn an dem schrecklichen Ausgang inbetreff des Kindes nicht auch mitschuldig? Warum hatte er, anstatt das Kind selber gleich zu entfernen, ihr diese schlimme Szene in Gegenwart der Mutter gemacht, wo er wußte, wie wunderbar sie gerade in diesem Punkte war? . . . Und überhaupt, hatte er ihr gegenüber immer recht gehabt? War's billig, zu verlangen, daß sie, die jung, voll starken, heißen Temperaments, die jo ganz anders geartet war, so denken, fühlen, daß sie sich so ganz geben sollte, wie er und die Mutter es wünschten, wie sie beide es waren, ohne den kleinsten Rest ihres Wesens zu schonen? Ihre Eifersucht aus die Mutter war doch Liebe zu ihm? Und wie glücklich war sie, glücklich wie ein Kind, und auch weicher und fügsamer, wenn er ihre kleinen Wünsche befriedigte! Der Mutter machte er nicht einmal in Gedanken einen Vorwurf: sie war in so vielem billig denkender gewesen. Was ihn erfüllte und bewegte, suchte er jedoch strenge vor ihr zu verbergen, wie damals, als ihn das erste heiße Gefühl für Regi ergriff. . . Sie hätte seine Selbstoorwürfe für erzwungene Grübeleien gehalten, um seine Schwäche vor ihr zu beschönigen. Sie wußte auch nicht, wie häufig Josefs Reisen diesem Zwecke galten. Er war auch schon in Budapest gewesen, um durch eine zweite Person bei ihren Verwandten im stillen Erkundigungen einzuziehen. Aber Regis Onkel und Tante waren vor einem Jahre gestorben und dadurch jeder weitere Anhaltspunkt verloren. Und wenn er sie wieder fand, was dann? Vielleicht war Regi schon verheiratet und trat ihm als Frau einas anderen entgegen?! Und Josef wußte nicht, was weniger Qual für ihn enthielt, dieses oder die Vorstellung, daß sie sich verlassen und in Not durch das Leben drückte. XIII. Einige Tage, nachdem Eisik Rosenberger seinen letzten Angriff auf Josef Schlesingers Freiheit gemacht hatte, suchte er dessen Mutter auf. Er hatte erfahren, daß der junge Mann verreist sei, und so war es die beste Gelegenheit für ihn, ihr seinen Antrag zu unterbreiten. „Frau Schlesinger," sagte Eisik, nachdem er begrüßt worden war und Platz genommen hatte, „ich Hab' eine Partie für ihren Sohn, wie sie nicht alle Tage, ja, was sag' ich da, nicht in hundert Jahren vorkommt." Frau Schlesinger kannte die übertreibende Art, in der der gute Mann seine Unterhandlungen einzuleiten pflegte; da es aber jetzt bei ihr selber ein immer dringenderer Wunsch wurde, ging sie diesmal mit großem Ernst auf die Sache ein. Wer und wo es wäre? „Ein schönes Mädchen, ein reiches Mädchen und eine feine Familie," sagte Eisik Rosenberger mit großer Begeisterung. „Jst's eine Familie, die wir kennen?" fragte Frau Schlesinger. Er verneinte. Der Vater des Mädchens fei Besitzer einer großen Dampfmühle unö. wohne in der Nähe von Waitzen. Sie meinte, das fei ja sehr weit, dicht bei Budapest. Wie er denn dorthin gekommen wäre? Und Eisik erzählte: Er habe in Waitzen eine Partie zusammengebracht, und der betreffende Herr Ehrenreich, der ein Verwandter des Hauses fei, war bei der Verlobungsfeier zugegen gewesen. „Verschaffen Sie mir auch einen Schwiegersohn", hätte er zu ihm gesagt. „Ich Hab' eine schöne Tochter und geb' ihr 50 000 Gulden mit." Und als ich den Herrn fragte, welche Ansprüche er denn stelle", fuhr Eisik fort, „hat er all' Eigenschaften aufgezählt, die Ihr Sohn besitzt. Das Hab ich ihm auch gesagt, und da er mir den Auftrag gegeben, die Sache zu machen." (Fortsetzung folgt.) Für de« Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, insbesondere nicht kinstchtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Waren. zG»O»O»G«»O«O»OOO»OO Aufruf! j 5ür eine arme, alle, schwerkranke Jrau wird um einen milden Beitrag zu den Kurkosten gebeten. Spenden erbeten an die Redaktion in Ansbach. Eine aus der oberen Töchterschule entlassene, israelitische Handelsschülerin, die in der deutschen u. französischen Stenographie, sowie im Maschinenschreiben gut bewandert ist, sucht Stelle als ßureaulistin (ohne Samstag). Zu erfragen in der Expedition ds. Bl. Als bewährtes Insertionsorgan bestens zu empfehlen: „MlOurgtr Post" Angesehenste politische u. Handelszeitung ganz Südwestdeutschlands. 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