Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das jüdische glatt 13 Mutter und Soli«. Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch-Weiß. So war alles wieder, wies vordem gewesen. Und wer das Haus betrat und es nicht wußte, hätte niemals annehmen können, daß da, wo nur die Geräusche der Arbeit herrschten und wo auch die karg zubemessene Ruhezeit von einem Ernst, einer Stille getragen war, die etwas Schweres, Farbloses an sich hatte — daß in diesen Räumen jemals eine junge, helle Stimme gelacht, junge Augen bald in Uebermut, bald in Zorn drin geblitzt, daß ein daseinsersülltes Geschöpf mit seinem Ueberfluß von wilden Schößlingen diese gleichmäßigen, wie mit einem Zirkel gezogenen Kreise gestört, und ebensowenig, daß eine Kinderstimme mit ihrem klingenden Leben von Lachen und Weinen, von Lust und Schmerz sie erfüllt hatte. . . . Josef Schlesinger stand im Fabrikhof und gab seine Anordnungen und Befehle. Eine Anzahl mit Stärke beladener Wagen stand zur Abfahrt bereit. Er übersah noch einmal alles und hieß dann die Leute zur Bahn vorausfahren, wohin ein Weg von fast zwei Stunden war. Er wollte bald Nachkommen, und in seinem leichten Gefährt würde er noch eher an Ort und Stelle sein, um die Ware aufzugeben. Nun verließ er den Hof, um ins Haus zu gehen. Als er gerade auf den Marktplatz hinaustrat, kam ihm Eifik Rosenberger entgegen. Der Ort barg in Gestalt dieses Ehrenmannes für Josef eine ständige Plage, und er war ebenso bestrebt, ihm auszuweichen, wie jener ihn zu treffen suchte. Mit wie viel Anträgen war Eifik in diesen zwei Jahren schon gekommen und abgewiesen worden! Aber der kleine, dicke Mann war unermüdlich. Er hatte im Grunde kein schlechtes Herz, war gefällig, hilfsbereit, und niemals verschloß er sich dem Mitleid; aber er war das, was man einen Geschäftsfanatiker nennt. Kam ein „Geschäft" in Betracht, dann gingen alle seine guten Eigenschaften unter. . . . Josef machte ein paar lange Schritte, um ins Haus zu gelangen; Eifik Rosenberger war aber rascher und hielt ihn vor der Haustüre auf. „Es freut mich so sehr, Sie zu sehen, Herr Schlesinger," sagte er mit dem harmlosesten und freundlichsten Gesichte von der Welt. „Haben Sie vielleicht ein Stündchen Zeit für mich?" „Nicht ein Stündchen und nicht eine Minute. Ich muß zur Bahn." „Darf ich morgen kommen oder übermorgen? Es ist diesmal etwas besonders Paffendes." „Herr Rosenberger, lassen Sie mich mit diesen Sachen in Ruh'!" unterbrach ihn Josef, dem das Blut ins Gesicht stieg. Nichts in der Welt vermochte ihn so zu reizen und in Wallung zu bringen, wie der Anblick Eisiks und seine Reden. „Warum sind Sie so ärgerlich, Herr Schlesinger?" sagte Eisik sanft. „Ich mein' es wirklich gut mit Ihnen." „Und ich habe Ihnen schon so und so viele Male erklärt, daß ich nicht heiraten werde, und daß all Ihr Drängen umsonst ist." „Das eben will ich nicht glauben," versetzte Eisik Rosenberger gleichmütig. „Sie sind ein schöner, reicher, junger Mann und können die Beste kriegen, Primaware! Und Sie sind ein frommer und gelehrter Mann und wissen, daß es Pflicht ist, ein Haus, eine Familie zu gründen!" „Das ist etwas, das nicht Sie, sondern mich allein angeht. Und wenn Sie mit dieser Sache nicht endlich einmal aufhören, dann werden Sie mich zwingen, Sie-wegen Belästigung zu verklagen." Damit ließ Josef Eisik stehen und ging rasch ins Haus. Ohne die geringste Empfindlichkeit sah ihm dieser nach. Er war an derartige Abfertigung gewöhnt. Und wie immer, lächelte er auch jetzt; denn er dachte: „Stetes Hämmern spaltet den härtesten Stein." Er würde ihn doch noch dazu bekommen! xi r. Nicht nur Eisik Mosenberger, das ganze Städtchen zerbrach sich den Kopf darüber, warum Josef Schlesinger nicht wieder heiratete. Was stand denn im Wege? Daß er ein geschiedener Mann war? Die reichsten und angesehensten Häuser im Ort und in der Umgegend hätten ihn mit Freuden als Schwiegersohn begrüßt. Wie in so Vielem die Frau als der schwächere Teil die größere Last zu tragen hat, bleibt der Makel der Scheidung auch in den meisten Fällen an der Frau und nicht an dem Manne hängen. Und besonders in diesem Falle, wo Josef Schlesinger wie eine Art Märtyrer aus dieser traurigen Affäre hervorgegangen war. .. (Fortsetzung folgt.) MU" £nv den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, inskesondere nicht hinsichtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Waren. Flechten ■Im. n. trockene Schuppenflechte, •kroph. Ekzema, Hautauuchläge, offene Füße Belnaehäden, Beingeschwüre, Aderbeine, böae ringer, alte Wundes aind «ft aehr lurtnlckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch eines Versuch mit der bestens bewährtes Rmo-Salbc . frei von schädlichen Bestandteiles. Dose Mark 1.15 u. 2.25. Dankschreiben geben täglich eta. Zusammensetzung: Wachs, Ol, Terpentin je 25,0, Birkenteer SA Eigelb 20,0, Salieri. Bora, je 1,0. Nur echt in Originalpackung weiss - grfin - rot und mit Firma Schnben&Co., Weinböhla-Dresden« Fälschungen weise man zurück. Zu haben in den Apotheken. Soeben erschien: Die heilige Schrift Urtext mit deutscher Uebersetzung von Philippson, Landau u. Kaempf. - Zwei Bände - Elegant in Leinen geb. M. 7.— Zwei Halbfranzbände M. ©.— Einzige vollständige hebräiseke Bibel mit deutscher Uebersetzung. J. Ka uff mann, Verlag Frankfurt a. .11. Schillerstrasse 19_ tHirnwmunlBiiiBigüüij: Verlangt berühmt. Leonhardts PützrÄnderescHirr/ui ück mm n Drog. u Küchengeräte. Ausschneiden. 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