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Das jüdische Blatt · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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??7>; ■■?** r. - .''<-^^^<#3.4 h3P' <H'- 12 Das jüdische Klatt. Nr. 28 «toi; ta rccompense scra considerable. «Et il ent foi Claris f’Eternel, et l’Eternel lui en fit «un merite.» (Genese, XV, 1, G). «Or cet liommc — Moise — etait fort luimble, plus «(jiraucun liommc sur la terre. «Moise est mon serviteur; de tonte ma maison, «c’est le plus devoue. C’est face ä face que je lui «parle . . . .» (Nombrcs XII, 3, 7). Eien n’est ecrit ä Pavanco; personne n’est condamnö s’il n’a peche (Exode, XXXI1, 33). «La justice est a Dieu» (Deuter. I, 17). Getto doctrine si pure, si feconde dans la lutte quotidienne de l’existence, a toujours ete, et demeurera toujours, la force essentielle du Judaisme. Car, pour le Judaisme, proclaraer rentiere liberte de l’homme, ce n’est rien cnlever a l’idee de la toute-puissance de Dieu: «Le regard divin plane sur toutes choses; cependant «l’homme est libre; Punivers est juge avec bonte, et «chacun est traite suivant son merite.» (Rabbi Aqiba, dans Aboth III, 15.) C’est la l’origine de ce qu’on a quelquefois appele: Poptimisme juif, et qui est simplement: la foi — juive — dans la liberte de Phomme et dans la justice de Dieu. Commandant A. Lipman. Mutter uiib Soliu. Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch-Weiß. Dann sagte er ruhiger: „Ich müßte zwischen ihr und meiner Mutter wählen, über die ich all das Elend gebracht habe, das sie aus einer gesunden zu einer kranken Frau gemacht hat. Sie verdient es nicht, daß ich ihretwegen meine Mutter auf ihre alten Tage allein lasse." „Weih deine Mutter von deinem Vorhaben?" Josef verneinte. Er hatte nicht mit ihr darüber gesprochen und würde es auch nicht tun, bis alles vorüber war, bis er ihr sagen konnte: „Der alte Frieden, die alte Ruhe ist wieder in deinem Hause." ... Grauen! Das war die rechte Bezeichnung für das Gefühl, das er jetzt empfand, wenn er an Regi dachte: ein Gemisch von Zorn, Schmerz, Entsetzen, das sich nicht in Worte kleiden ließ. . . . Als er ein paar Tage später wieder zum Rabbiner ging mit der Bitte, die Sache zu beschleunigen, da ein solcher Zustand, wie er unter diesen Verhältnissen im Hause herrsche, unhaltbar, für ihn unerträglich sei, sagte der greise Rabbiner: „Das geht nicht so rasch; deine Frau muß auch ihre Einwilligung dazu geben." Regi hatte eingewilligt. Trotzdem sie in einem Hause wohnten, hatte Josef sie nicht gesprochen, sondern ihr schriftlich seinen Entschluß mitgeteilt. Sie antwortete auf dieselbe Weise, nur noch kürzer, in zwei Sätzen: „Wenns dir recht ist, mir ist alles recht." Der alte, weißhaarige Mann sah lange auf den kleinen Zettel in seiner Hand, dann sagte er: „Arme Frau! Ein grausam großes Leid liegt in den wenigen Worten." . . . Und nach einem Schweigen fuhr er, zu Josef gewandt, fort: „Prüfe nochmals dein Inneres, mein Sohn, damit du dich ja nicht versündigst!" Doch Josef schüttelte nur'den Kopf, und sein Gesicht blieb gleich hart und unbewegt. So wurde der Zeitpunkt für die Scheidung festgesetzt. Und wieder kam der Tag, wo sie vor dem Rabbiner standen. Aber nicht, wie damals, unter dem Baldachin, in der Synagoge, wo der Sommertag mit hellen, lachenden Augen durch die hohen Fenster drang, ihre geschmückten Gestalten mit goldenem Lichte übergießend, wo erhebende Gefühle ihre jungen Herzen bewegten und in ahnenden Seligkeiten erschauern ließen. . . . Im Zimmer des Rabbiners war es, und draußen fielen Schneeflocken; nicht neben, getrennt voneinander standen sie, er auf der einen, sie auf der anderen Seite des Zimmers. . . . Josef Schlesinger war blaß und schien sehr aufgeregt, trotzdem er sich Mühe gab, als Mann seine Fassung zu bewahren. Er hatte verwundert und mit Kopfschütteln aufgeblickt, als feine Frau hereintrat, ein Tuch um den Kopf geschlungen, ein Umschlagetuch um die Schultern, wie's die ärmere Klasse der Frauen im Orte trug. Warum tat sie das? Wollte sie durch ein solches Schauspiel seinem Hause irgend etwas zufügen? . . . Etwas, dem er keinen Namen geben konnte, das aber, wie er fühlte, eine Erniedrigung in sich trug? ... Er hatte sie nicht wiedergesehen, seit er ihr jene Zeilen geschrieben; denn sie hatte zur selben Stunde noch das Haus verlassen und war in die kleine Schammeswohnung gezogen, die gerade leer stand, nichts mit sich nehmend, als ein paar von ihren und alle Sachen ihres verstorbenen Kindes. . . . Nun stand Regi da in der veränderten Tracht, die ihre junge Gestalt unschön verhüllte; das Tuch tief ins Gesicht gezogen, hörte sie mit gesenktem Haupte zu, gab ihre einsilbigen Antworten, scheinbar so gleichgültig, als ginge sie das Ganze nicht viel an. Als die Frage an sie gestellt wurde, ob sie aus freiem Antriebe in die Scheidung willige, sagte sie dasselbe, was sie in dem Briefe geschrieben: „Wenn es ihm recht ist, mir ist alles recht." „Das geht nicht, liebe Frau," hielt ihr der Rabbiner mit milder Stimme vor, und auch die anderen gelehrten Herren, die das Schiedsgericht ausmachten, wiederholten dasselbe. Noch einmal mahnte der Rabbiner: „Es muß ein freiwilliges, bestimmtes Ja oder Nein sein." „Ja!!" Regi schrie fast, dann zog sie, wie erschrocken, das Tuch tiefer ins Gesicht und setzte sich auf den Stuhl, der hinter ihr stand. So wurde die Scheidung vollzogen.' Aber noch einmal kam Leben und Bewegung in Regi, als Josef zum Schluß vor dem Kollegium eine bestimmte, nicht kleine Summe Geldes für sie festsetzte,, um, wie er sagte, sie vor Not zu schützen. Sie sprang auf, das Tuch schob sich bei der heftigen Bewegung zurück, aus dem blassen Gesichte funkelten die Augen in zorniger, unbeherrschter Leidenschaft. „Sie sollen's behalten, die Schlesingers, und mit dem Gelde glücklich werden!" schrie sie. „Leer bin ich in ihr Haus gekommen, und leer geh' ich fort. Lieber auf der Straße verderben, als einen Kreuzer von ihm annehmen!" Damit verließ sie ohne Gruß das Zimmer. Die Herren sahen ihr betroffen nach; denn sie fanden das Vorgehen Josefs sehr großmütig. Und was dieser dachte? „Schlecht und verstockt ist sie; sie hat keine Spur von Herz." Und dies gab ihm die Beruhigung, daß er ihr nicht unrecht getan. Ein paar Tage später hieß es, Regi habe den Ort verlassen. Kein Mensch wußte, wohin sie ging, was sie beabsichtigte, wie keiner während der ganzen Zeit hätte angeben können, wie sie ihr verändertes Schicksal trug, so sehr und oft grausam die Neugier sich auch an sie drängte. ... Diese trotzige Abwehr, diese Verstocktheit, wie das Schweigen genannt wurde, in das sie sich wie in einen dreifachen Panzer "'x -4*0

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