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Das jüdische Blatt · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Reich und Ausland: Leltungspretslttte. ÄSayern: Leilungsnummer S4S. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässifche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Socinüraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. ZustellungSgebühren). der Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da» Jahr. I« Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. daL Jahr. Ja England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -JnjLcate nach Tarif.- & Abonnements nimmt jede voltanlkalt entgegen. v. Aabrgnng Stratzburg, 10. Juli 1914, 16. tramnius 5674. _Dr. 28 Inhalt. Leitartikel: Der Herr der Situation. — Zur Lage in Bayern. — Theorie und Praxis. — Nur Worte. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachrichten. —: Briefkasten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Le libre arbitre. — Mutter und Sohn. — Inserate. Zu pb3 's, Der Kerr der Situation. Niemand, welcher die Sidra Balak mit den Augen unserer alten Weisen liest, wird sich eines Schauders erwehren können. Da war ein Mann, der an Größe der Begabung seinesgleichen suchte; wird uns doch berichtet, daß Bileam geeignet war, in prophetischer Höhe Moses gleichzukommen. Er stand vor den Pforten der Wahrheit und hätte seine Zeit in das Glück des Erkennens führen, hätte ihr den Weg zum Himmel zeigen können, allein ihm fehlte eines, die sittliche Höhe, ihm fehlte die Fähigkeit, im Glücke anderer sich befriedigt zu fühlen (HDIE py), ihm fehlte das Verständnis für andere Menschen überhaupt (PDE0 nn), ihm fehlte jedes Maß der eigenen Wünsche Und so führt er uns denn an die Schwelle jenes Weltgeheimnisses, das uns die furchtbare, verderbenbringende Macht des Schlechten enthüllt. Sein Charakterbild ist uns klar, denn er hat Schule gemacht und im Wechsel von Sieg und Niederlage kämpfen miteinander Abrahams und Bileams Schüler. Mehr Rätsel gibt uns Balak auf, so recht das Bild eines Menschen, in welchem das Können nicht im richtigen Verhältnis zum Wollen steht, der Usurpator, wie er leibt und lebt. Im Euphratland stand seine Wiege; da prophezeit ihm Bileam: Du wirst einst König werden. Da war namenlose Unruhe in die Seele des jungen Mannes getragen. Er wanderte südwestwärts und seinen angeborenen Diplomatenkünsten gelang es alsbald, es zu führender Stellung in Midjan zu bringen. Wachsamen Auges beobachtet nunmehr Balak, dessen Ehrgeiz im umgekehrten.Verhältnis zu seinem Mut steht, die Vorgänge in den Nachbarstaaten. Da bereiteten sich große Dinge vor. Emoris Zwingherrschaft, unter der auch Moab geseufzt hatte, war durch Moses' Sieg bei Jahza gebrochen. Aber man kam in Moab nicht recht zum frohen Aufatmen; Balak verstand es schon, durch seine Emissäre die Aufregung zu steigern, die Angst ins Unermeßliche zu treiben, um sich im gegebenen Augenblick als rettenden Mann auszuspielen. „Und Balak wurde König für Moab in diesem Augenblick (22, 4). Was mag er da alles den verängfteten Moabitern vorgeredet haben; „ich habe ein sicheres Mittel gegen die Juden, laßt mich nur gewähren; meine alten, guten Mijaniten werden euch schon helfen." Man raunte aber im Volke, denn man erwartete einen groß angelegten Feldzugsplan; endlich, endlich rückte Balak ganz mit seinem Plane heraus. Etwas ganz Neues, Unerhörtes. „Keinen Schwertstreich wird es euch kosten; verfluchen werde ich die Juden lassen. Mein Spezialfreund, der große Bileam, wird es besorgen." Die guten, alten Midjaniten gingen mit; warum auch nicht? Galt es doch gegen die Juden. Allein sie trauten dem Frieden nicht recht; sie wollten dem Bileam, welcher lieber als Zauberer, denn' als Prophet galt, sich als Kollegen vorstellen, und als sie nicht sofort freundliche Bereitwilligkeit vorfanden, kehrten sie um. Ihre Mission war vorläufig beendet — bis zur Baalpeor-Orgie in Schittim. Die Großen Moabs kehrten mit leeren Händen zurück; eine arge Verlegenheit für Balak. Allein ein Balak läßt sich nicht verblüffen. „Die Gesandten haben ihre Sache schlecht gemacht, verstanden nicht zu imponieren; wir werden jetzt die Edelsten der Nation zu ihm schicken und ihm den rechten Preis zahlen; warum soll man nicht in unserer Zeit für Geld alles haben können, sogar einen Fluch?"-Das Wiedersehen zwischen Bileam und Balak war nicht eben freundlich; der kleine Balak war etwas protzig geworden, er hielt seinen alten Freund zunächst etwas knapp (vgl. 22, 40 mit Raschi), aber im gegebenen Augenblick verstand er wiederum auch das geschmeidige Parieren. Er hoffte auf einen großen Erfolg, hatte die Spitzen der Moabiter um sich geladen und glaubte auftrumpfen zu können. „Was hat nun der Ewige gesprochen?" Enttäuscht und bestürzt findet er doch noch den Kommandoton (23, 25; 24, 10). Da flüsterte ihm Bileam etwas ins Ohr; Balak verstand ihn, verstand ihn sehr gut, konnte nun seine, seine altgewohnten Wege gehen, ging hin und veranstaltete das Volksfest in Schittim und lud statt Midjans Greise Midjans Jugend ein. So siegte er. p. k.

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