Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das jüdische Klatt. 13 Blaß, das junge Gesicht wie erstarrt, drückte sie sich scheu im Hause herum und ging jedem aus dem Wege. Die Ursache, die den Tod des Kleinen herbeigeführt, blieb nicht verborgen. Der Streit der Stimmen, Regis Geschrei hatten Vorübergehende veranlaßt, vor dem Hause stehen zu bleiben, manchen sehr Neugierigen sogar in den Vorflur zu treten. Eine Ausrede hatte man ja immer zur Hand: man wolle in den Laden. . . . Regi wurde allgemein verdammt, verurteilt, aber es ließ sie gleichgültig, wie alles, was um sie her vorging. Die üblichen sieben Trauertage verbrachten sie getrennt; Regi in ihrem Zimmer oben, wohin ihr auf ihren Wunsch auch das Essen gebracht wurde, Josef unten im Wohnzimmer, wo er auch nachts auf dem Sofa schlief. Während er aber von früh bis abends Trauerbesuche empfing, hielt Regi ihre Tür vor jedem verschlossen. Und hätte er durch die Decke blicken können, so hätte der junge Mann manches Merkwürdige und Verwunderliche sich abspielen sehen. ... Er hätte sehen können, wie seine Frau stundenlang vor der Wiege saß mit verschlungenen Fingern, brütend, in sich gekehrt, oder mit starren Augen auf dieselbe blickend. Dann wieder, wie sie immer von neuem die kleine Kinderstatt richtete und ordnete, die Kissen gerade legte, die Decke zurückschlug, als sollte ihr Knabe hineingelegt werden. ... Er hätte sie mit den Sachen des Kindes beschäftigt sehen können, wie sie unermüdlich die winzigen Hemdchen und Kleidchen durch die Hände gleiten ließ, sie streichelte, in die Kommode packte und wieder herausnahm. Und er hätte sie auch manchmal, besonders in den letzten Tagen, vor Erschöpfung schlafend auf dem niederen Stuhl sehen können, da sie die Nächte durchweinte. . . . Josef konnte es nicht sehen, und es hätte ihn vielleicht auch nicht gerührt. Denn als kaum die Trauer zu Ende war, begab er sich zum Rabbiner und sprach den Wunsch aus, von seiner Frau geschieden zu werden. Der alte, weißhaarige Seelsorger war aufs äußerste überrascht. Er war dem Schlesingerischen Hause seit langen Jahren befreundet, und Josef war, bis er nach Preßburg ins Rabbinerseminar ging, sein Schüler gewesen. Die Mihtöne, die sich nur zu bald in der jungen Ehe geltend machten, und besonders das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter konnten ihm nicht unbekannt sein; aber er dachte, in jeder Ehe, in jedem Hause käme mal was vor, das nicht wie eitel Liebe aussehe, und iw weiteren Zusammenleben würde sich alles ebnen und glätten. Auf Derartiges und gleich nach dem Tode des Kindes war er nicht vorbereitet gewesen. „Aber Josef, was fällt dir ein?!" rief er, als er sich von seiner Betroffenheit erholt hatte. „Vieles hast du hintan-, alles darangesetzt, um dir die Frau zu gewinnen. Und jetzt, nach kaum zwei Jahren soll das das Ende fein?" Josef sah zu Boden; eine finstere Falte saß ihm zwischen den Brauen, und sein Gesicht trug einen ihm fremden, harten Ausdruck. „Es war der größte Irrtum meines Lebens," sagte er. „Ich büße ihn schwer. Und ich kann nicht mehr mit ihr leben; der Schatten des Kindes steht zwischen uns!" Die letzten Worte stieß er mehr hervor, als daß er sie sprach, während ein tiefer Schmerz auf seinem Gesichte lag. „Sie hat das Kind wie du verloren, und sie leidet denselben Schmerz," wandte der Rabbiner ein. „Daran mußt du denken, Josef!" Der junge Mann machte eine abwehrende Handbewegung, als wollte er selbst in der Erinnerung an das Kind keine Gemeinschaft mehr mit ihr haben. „Sie hat ein schlechtes Herz und mir graut vor ihr, Herr Rabbiner!" brach er dann aus. „Dir graut vor deinem Weibe! Josef, was redest du!?" „Ja, ja, mir graut! Ich könnt sie nicht berühren, ihr nickt ins Auge sehen, nie wieder!" Er schwieg eine Weile, tief aufatmend und wie nach Fassung ringend. (Fortsetzung folgt.) NE" Für de« Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, insbesondere nicht hinsichtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Waren. Pension Rosenblatt LUZERN Fra n11!»trass<“ 7 ENGELBERG »onnweiKlIior ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Pianos Wgr vermietet billigst 'Zmj PRESTEL, Straßburg i. Eis. Judengasse 6. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ MONUMENTS FUNERAIRES * en tous Genres Pierres, Marbres, Granits et Syenites JULES MEON Sculpteur-Marbrier Barr (Alsace). Gesucht für sofort ein Lhasen nach Sulzmatt C.=(*. Fester Gehalt 1000 3JM, Nebeneinkoinmen ca. 100 Mk. Man wende sich an -den Vorstand Gabriel Bloch. Junger Kaufmann sucht rituelle ynilion in Straßburg, evt. auch mit Wohnung (Badegelegenheit bevorzugt). Genaue Offerte mit Preisangabe sind zu richten an Jos. Singer, i Buchhandlung, Straßbnrg. Els.-Lothr. Jugendgruppe der Agudas Jisroel ^"Ij und Mädehengrnppe) Jj Sonntag, den 5. Juli, nachmittags SWa Uhr, findet in Straßbnrg im Zivil-Kasino, Jakob Sturmstaden 1, eine P ro pagan d a versam m 1 u n g mit anschließender 1. Hauptversammlung statt, zn der jedermann freundlichst eingeladen ist. Referent: Herr cand, phil. Deutschländer-Gießen. Das provisorische Comite. L: