Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IKetcb und Ausland: Lettungsprelslitte. Zvsyern: Leitungsnummer S4-. Geschäftsstelle: '■ 3W. DuMonI Tchauberg, «tratzburg i. Gls. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu bezieben: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die SlsSssisch« Aktiengesellschafl vorm. A. «mmel. In Basel durch I. Nordmann, Kocinüratze 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühre«), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da« Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da« Jahr. I« Oesterreich per Post 4 Kr., per Stteifband 9 Kr. das Jahr. 3» »ngland 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - A Abonnements nimmt jede pottanftalt entgegen. V. Zabrgang Stratzburg, 26. Auni 1914, 2. TTaminns 5674. De. 26 Inhalt. Leitartikel: Der blühende Stab. — Zur Lage in Bayern. — Glaubenstreu — Gesetzestreu. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Briefkasten. — Geschäftliche Mitteilungen. — Sprechsaal. — Vermischtes. — Mutter und Sohn. — Inserate. Der ökühende Slaö. Die Empörung Korachs und seiner Rotte war medergeworfen, Mosche hatte die Göttlichkeit seiner Sendung bewiesen, und die Ehrsüchtigen hatte die verdiente Strafe ereilt. Nun sollte den Ueberlebenden nochmals gezeigt und an heiliger Stätte für ewige Zeiten die Erinnerung daran bewahrt werden, daß Ahron und fein Stamm zur bevorzugten - Stellung, zur geistigen Führerschaft berufen werden. Einen Stab sollte jeder Fürst eines Stammes und Ahron einen als des Stammes Levi Vertreter in das Heiligtum bringen, und derjenige, den Gott als den von Ihm Erwählten bezeichnen wollte, dessen Stab sollte blühen. Und so geschah's. Ahrons Stamm grünte und blühte, und alle erkannten in ihm den zum Vorrang Berufenen willig an. „Was war das für ein Stab?", so fragen die Alten, und es antwortet einer, es sei der Stab Judas gewesen; ein anderer meint, es sei der Stab, mit dem Mosche all die großen Wunder vollbracht, und eine dritte Meinung spricht sich dahin aus, daß Mosche einen starken Stamm genommen, ihn in 12 Stäbe gespalten und je einen von diesen jeder Stammesfürst für sich in das Heiligtum gebracht. Was soll dieser dunkle Streit der Meinungen uns lehren? Wann, so wollen unsere weisen Lehrer fragen, dürfen wir hoffen, daß unser Stab blüht? Wann überwinden wir alle Stürme, die draußen und drinnen uns bedrohen, wann stehen wir auf dem Boden des Heiligtums, grünend, blühend und Früchte tragend? Wann unser Stab der Stab Judas ist, Judas, des Mannes, der, ob er auch ein Mensch war wie wir, dem Irrtum unterworfen und allem Menschlichen nicht fremd, für eine wichtige Forderung des Lebens und der Pflicht ganz besonders, uns Muster und Vorbild sein kann, für die Forderung der Selbsterkenntnis und der Bereitwilligkeit offenen Geständnisses seiner Fehler. Juda bekannte rückhaltlos und suchte nicht sich und andere über sich und sein Tun zu täuschen. O, daß wir diese Tugend kennten und übten, daß wir nicht gar so oft den Fehler der Selbsttäuschung und der mehr oder minder bewußten Täuschung anderer begingen, daß wir anerkannten, wie wir so oft uns ganz falsche Begriffe zurechtlegen und aus diesen falschen Begriffen falschen Maßstab für unser Tun und Lassen gewinnen. Jst's nicht wahr, daß wir gar oft uns einen Begriff vom Sabbat, von Mazzo, von Tfillin u. dgl. machen, der mit der Ueberlieferung des Gesetzes kaum mehr als den Namen gemein hat, und dann uns einreden, auch wir hielten Schabbos, auch wir hätten am Passah Mazzo im Hause, auch wir legten Tfillin u. dgl.? Selbsterkenntnis ist der erste notwendige Schritt, wenn wir fortschreiten, wenn wir blühen und gedeihen wollen. Und auch was der Moses-Stab uns lehrt, müssen wir ganz begreifen. In die Vergangenheit unseres Volkes müssen wir schauen, an den Lebenserfahrungen unserer Ahnen, von denen die Thora uns erzählt, uns erheben; an den Männern und Frauen, an allen, die in den verschiedenen Wandlungen unserer mehrtausendjährigen Geschichte für unseren einigen Glauben gelebt, gekämpft und sich geopfert, uns begeistern, um gleich ihnen, nie wankend und nie schwankend, um das Banner des Heiligen uns zu scharen. Was macht so viele von uns zaghaft und läßt sie erlahmen in den Kämpfen des dem Religionsgesetz immer neue Gefahren bringenden beruflichen Lebens? Daß sie glauben, früher sei ein Leben nach Gottes Gesetz immer leicht gewesen, darum habe der Vater und der Großvater so pflichttreue Juden sein können; daß sie nicht wissen, nicht wissen wollen, wie jene auch und manchmal noch härter als wir zu kämpfen hatten, wie sie aber wußten aus der Geschichte ihrer Eltern, daß wahres Gottvertrauen nie trügt und die Mühe sich stets herrlich belohnt, der wir um des Göttlichen willen uns unterziehen. Diese Erkenntnis von den Erfolgen der Treue gegen Gott, wie die V e r g a n g e nh e i t uns berichtet, müssen wir als zweites uns zu eigen machen, wenn auch unser Tun Früchte bringen und unser Werk gelingen soll. Noch aber ist unser Werk gefährdet. Auch die herrlichsten Pflanzungen und die zu größten Hoffnungen berechtigende Blütenpracht sind durch einen Reif in der Frühlingsnacht vernichtet worden. Gar manches edle Werk ist gescheitert, wenn es eben sich segenverheihend zu entwickeln begonnen, weil diejenigen, die es vollbringen sollten, die dritte Vorbedingung zum „Blühen