Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25. 9 Das Mische Kiatt. I Korrespondenzen. 11 Slraßburg. Erfreulich ist es, wenn die Jugend sich drängt, den Worten des weisen Alters zu lauschen, aber auch schön, wenn dieses Alter es versteht, die Sprache zu reden, die der Jugend zu Herzen geht. Diese doppelte Freude erlebte der hiesige jüdische Jugendbund am Mittwoch, 10. Juni, wo Herr Rabbiner Dr. Wolfs, Bischheim, vor einer ganz außergewöhnlich zahlreich erschienenen Zuhörerschaft einen Vortrag hielt. Sein Thema lautete: „Was verdankt die Welt den Juden?" Begeistert und begeisternd erzählte er von ben schönen Gesetzen, welche die Bibel uns Juden lehrt, und die durch die Juden Allgemeingut geworden sind. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden'in der Bibel lange vor der französischen Revolution verkündet. Als eine der köstlichsten Perlen ist das Sabbatgebot anzusehen. Der Beifall, der dem verehrten Redner zuteil ward, mag ihm bewiesen haben, welch lauten Widerhall seine Worte in den Herzen seiner Zuhörer gesunden haben, Straßburg. Im Alter von 73 Jahren ist Herk Gabriel Braun gestorben und heute, Mittwoch, begraben worden. Derselbe war eine allgemein bekannte und geachtete Persönlichkeit. Als Geschäftsmann sehr geehrt, nahm ek auch tätigen Anteil am Gemeindeleben, war Vorstandsmitglied vieler gemeinnütziger Vereine und Anstalten. Am Sarge sprach Herr Oberrabbiner U r y herzliche Worte der Anerkennung und des Trostes, warauf Herr Mathieu Bloch, Vorsitzender der Verwaltung des Hoypice Elina, dem teuer« Kollegen innige Abschiedsworte im Namen der Verwaltung aussprach. Falkenberg i. £. Unsere Kehillo, die sich erst im Jahre 1900 konstituierte, hat durch den Heimgang von Fr. Louis Cain einen empfindlichen Verlust erlitten. Sie war die eigentliche Begründerin der Frauen-Chevroh und deren Schatzmeisterin. Durch ihre Klugheit und ihr freundliches Wesen erwarb sie sich allgemeine Wertschätzung. Von ihren zahlreichen Kindern, konnte ihr nur ein Sohn das letzte Geleite geben, da die übrigen jenseits des Ozeans eine neue Heimat gefunden haben. Wer sie kannte, wird ihr ein gutes Andenken bewahren. hatlstatl. Es wurde dem hiesigen Kantor, Herrn Th. Weill, vom Kaiserlichen Oberschulrat gestattet, vor einer staatlichen Prüfungskommission am Lehrerseminar in Colmar nächstens die Religionslehrerprüfung abzulegen. Herr W. hat sich seit einigen Jahren am Seminar und durch Privatstudium gediegene Kenntnisse angeeignet. Wir wünschen ihm vielen Erfolg! B. W. Wie uns noch mitgeteilt wird, hat Herr Weill seine Lehrerprüfung auch für deutsche und französische Sprache abgelegt und glücklich bestanden. Jmlingen. Wieder hat unsere kleine Gemeinde einen herben. Verlust erlitten. Nach kurzer Krankheit verstarb im Alter von 48 Jahren eine der bravsten Frauen der Gemeinde, eine wirkliche Eisches Chajil, Frau Moise, die Gattin unseres Kantors. Ein unermeßlicher Leichenzug gab der Verstorbenen das letzte Geleite. In ergreifenden Worten schilderte der amtierende Herr Rabbiner Levy aus Saarburg das Leben dieser Frau, die durch ihren ausdauernden Fleiß, durch ihr frommes Wesen, durch ihre Barmherzigkeit und Friedensliebe ein Beispiel einer echt jüdischen Frau uns zeige. Im Verein mit ihrem Gatten, der vor 23 Jahren als Kantor nach Jmlingen kam, hat sie ein jüdisches Haus gegründet, das in jeder Beziehung vorbildlich war, so daß nicht bloß der Gatte und die beiden Kinder mit tiefem Schmerz an ihrer Bahre stehen, sondern die ganze Gemeinde schwer betroffen ist. TNetz. Ein gräßliches Unglück hat wieder eine Ausländerfamilie betroffen. Vor 2 Monaten war ein lOjähriger Knabe in der Mosel ertrunken. Vorgestern spielte das 4jahrige Mädchen der Familie Songen während der Abwesenheit der Mutter mit Streichhölzer. Auf ungeklärte Weise entstand Feuer, welches die Kleider des armen Kindes ergriff und auch schwere Brandwunden beibrachte. Das Kind wurde sofort ins jüdische Krankenhaus transportiert, wo es aber nach mehreren Stunden seinen schrecklichen Wunden erlag. Metz. Die Lothringische Ortsgruppe wird nächstens eine große Versammlung abhalten, in welcher Herr Rabbiner Dr. Cohn- Basel einen Vortrag halten wird. Das Bureau für die Bezirksgruppe, die für die Wahl zur Kenesio Gedaulö, als Vorort für 14 Gemeinden, ernannt worden ist, ist in der Pension Wolpe, wo auch die kleinen Versammlungen stattfinden werden. Romaneweilcr. In tiefe Trauer wurde die Familie Elias Meyer von hier versetzt. Infolge einer heimtückischen Krankheit stärb ihre älteste Tochter Hortense im Alter von 18 Jahren in dem Sanatorium Nordrach (Stiftung des Barons Rothschild). Letzten Mittwoch fand die Beerdigung hier in Nomansweiler statt. Als Rabbiner Dr. S t a r i p o l S k y die Trauerrede hielt, blieb kein Auge trocken. Nachher hielt Kantor H i r f ch b e r g-Rhein bischofsheim, bin Oheim der Verstorbenen, eine ergreifende Rede. Möge Gott die schwergeprüften Eltern und Geschwister trösten. Nürnberg. Die von 23 Kultusoerwaltungen im Februar 1912 ivgl. Jüdisches Blatt 1912 Nr. 8 S. 6) eingesetzte Kommission tagte gestern, 14. Juni. Staatsanwalt Dr. Neumeyer legte ein ausführliches Referat vor: dasselbe soll binnen kurzer Zeit dem Plenum vom 18. Februar 1912 vorgelegt werden. Die Vertreter der mittleren Gemeinden stimmten gegen das Referat. Nürnberg. Tie Frage Aschbach ist jetzt geklärt. Das neu zu gründende Robbinat tritt in Personalunion mit dem Vereinsrabbinat der Adas Jifroel. Auf diese Weise könnte die Adas, wenn je ein Austrittsaesetz kommt, welche den Anschluß an eine andere Gemeinde verlangt, sich Aschbach anschliehen und Aschbach die Adas als Filiale in Nürnberg konstruieren. Jedenfalls ist diele Lösung süb s]KM-ie aateynitatis die beste, um so mehr, als daraus weder für Aschbach noch für Nürnberg Opfer irgend welcher Art erwachsen. Es wird sicher gelingen, die Präponderanz der Adas zu erhalten. Jedenfalls entsteht da ein neues Gebilde, ein Rabbinat, das der Entstehung nach immer orthodox sein muß. Nürnberg. Simrinaturen werfen den Gegnern der Zentralkasse stets vor, daß sie mit den „Liberalen" gemeinsame Sache machen. Daß aber das prominenteste Mitglied des orthodoxen Vereins lustig mit Andersdenkenden zusammenarbeitet, ja Bauer, das ist ganz was anderes. Ueber die Rabbi natsverhält nisse schreibt der Fränkische Curier: Die Eemeinden des bisherigen Distriktsrabbinats Burgkundstadt werden sich den Distriktsrabbinaten Bamberg und Bayreuth anschließen: die Gemeinde Aschbach widerstrebt diesem Anschluß, weil sie orthodox ist und sich den liberal gesinnten Rabbinern jener Bezirke nicht unterstellen will. Orthodoxe Kreise sind deshalb auf den Gedanken gekommen, in Aschbach selbst einen orthodoxen Rabbinersitz zu gründen, und haben der Gemeinde pekuniäre Unterstützung hierfür in Aussicht gestellt. Zugleich wollen diese Kreise das zu gründende Rabbinat dem Vercinsrabbiner des orthodoxen Vereins in Nürnberg übertragen, um diesem ein öffentliches Amt, das er bisher nicht besitzt, zu schaffen. Das Ministerium läßt zurzeit prüfen, ob überhaupt eine Lebensfähigkeit für das geplante Rabbinat besteht. Die Entscheidung des