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Das jüdische Blatt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Matt. Nr. 24 Kunstbestrebungen sicherlich viele Freunde. Der durch zahlreiche, namentlich auf dem Gebiete der Keramik und Silberschmiedekunst liegende kunstgewerbliche Arbeiten rühmlichst bekannte Künstler hat es verstanden, bei genauester Jnnehaltung aller rituellen Bestimmungen nicht nur die Architektur, sondern alle Einrichtungsgegenstände des sakralen Raumes in ganz modernem Geiste zu gestalten. Der Blick wird zunächst durch einen, in edelster Keramik (Keramik-Manufaktur, Hamburg. Gerstenkorn & Meinerstorf) ausgebildeten Vorhof auf das in gedämpftem Golde erstrahlende Allerheiligste mit dem blauen Vorhang des Thoraschreines gelenkt. Vor ihm hängt zwischen dem in Eichenholz reich geschnitzten Lorbeterpult und der Kanzel die von der Firma Bruckmann- Heilbronn in edelster Silbertreibarbeit ausgeführte Ewige Lampe. Das in den beiden Nischen rechts und links vom Allerheiligsten stehende Gestühl, das sich durch schlichte, strenge Formschönheit auszeichnet, ist für den Rabbiner und je zwei Vorstandsmitglieder sowie für den Vorbeter bestimmt. Die durch neuartige Form sich auszeichnenden sieben- und achtarmigen Leuchter, Hauptgegenstände des jüdischen Kultus, sind nach Entwürfen Adlers in Messingguß ausgeführt und haben ihren Platz zwischen den Säulen des linken Seitenschiffs gefunden. In Vitrinen stehen zahlreiche Kultgeräte für den häuslichen Gebrauch, die gleichfalls dartun, daß es unsere Zeit nicht mehr nötig hat, sich in der künstlerischen Formensprache anzuklammern an überlieferte Stile, sondern ihre eigene Sprache sprechen. Von hervorragender Schönheit sind die von der bekannten Glasmalerei Gottfried Heinersdorff-Berlin nach Adlers Entwürfen ausgeführten Glasfenster, die, dank einer Stiftung eines künstlerisch hochgesinnten Mitgliedes der hiesigen Synagogengemeinde, Köln dauernd erhalten bleiben werden. Sie tragen wesentlich zur Steigerung der Stimmung des in der Farbengebung wohl abgehobenen Raumes 4iei. Dem ganzen Werk wird der mit einem für das Schöne empfindsamen Auge bedachte Besucher ansehen, daß sich hier ein hochbegabter Künstler mit voller Hingabe einer hohen Aufgabe gewidmet und sie mit feinstem Empfinden gelöst hat. Hamburg. Israelitischer Stellenvermittlungsverein zu Hamburg (Schaumrei Schabb o s). Die ordentliche Generalversammlung dieses Vereins fand am Montag, den 25. Mai er. in Logenheim statt. An Stelle des verhinderten 1. Vorsitzenden, Herrn Jacobsen, stattete der 2. Vorsitzende, Herr Nußbaum, der leider nur schwach besuchten Versammlung den Jahres- und Kassenbericht ab, welcher ohne Debatte von der Versammlung genehmigt wurde. Bei den nunmehr folgenden Wahlen wurden die ausscheidenden Herren Semmj Hesse und W. Pels wieder- und Herr Michael Cahn neu in den Vorstand gewählt. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Stellenvermittlung wieder eine regere geworden ist. Es wurden im abgelaufenen Geschäftsjahre von 71 gemeldeten Bewerbern 25 plaziert (gegen 86/17 i. V.). Die Einnahmen des Vereins aus Beiträgen, freiwilligen Zuwendungen und Zinsen beliefen sich auf 582,84 Jl, die Ausgaben für die Stellenvermittlung auf 580,20 Jl. Mit einem Dank an die Erschienenen und der Hoffnung, daß die erfreuliche Zunahme in den Erfolgen des Vereins im neuen Geschäftsjahre anhalten möge, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Paris. Letzte Woche fand unter dem Vorsitze des Barons E d m o n d de Rothschild die Generalversammlung der Mitglieder des Konsistorialverbandes statt. Die Anzahl der Mitglieder beträgt gegen 3000. Anwesend waren jedoch nur ungefähr 150. Der Schriftführer verlas den Bericht über das verflossene Jahr, speziell über Aufhebung eines Gebetsaales und Neugründung von Synagogen und Oratorien in den verschiedensten Stadtgegenden, die hauptsächlich der Freigebigkeit der Familie Rothschild zu verdanken sind. Ueber die schon so oft berührte Frage der Eheschließung und -trennung der russischen Einwanderer konnte mitgeteilt werden, daß die russische Regierung sich entschlossen habe, die Sache dahin zu regeln, daß sie bei ihren Gesandschaften Rabbiner anstellen werde, die das Recht haben sollen, diese Akte mit bürgerlicher Gültigkeit vorzunehmen. Aus dem Berichte des Kassierers entnehmen wir, daß die Einkünfte 898 764 Fr. betrugen, gegen 847 913 Fr. Ausgaben. Die Miete der Synagogenplätze gab einen Ertrag von 132 555 Fr., eine Summe, die in dieser Höhe noch niemals erreicht wurde. Der Berichterstatter legte dies aus als ein Zeichen zunehmender Religiosität, gab jedoch zu, daß auch der Umstand, daß die hohen Feste so spät gefallen, so daß die Pariser alle schon zurück waren, auch stark mitgewirkt habe. Die Trauungen brachten 124 958 Fr., auch mehr als in den früheren Jahren, der Ertrag der unveräußerlichen Kapitalien 125 817 Fr. Die Mitgliederbeiträge haben gegen das Vorjahr um 9850 Fr. abgenommen und nur 218 174 Fr. eingebracht. Der Vorsitzende ergriff darauf das Wort, um den Wunsch auszusprechen, daß noch ^mehr Gebetsstätten gegründet werden, damit jeder leicht Gelegenheit finde zum öffentlichen Gebet, und fragt dann die Versammelten, ob irgend jemand einen besonderen Wunsch hätte, eine Frage stellen möchte oder über irgend etwas Aufklärung wünsche. Das Bedürfnis danach wqr nicht vorhanden und so wurde die Generalversammlung, nachdem der Kassenbericht ohne Widerspruch angenommen war, geschlossen. London. Mit Freuden begrüßen alle Gesetzestreuen die Anstellung Rabbi Samuel Jsaac H i l l m a n's als ersten Dajan am hiesigen Bes Din. Rabbi Hillman hatte 11 Jahre die Rabbinatsstelle in Beresin bei Minsk versehen, ein Posten, der einen Talmudgelehrten ersten Ranges erfordert, da die dortige Gemeinde reich an hervorragenden Talmide Chachonim ist, war ja ihr Führer Rabb. Horwitz, Sohn des weltberühmten Rabbi Jsroel Salander und hatte dort der Sohn des Gaons Josele Slutzker gewirkt. Rabbi Hillman mußte infolge eines rheumatischen Leidens die Heimat verlassen und siedelte nach Glasgow über, wo er 6 Jahre als Dajan fungierte. Vor 3 Wochen hielt Rabbi Hillmann feine Antrittsrede in Dukes Place Synagogue. Es war ein merkwürdiger Anblick. Die altehrwürdige Schul überfüllt von hunderten von Zuhörern zu sehen, die der geistreichen pilpulistisch agadisch gehaltenen Rede mit lebhaftestem Interesse folgten und deutlich las man in ihrem befriedigten Gesichtsausdruck, wie sehr sie vom Bewußtsein beglückt waren, einem Führer zu folgen, der reich an talmudischen Wissen, ein Fürst der Thora, in liebenswürdigster, herzgewinnender Weise es versteht, seine Hörer zu fesseln, der mitfühlt mit seinen Brüdern, und dessen Lebensideal es ist mit aller Kraft und Energie mit aller Hingebung und Begeisterung für die Thora zu wirken. M. L. Iamiticnilachrichleil. (Mitteilungen für diese Rubrik werden ' kostenlos ausgenommen.) - Geborene: Sohn, Fernand Brunschwig, Brooklin, N. I. — Sohn, D. Kin, Zürich. — Ein Sohn, M. Joselewitz, Zürich. — Sohn, Berthold Levy u. Jeanne Levy, Straßburg. Uerrrrahtte: In Paris: Armand Weil!, rue Lagrange 9, u. Paule May avonus No^art. — Jules Lehmann, rue Lancry. 54 bis, u. Fanny Caen, boulevard de Strasbourg 16. — Nene Levy, faubourg Poissonnifere 66, u. Germaine Bloch, rue Legendre 154. — Prosper

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