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Das jüdische Blatt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Reich und Ausland: Leitungspreislltte. ' lvayern: Lkettungsnummer 54S. w-—-— - Geschäftsstelle: - SW. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für-Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler. Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Straßburg durch die Sisässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Arnmel. In Basel durch I. Aorbmann. Socimiraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren», per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post -t Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- L 3« II A Abonnements nimmt jede poftanftalt entgegen. V Jahrgang Straßburg, 12. Juni 1914, 18. Stwan 5674. ffir. 2.4 Inhalt. Leitartikel: Eldad und Medad. — Glaubenstreu — Gesetzestreu. Zur Lage in Bayern. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. ----- Vermischtes. — Sprechsaal. — Geschäftliche Mitteilungen. — Mutter und Sohn. — Inserate. Zu inbyra b. Gtdad und Medad. Wenig beachtet und doch so bedeutsam gehen Eldad und Medad durch die Geschichte unseres Volkes. Es lohnt, sich das zu vergegenwärtigen, was unsere Weisen zur Erklärung der in der Bibel mitgeteilten Tatsachen uns zu berichten wissen. An Moses war der Befehl des Allmächtigen ergangen, siebzig der Aeltesten sich als Mitträger der Verantwortlichkeit gegen das Volk beizugeben. Um ja keinen Stamm zu kränken, wählte Moses aus jedem Stamme sechs der Würdigsten aus, um dann durch das Los entscheiden zu lassen. Um die anderen der Ehre teilhaftig werden zu lassen, blieben Eldad und Medad freiwillig zurück. Diese zarte Rücksicht auf die Empfindung anderer,, diese Bescheidenheit und Selbstentäußerung lohnte der Allmächtige, indem er ihnen reiche prophetische Begabung verlieh, ihrem Blick die ganze Zukunft eröffnete. In drei Worten sprachen sie zum Volke; sie verkündeten das Ereignis der Wachteln, den Tod Moses und die letzten Kämpfe der Menschheit, welche an der Schwelle der messianischen Zeit stattfinden werden. Die drei Verkündigungen waren gleichzeitig ein Bekenntnis. Dem anstürmenden Verlangen des Volkes nach Fleischnahrung gegenüber hatte selbst Moses den Mut fallen lassen. Lag denn, so fragte er, die Erfüllung dieses Verlangens im Bereich der Möglichkeit? Denn Moses hatte geglaubt, daß in der Ergänzung durch den Rat der Siebzig nunmehr eine neue Periode in der Geschichte des jüdischen Volkes eingetreten sei, daß es fortan, wie andere Völker, darauf hingewiesen sei, unter dem Zeichen des “iriDJ DJ, des unter dem Schein der Naturgesetze sich vollziehenden Wunders leben, da es nun auch in der Führung den Beispielen anderer Völker gleichgestellt zu sein schien; konnte doch dadurch leicht die Meinung erweckt werden, als ob nun mit Anspannung aller menschlichen Kräfte, mit Aufgebot von Rat und Tat, die Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes erzielt werde. Da war es jenen beiden bescheidenen Männern, die i m Lager, in schlichter Erfassung der Alltäglichkeit, geblieben waren, Vorbehalten, daß sie verkündeten, es gibt kein Naturgesetz, das nicht lebendiger Zeuge der Allmacht und Allgüte des Ewigen wäre. Durch die Lüfte hindurch, über unendlich weit gelegene Flächen und Steppen schweift ihr prophetischer Blick und sie schauten, wie dort in den Siedelungen der Wachteln nach dem Wunsche des Schöpfers sich ein gewaltiger Zug und Aufstieg vorbereitete und sie riefen: kommet ihr Wachteln. So ward aus dem Gedankenkreise des jüdischen Volkes der Begriff „Zufall" ausgeschaltet; der denkende Mensch schaut weit zurück und sieht, wie sich aus kleinen und kleinsten Ereignissen das vorbereitete, was heute bestimmt und bestimmend an ihn herantritt; der Mensch löst die Rätsel des Heute, indem er aus manchem Unbegreiflichen eine Quelle des Segens richtunggebend für kommende Geschlechter ahnt. Zu diesen geheimnisvollen Grundgesetzen gehört auch der Glaube, daß sich jedes Geschlecht die führenden Männer erzeugen kann, deren es bedarf. In mancherlei Sprüchen und Lehren hat die jüdische Weisheit diesem lebensfrohen Gedanken Ausdruck ge^ geben, zuerst haben ihn Eldad und Medad ausgesprochen. I m Lager, mitten unter der erregten, bald jubelnden, bald verzwei felnden, bald trotzigen, bald folgsamen Menge des Volkes brachten sie die Botschaft. Moses wird sterben, Josua wird ins heilige Land führen. Der Volksmund kleidet diese Anschauung in den trivialen Spruch: Kein Mensch ist unersetzlich. So gesprochen, klingt es häßlich. Wenn man aber sagt, je größer der Mensch, desto tiefer wirkt er auf seine Zeit, desto sicherer wird er Schule machen, daß die dereinst seiner müden Hand entsinkende Fahne von anderen starken Händen aufgegriffen wird, wenn man ferner sagt und glaubt, der Allmächtige verläßt sein Volk nicht, läßt es nicht verwaisen, so daß er ihm jederzeit die Propheten erweckt, die Führer erstehen läßt, sie begnadet mit Erkenntnis des Notwendigen und Guten, wenn man so sagt, dann mag man ermessen, welch gewaltige Kraft in dem schlichten Prophetenwort von Eldad und Medad geborgen war. Und wenn die Propheten, die sichtlich gottbegnadeten Männer, schon gewissermaßen vorher ihre Unterordnung unter den Führer jederzeit bekundeten, wie mächtig mußte das auf das ganze Volk walten, wie sehr muhte es das Volk zu willigem Gehorsam erziehen! Doch weiter, immer weiter hinaus drang der Blick von Eldad

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