Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■Reich und Ausland: Lettungsprelslltte. ISayern: Leitungsnummer 54S. Geschäftsstelle: > M. DuMont Schauberg, Straszburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Mar Vichinger, König!. Hofbuckböndler, Ansbach «Bayern). Zu beziehen- Durch tue Geschäftsstelle-. außerdem in Strastburg durch die Elsttsstsche Aktie,,gefellf«»,aft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordman», Soein'traße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstratze 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per' Post 75 Psg. (exkl. ZustellungSgebührm). »er Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da? Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. daS Jahr. I« England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -3 n f träte nach Tarif.- Abonnements nimmt jede Vottanttalt entgegen. V. Znbrgnng Ltratzburg, 5. ZunL 1914, U. Stvvaix 5674. ißr. 23 Inhalt. , Leitartikel: Zu Parschas — Ist eine Revision des bayerischen Judenedikts erwünscht und notwendig? — Aus der Agudabemegung. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — Geschäftliche Mitteilungen. — Sprechsaal. — Bücherbesprechung. — Beweise für den göttlichen Ursprung der Thora. — Mutter und Sahn. — Inserate. Zu parschas xv:. Ehret die Thoragelehrten! „Nimm die Anzahl der Söhne Gerschons ebenfalls auf, nach dem Haufe, ihrer Väter, nach ihrer Abstammung." (4. Buch M.-4,22.) Hiezu bemerkt der Midrasch Rabba: in den Sprüchen Salomos (Kap. 3) heißt es: „Kostbarer ist sie (die Thora) als feinste Perlen und alle deine Wertgegenstände kommen ihr nicht gleich." Diesen Spruch kann man auf unsere Thorastelle anwenden, denn wir bemerken, daß die Söhne Gerschons erst nach den Söhnen Kehats gemustert wurden, deren Zählung schon berichtet wird (4. Buch M. 4,2 ff.), obwohl Gerschon der älteste Sohn Levis und Kehat erst der zweitgeborene war. Warum wird dem jüngeren der Vorrang vor dem älteren eingeräumt? Antwort: weil die Familie Kehat den Beruf hatte, die Bundesl a d e und die darin verwahrten Gesetzestafeln und T h o r a r o l l e zu tragen, Gerschon aber nur Teile des Stiftszeltes. Deshalb wird Kehats Musterung an erster Stelle berichtet, denn die Thora „ist kostbarer als feinste Perlen und alle Wertgegenstände kommen ihr nicht gleich". Diese Antwort leuchtet auf den ersten Blick sehr ein, aber nur auf den ersten Blick, denn bei tieferem Nachdenken erhebt sich eine zweite Schwierigkeit, nämlich die: wenn doch die Thora geehrt und ausgezeichnet werden soll, weshalb wurde ihre Beförderung und das Tilgen der Bundeslade dann nicht dem erstgeborenen, sondern dem zweitgeborenen Levitenzweig zugesprochen? Diese Frage spricht R. Ephrajim Luntschütz in seinem Werke aus, und gibt auch nachstehende sehr hübsche und einleuchtende Lösung. Gott selbst, der doch diese Anordnung geboten hat, wollte damit doppeltes andeuten: 1) den Thoragelehrten soll Ehre zuteil werden, deshalb erwähnt er in der Schrift den Kehat und seine Aufgabe an e r st e r Stelle. Das Volk soll sich hieran ein Beispiel annehmen und auch seinerseits den Vertretern und Lehrern der Thora Ehrfurcht entgegenbringen, Ehre und Vorzug ihnen einräumen, ihren Worten voll Ehrerbietung lauschen und Gehorsam leisten. Es soll eingedenk sein, daß die Thoragelehrten Tag und Nacht die schwierigste geistige Arbeit aufwenden, damit sie den Nationalschatz, der teurer ist als alle Perlen und Kostbarkeiten, von den Alten erwerben und den Nachfolgern ungeschmälert übergeben. Das Volk soll diese emsige, nie unterbrochene Forscherarbeit, welche ohne Entgelt und mit Aufbietung aller Kräfte des Geistes und Körpers getan wird, würdigen und ehren und damit seine Hochhaltung vor der Thora und dem göttlichen Gesetzgeber selber bezeugen. Wäre aber der erstgeborene Gerschon mit der Aufgabe, Träger der Bundeslade zu sein, betraut worden und darum an erster Stelle erwähnt worden, so hätte man diesen Vorzug seiner Erstgeburt, aber nicht der Kostbarkeit seiner Last zugeschrieben, darum mußte es der nachgeborene Sohn sein, der die Bewahrung und. Beförderung der Gesetzestafeln als Aufgabe zuerteilt erhielt. Aber noch ein zweiter und wichtiger Grund mochte hierbei dem allweisen Vater im Himmel ausschlagebend erscheinen. Hätte der älteste Sohn die Bundeslade und Thora übertragen erhalten, so wäre die falsche Anschauung entstanden, als ob die Pflege der Thora ein Vorrecht der Erstgeborene)! sei, als ob nur Bevorzugte den Anspruch erheben dürften, die Thora zu lernen und zu handhaben, deshalb erhielt der jüngere Zweig die Lade und ihren Inhalt überantwortet, damit aller Welt erkennbar ist, daß das Thorastudium jedem im Volke freigegeben ist, daß jedem ohne Ansehen der Abstammung und des Ranges es freisteht, sich in die Thora zu vertiefen und in ihr, so weit es seine Begabung und sein Eifer vermögen, vorzudringen. Und die Thoragelehrten sollten entsprechend ihren Kenntnissen geehrt und gewürdigt werden. Mit weisem Bedachte setzt der Midrasch den Vers: an die Spitze seiner Bemerkung, er leitet das letzte Wort 'von „innen" ab und will damit sagen: die Thorawissenschaft ist höher als das Priestertum zu achten, welches ins Innerste des Tempels, ins Allerheiligste, eintreten darf' die Krone der Thora kann von jedermann erworben werden, sie ist allgemein zugänglich, aber die Krone der Priesterschaft ist den Nachkommen Ahrons allein Vorbehalten. Der Vers in den Sprüchen lautet in seiner Fortsetzung: „und alle