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Das jüdische Blatt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Das indische Blatt. Nr. 22. 12 Ein weiterer Punkt, der Beachtung verdient, ist folgender: Wir unterscheiden unter den Vorschriften unserer Thauroh: Mizwaus d. h. Gebote, zu denen uns auch der Verstand hätte führen können wegen ihres allgemein menschlich ethischen Wertes, so z. B. die Pflichten der Sittlichkeit, Redlichkeit, Aufrichtigkeit u. dgl. und ferner &p)r\ d. h. Gesetze, auf die wir nicht gekommen wären ohne das Diktat der Thora, Vorschriften, für die wir keine genügende Erklärung finden können, wie z. B. das obengenannte -Gesetz, Mischungsverbot von Tieren, Pflanzen und Wolle^mit Leinen bei Kleidern, das Genußverbot einzelner Tiergattungen, das Rasierverbot, die rätselhafte Vorschrift der „roten Kuh" u. dgl. Ist es nun denkbar, daß sich ein Volk selbst ein Gesetz schaffe, für das es nicht einmal eine logische Begründung hatte? Ausgeschlossen dürfte es sein, daß das Volk Israel, das nichts weniger als leichtgläubig war, das ja so oft seinen Führern gegenüber sein n&fp, seine Hartnäckigkeit zeigte, daß dieses Volk sich ein solch umfassendes Gesetz, zum Teil ohne zwingende logische Erklärung, auferlegen hätte lassen, wäre es nicht von der göttlichen Herkunft überzeugt gewesen. Wir wollen ferner einzelne Gesetze herausgreifen, die mit geradezu zwingender Logik den überirdischen Ursprung beweisen. So vor allem eines, das schon unserem großen unvergeßlichen Meister der Bibelexegese, Rabb. S. R. Hirsch s. A. Gelegenheit bot, die Göttlichkeit der Thora wissenschaftlich zu beweisen, das Echtz (5. B. M. 18, 1 ff.), wonach die Priester und Leviten vom Anteil am Lande ausgeschlossen waren, dafür nur die verschiedenen Gaben, (Zehnte), (Hebe vom Getreide), (vom Teige), Erstlingssrüchte und Erstgeborene von Tieren usw. -erhalten sollten. Nun waren dies aber alles Abgaben, die man laut dem Gesetz nicht gerichtlich einziehen konnte, da sie nur Anrecht des ganzen Stammes waren, kein einzelner Priester und Levite aber dieselben einklagen konnte, so daß der Stamm auf die Wohltätigkeit und den freien Willen des Volkes angewiesen war, tatsächlich auch, wie geschichtlich nachgewiesen, oft durch Vernachlässigung dieser Gaben zu leiden und zu entbehren hatte. Nun dürfte wohl dies über jeden Zweifel erhaben fein: Hätte Moses, der selbst aus dem Stamme Levi, dessen Bruder der Vater des Priesterstandes war, selbständig das Thoragesetz geschaffen, er hätte gewiß für die ihm am nächsten Stehenden besser gesorgt, und sie nicht von der „Gnade" der Besitzer abhängig gemacht. Es mag ein Gesetzgeber noch so ideal und selbstlos sein, es wäre doch psychologisch unmöglich, sich und die Seinigen am stiefmütterlichsten zu behandeln. Welches Parlament würde etwa bei allem Idealismus Diäten für sich selbst ablehnen? Wiederum kann dieses Rätsel nur damit gelöst werden, daß die Gesetze den Willen wiedergeben, der damit vielleicht dem Priester- und Levitenstand einen Ansporn geben wollte, Gottesfurcht und Frömmigkeit durch Ermahnung, Belehrung und tätiges Vorbild zu fördern, indem sie selbst bei Abnahme dieser Tugenden durch Vernachlässigung der Abgaben zuerst die Betroffenen waren. Ein weiteres Beispiel, auf das bereits der Talmud hinweist, bietet sich in den zum Genuß erlaubten, bzw. verbotenen Säugetieren und Vögeln. Die Merkmale der reinen Gattungen aus den erfteren find bekanntlich der gespaltene Huf und das Wiederkäuen. Auch die Vögel sind nach bestimmten Merkmalen unter erlaubte oder verbotene eingereiht, so müssen erlaubte Vögel eine außer der Reihe stehende Zehe, einen Kropf, ein abschälbaren Magen haben, und dürfen nicht zu den Raubvögeln gehören. Die in '2 (3- B. M. Kap. 11) und (5- B. M. K. 14) aufgezählten 24 Gattungen repräsentieren deshalb die unreinen. Fragen wir uns nun: Könnten wir es uns vorstellen, daß Moses, der Eottgesandte, der von Morgen bis Abend saß, das Volk in der Lehre von Sinai zu unterweisen, religiöse und soziale Fragen zu schlichten (2. B. M. 18,. 13 ff.), etwa mit Pfeil und Bogen in Wald und Feld, auf Felsen und Gebirgen umherschweifte, Entdeckungen und anatomische Untersuchungen in der Vogelwelt zu machen? Es wäre dies doch wohl eine Zumutung, die wir keinem logischen Denker machen könnten! Nur durch göttliche Inspiration findet dieses wichtige Kapitel der bibl. Gesetzgebung seine Erklärung. (Forts, folgt.) Wickler und Soli». Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch-Weiß. Dem Poldi Stein Hab' ich ein Mädchen mit 10000 Gulden verschafft. Und was hat dieser Poldi? Ein kleines Geschäfte!, das ein bissel gut geht. Und was ist er gegen Ihren schönen, stattlichen, gelehrten Sohn? Der reine Schlemiehl! Wenn man sich aber selber im Wege steht!" Und Eisik schüttelte bedauernd seinen dicken, runden Kopf. Die kluge, sich beherrschende Frau fiel auf das ihrem Sohn gespendete Lob nicht herein; ganz gleichmütig versetzte sie: „Ehen sind im Himmel vom lieben Gott bestimmt. Das müssen Sie als frommer Mann doch wissen, Herr Rosenberger. Und da Regi Müller meinem Sohn bestimmt war, so kann's doch nur zum guten sein." " Es kamen auch die Freundinnen und bekannte Frauen zu Besuch, und wenn die junge Frau nicht zugegen war, ergingen sie sich von neuem in Ausrufen über das ungeheure Glück, das Regi gemacht; daß diese eigentlich sehr untertänig und demütig sein und aus Dankbarkeit die Hände der Schwiegermutcer, die das zugegeben, küssen müßte. Und wieder sagte Frau Schlesinger mit ihrem ruhigen Lächeln: Demut wäre nicht am Platze, da sie die Frau ihres Sohnes sei — eine Bemerkung, deren tieferen Sinn die wenigsten verstanden. Dann fügte sie hinzu: „Sie ist noch sehr jung, aber ein braves Kind. Ich bin mit ihr zufrieden." Auf diese Weise fertigte sie ebenso die zudringliche Teilnahme ab, wie das heuchlerische Mitleid, in dem so viel Schadenfreude lag. Auch der jungen Frau wurden freundschaftliche Ratschläge und weise Lehren zuteil, ihr natürlich von seiten der ärmeren Leute. „Laß dich nicht unterkriegen, Regi!" sagte das eine oder andere Weib, das zum Einkäufen in den Laden kam. „Du bist einmal die Frau von Josef Schlesinger und brauchst dich vor der stolzen Schwieger nicht zu ducken." Regi lachte ihnen aber mit ihren braunen, glänzenden Augen ins Gesicht und meinte, sie sollten sich doch um Gottes willen ihretwegen keine Sorgen machen. Sie mache sich ja auch keine. Und eigentlich sei das eine Sache, die nur sie allein etwas anginge. V. Die einzige Veränderung, die bei dem Ereignis mit dem Schlesingerschen Hause vorgegangen, war, daß dem jungen Paar zwei neumöblierte Zimmer im oberen Stock angewiesen wurden. Doch benutzten sie nur die Schlafstube. Die Mahlzeiten wurden gemeinschaftlich unten im Wohnzimmer, das vom Flur getrennt, dem Laden gegenüber lag, eingenommen. In den ersten Wochen nach dem Tode des Vaters war Regi trostbedürftig gewesen, aber die Liebe des Mannes, all das Veränderte, das Neue, das sie umgab, ließ sie nur zu bald ihren Verlust verschmerzen. Ihre leichte, lebhafte, meist lustige Natur kehrte zurück. Und etwas wie Sonnenschein war mit ihr in das alte, verstaubte, nur von dem Ernst und der Arbeit des Lebens

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