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Das jüdische Blatt · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das jüdische Statt Nr. 20 ich sie, Mutter, jeden Tag sehen, sonst war er mir verdorben!" „Und das alles um die Tochter eines Schammes! Die Augen aus dem Kopf muß man sich schämen nur bei dem Gedanken!", rief die Mutter so fassungslos, wie. er sie noch niemals gesehen. Doch der schriftkundige Sohn brachte als Anwalt für seine Sache wieder ein Beispiel aus den heiligen Büchern, die der 'Mutter, wie er wußte, als das Höchste im Leben galt. Er zog König David heran, der außer Michal, der Tochter Sauls, der ja aber auch selber aus dem Volke hervorgegangen war, nur bürgerliche Frauen sein genannt, also weit unter seinem Range gewählt hätte. „Und das war ein großer König in Israel und ein heiliger Sänger!", fügte Joses triumphierend hinzu. Doch die Mutter reagierte heute nicht auf die biblischen Belege, sie sagte nur mit unterdrückter Heftigkeit! „Verdreh' du mir den Kopf nicht, Josef! Damals war damals, und heut ist heute. Ein ernster, frommer Mensch hat sich vor der Hochzeit mit solchen Dummheiten nicht abzugeben. Das ist etwas für die Neumodischen. Aber die heiraten nicht ohne Geld. Sich verlieben! Das ist nicht jüdisch." „Aber Mutter", fuhr er nach kurzem Schweigen mit schmerzlich bewegter Stimme fort, „du machst mich unglücklich, wenn du mir verwehrst, die Regi zu heiraten. Ich kann nicht von ihr lassen, kann mir ein Leben ohne sie nicht denken. Und du wirst doch nicht wollen, daß ich mich gegen dich versündige, Mutter?" Er sprach leise und eindringlich, aus dem tiefsten Innern heraus, und fein tiefgebräuntes Gesicht sah vor schmerzlicher Erregung ganz bleich aus. Ein Schweigen entstand zwischen ihnen. „Höre mich an, Joses!" sagte Frau Schlesinger dann. „Wir sind bis jetzt gut miteinander ausgekommen. Du warst ein braver Sohn, und ich bin keine schlechte Mutter gewesen. Das ist keine Sache, die man übers Knie bricht, nicht für dich, nicht für mich. ... Ich muß erst den Gedanken in mir herumtragen, mich mit ihm bekannt machen, daß er den Schrecken für mich verliert. .... Gedulde dich! Reise mit Gott und halte deine Gedanken für das Geschäft beisammen, damit wir keinen Schaden haben!" Der Sohn sah ein, daß sie fürs erste nicht mehr gewähren konnte, und er war ihr schon dafür unendlich dankbar. Josef kehrte von der Reise zurück, es dauerte aber doch noch einige Zeit, bis sich die Mutter mit dem Gedanken bekannt gemacht, wie sie sich damals ausgedrückt hatte. In die Oeffentlichkeit war bis dahin nichts gedrungen. Die jungen Leute hüteten strenge ihr Geheimnis, was Josef der Mutter hatte versprechen müssen. Und die stolze Frau uahm sich gewiß in Acht, von den Wünschen ihres Sohnes nur das Geringste unter die Leute kommen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) UM" Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, insbesondere nicht hinsichtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Maren. O»O»O»»»G»O»OO»»GO»O g In der Gemeinde Kolbs- £ g heim ist die Stelle eines g | Kantors : g sofort zu besetzen. g g 800 Mark fest und g ca. 400 Mark Neben ein- Praktisches Kochbuch für die jüdische Küche - uon Frau Wiue. Gumprich, Trier - nebst Abhandlung über Hygiene der Speisegesetze und Diätregeln für Gesunde und Magenkranke, von Dr. med. Münz in Bad Kissingen, ist das bestbewährteste, berühmteste und billigste. Dasselbe enthält alle Koch- und Backrezepte für Milch-, Fleisch- und Pesachspeisen, Küchenzettel für alle Jahreszeiten und Festtage. Anleitung zum Tischdecken und Servieren nebst Abbildungen für Serviettenfalten usiu. Das Buch ist ein unentbehrlicher Ratgeber für jede Hausfrali, selbst für die erfahrenste Köchin. Durch seinen hübschen Einband auch als Gelegenheitsgeschenk passend. Preis pro Exemplar ohne Porto Mk. 4.— gegen Nachnahme oder vorherige Kassaeinsendung. — Zu beziehen durch alle Buchhandlunaen oder direkt durch den Verleger: j. 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