Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uefcb und Ausland: Leitungsprelsltlte. »ayern: Lkettungsnummer S4S. Geschäftsstelle: M. DuMont Schauberg, Tlratzburg i. Elf. > Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Glsäsfische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: 7 Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühre»), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Stteiiband 2.50 Fr. dar Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. I» Lesterreich per Post 4 Kr., per Stteifband 9 Kr. das Jahr. I» England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede Dottanltalt entgegen. V. Zabrgang. Stratzburg, 1. flßat 1914, 5. 3jar 5674. ißr. is Inhalt. Leitartikel: Eine Vertrauensfrage. — Ein Justizmord an einem Juden in Amerika? — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Kleine Nachrichten. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Briefkasten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Bücherbesprechung. — Ein Stimmungsbild. — Mutter und Sohn. — Inserate. Z» »"in. Eine Wertrauensfrage. Die beiden Wochenabschnitte, welche an diesem Sabbat verlesen werden, stellen eine Vertrauensfrage; da sind eine Fülle von Vorschriften, welche körperliche Zustände und Entartungen in Beziehung zu dem Heiligsten setzen, tief eingreifen in das bürgerliche Leben, in die Eigentumsverhältnisse. Und dies alles im Anschluß an die Begriffe von Reinheit und Unreinheit, wie sie die Thora feststellt und genau ummarktet. Fast in jeder Generation gab es Menschen, welche den Versuch wagten, diesen Vorschriften Motive zu erfinden, bis zu jener Verzerrung, welche in den beiden Wochenabschnitten die Grundlinien der altjüdischen Hygiene entdecken und dabei gar nicht genug bewundernde Worte für — Moses aufbringen können. Es ließe sich aus der Aufzählung der Einzelheiten der strikte Beweis erbringen, daß die Begriffe Reinheit und Unreinheit jedenfalls etwas andres sind, als Ansteckungsgefahr und Schutz gegen djeselbe. Vielleicht nirgends in der ganzen Thora stellt der Allmächtige eine so ernste Vertrauensfrage an fein Volk. Gedanken und Beziehungen find es, die ganz jenseits der Sphäre liegen, in denen sich sonst Dein Fühlen und Dein Denken bewegt und doch sollst Du ihnen Dein ganzes Leben unterordnen; auch nach Ablauf der Krankheit bist du dem Leben erst wiedergegeben nach einem Gang ins Heiligtum. Gibt es etwas höheres als das Mutterglück? Und doch könnte sich im Fühlen der jungen Mütter bei überströmender Hingabe an das Kind eine leise Abkehr vom Gatten vollziehen. Sie gehe ins Heiligtum und suche opfernd Sühne. Dem Aussätzigen mögen in seiner Ausschließungszeit alte, längst entschwundene Stunden sittlicher Verfehlung, argen Mißbrauches des göttlichen Geschenkes der Sprache vor das Auge getreten sein; heiße Sehnsucht nach Menschen ward in ihm lebendig. Der Weg zur Alltäglichkeit, zur Reinheit führt durch das Heiligtum. Es stellen aber diese Vorschriften noch eine zweite Vertrauensfrage, die an den Menschen selbst. Wer von der Außenwelt konnte wissen, ob irgend jemand mit dieser Entartung behaftet war und ihn so zu dem ernsten Gang zum Priester zwingen? Worin lag der Schutz, daß diese Unreinheiten nicht auf andere übertragen wurden? Rur in dem Kranken selbst. Man muß sich nur hineinversetzen in die Stimmung desselben, muß bedenken, welche Selbstentäußerung dazu gehörte, als Büßer mit zerrissenem Gewand durch die Massen zu schreiten und Zu rufen, um die anderen vor Berührung zu warnen. Aber der Allmächtige hatte das Vertrauen zu seinem Volke; das ist nach unserer alten Weisen Auffassung die an jeden einzelnen ergehende Mahnung □PK2E2 PN Dmim „warnet vor Unreinheit!". Auch dies ist ein Ausfluß des Verantwortlichkeitsbewußtseins, das in 'jedem einzelnen für die Gesamtheit wohnt; es wäre ein furchtbares Sterben, wenn der Allmächtige dieses Vertrauen nicht mehr haben könnte, es wäre ein Entweihen des Heiligsten, wenn jüdische Frauen und Männer dieses Vertrauen täuschen würden. Einen höheren Adel der jüdischen Frau können wir uns gar nicht denken, als dieses Vertrauensvotum, welches die jüdische Ehe mit dem Schimmer himmlischer Reinheit verklärt. P. K.