Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Das jüdische Statt. 11 jo furchtbar, so entsetzlich waren die physischen und moralischen Schmerzen, die er litt. Sein Blut war vergiftet, wie Feuerströme, wie glühend geschmolzenes Blei ergoß es sich bis ins tieftste Herz hinein, von da wieder nach dem Kops hinauf, in Flammen aus dem Gehirne schlagend, daß Wahnsinn seinen Geist ergriff, er sich auf dem Boden wälzte, aufbäumte und wieder zurückfiel, Schmerzenslaute ausstoßend, die keiner menschlichen Stimme anzugehören schienen. Schaudernd, von Entsetzen erfüllt sahen die Leute diesem Todeskampfe zu, aber keiner näherte sich ihm, als wäre sein Atem Gift und Pestilenz. Nur als er, Himmel und Erde anrufend, nach Wasser schrie, da er sich in einem Flammenmeere liegend glaubte, trat die Fürstin, allen Schauder, alles Entsetzen überwindend, zu ihm hin, kniete bei ihm nieder, hob sein Haupt in die Höhe und gab ihm Wasser zu trinken, das Jeremia aus einer nahen Quelle geholt, da es niemand tun wollte. „Gott hat ihn gerichtet und wird ihn richten", hatte der Prophet gesagt. „Ein hilflos Sterbender hört für den Menschen auf, ein strafwürdiger Gegenstand zu sein. Wo der Ewige im Gericht erscheint, da hört die Einmischung des Menschen auf." Und als er geendet hatte und niemand seinen Leichnam berühren wollte, damit er eine Beute der wilden Tiere werde, da trat Jeremia ein und sagte: „Was wollt Ihr von seinem Körper? Warum soll der büßen, was er nicht verbrochen? Der Wille, der ihn getrieben, ist gebrochen, die Seele steht vor Gott, um den Lohn ihrer Taten zu empfangen; begrabt den Leib, das willenlose Gefäß, denn ein Gebot deines Gottes ist, der Erde zu geben, was der Erde gehört! Und als sich das Volk trotzdem weigerte, scharrte er mit Hilfe Jochanans den Leichnam in die Erde. Am Nachmittage wurde der Rückweg, angetreten, aber schon in dem Tale von Gibeon weigerte sich der Zug, den Weg zu betreten, der nach Mizpa führte. Sie hatten sich's überlegt; sie wollten nicht mehr dorthin zurückkehren. Sie fürchteten die Syrer, die den Mord Gedaljahs und der kleinen syrischen Besatzung an ihnen rächen würden, dann wieder die Amoniter, die für den Tod Jsmaels und der einzelnen Gefallenen auf der Ebene von Jericho, sie mit Krieg und Vernichtung überziehen würden. Vergebens waren alle Beschwörungen Jochanans und des Propheten, umsonst, daß ihnen Ersterer erklärte, ihre Flucht würde sie nur der Mitschuld verdächtig machen und die Syrer könnten sie überall finden und sie dann um so strenger züchtigen, umsonst daß er ihnen aus Vernunftgründen bewies: sie hätten nichts von den Amonitern zu befürchten. Der König von Amon fei gewiß selber froh, daß er von dem gefährlichen, zudringlichen Manne an seinem Hofe befreit wurde, der ihn ewig an die Dienste mahnte, die er ihm geleistet, und daß er wegen der kleinen Zahl gefallener Krieger keinen Kampf beginnen werde, und daß sie selbst im ärgsten Falle jetzt stark genug seien, sich zu wehren; es war vergebens. Die Krieger schlugen sich auf die Seite des Volkes und er und Jeremia standen allein mit ihrer Meinung. „Wir wollen nicht mehr sein ein Spielball in den Händen der Völker," sagten sie, „in steter Angst um das Leben von Tag zu Tag, vom frühen Morgen bis in die späte Nacht, wir wollen es nicht." „Und wohin wollt ihr gehen?" fragte Jochanan. „Nach Aegypten," hieß es. „Nach Aegypten?! in das Land, wo Eure Väter Sklaven und Knechte waren, bis sie Gottes wunderbarer Arm herausgeführt; dorthin wollt ihr wieder, einer ungewissen, bedrohlichen Zukunft entgegen?" „Wir wollen dort lieber Sklaven sein und Brot im Schweiße unseres Angesichtes essen, als hier länger bleiben, wo Gefangenschaft, Gewalt und Tod uns täglich bedrohten." „O über den Starrsinn und Trotz dieses Volkes," rief Jeremia, „der nicht aussterben will, und immer zur unglückseligen Zeit hervorbricht, ihm Untergang bereitend." Er befahl Jochanan, eine zweitägige Trauer um Gedaljahs Tod anzuordnen und sie in diesem Tale zu feiern. Vielleicht würde sich noch das Volk besinnen; er wolle sich unterdes in die Einsamkeit zurückziehen, um die Stimme Gottes zu suchen und zu befragen. Als die zwei Tage jedoch um waren, da bestand das Volk noch fester auf seinem Vorsatz. Als Jeremia wieder erschien und zu ihnen sprechen wollte, sagten sie: „Wenn Gottes Wort nicht mit unserem Vorsatz übereinstimmt, so künde es lieber nicht. Wir wollen nicht etwas Anders hören." Trotzdem sagte der Prophet seine Botschaft, er dachte, die Kraft, die Ueberzeugung seiner Rede werde doch Eingang finden. (Schluß folgt.) Beim Guartalswechsel ersuchen wir unsere geehrten Postabonnenten, die ihr Abonnement noch nicht erneuert haben, sich schleunigst wieder aus Das Jüdische Blatt zu abonnieren, damit in der Anstellung des Blattes keine Verzögerung eintrete. Der Bezugspreis sür ein Vierteljahr beträgt nach wie vor nnr 0,75 Mk. ausschließlich Bestellgeld. Imger Wim mit prima Zeugnissen, militärfrei, sucht Stellung in einem Möbelgeschäft oder einer Fabrik. Zu erfragen in der Expedition des Blattes. Akte Schweizer Ansichten sowie atte Kupferstiche kauft fflax €lcl)inger, Königl. u. .Herzog!. Bayer. Hofbuchhändler, ttlNbach. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Mit Erläuterungen uon Dr. M. LEHMANN. Zweite, durchgesehene und aus dem Nachlasse des Verfassers erweiterte Auflage. 211 Seiten Quartformat. Mit 12 Vollbildern. (Abbildungen aus alten Hagadah-Handschriften.) Preis broschiert Mk. 4.—. In Leinen gebunden Mk. 5.—. Numerierte Vorzugsausgabe in 30 Exemplaren auf Japan-Bütten gedruckt und in Pergament gebunden pro Exemplar Mk. 35. . (Porto für 1 Exemplar 50 Pfg.) FRANKFURT a. M. J. KAUFFMANN VERLAG. Hagadah schel Peßach Soeben erschien: WM- Fiir den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich. inskesondere nicht hinstchttich des rituellen Charakters der empfohlenen Waren. | -Suche j Lehrling g zu günstigen Bedingungen. 2 Samstag nnd Feiertage 2 geschlossen. 8 A. H. Meyer senior Eisen und Kolonialwaren 2 Engros 2 Trenchtlingen.