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Das jüdische Blatt · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12. 11 Das jüdische Blatt. Wichtigkeit als den größten „Din" befolgt, sehen. Ich war einfach sprachlos. Tie Hausfrau, die sich an meinem Schrecken zu weiden schien, ries mir zu, „Bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, denn Butter auf Mazoh gestrichen schmeckt einfach wunderbar". Bevor ich einer Antwort mächtig war, fuhr dieselbe in ihrem Gespräch fort: „Es tut mir herzlich leid, daß ich Sie so erschreckte, mein lieber Gemahl wird Ihnen, da ich rasch zur Küche muß, über diese Butter Aufklärung geben, oder wollen Sie diese von mir hören? Wenn ja, so gedulden Sie sich nur einen Augenblick, lch bin gleich wieder da." In der Tat war meine liebenswürdige Wirtin nach kaum einigen Minuten wieder ins Zimmer getreten. „So," sprach sie, „eigentlich müßte ich Ihnen zürnen und Ihnen keine Aufklärung geben, weil Sie auch nur den kleinsten Gedanken aufkommen ließen, wir führten keinen ganz koscheren Haushalt." „Ja, aber," fiel ich ihr, auf die Butter zeigend, ins Wort. „Gemach, lieber Freund, lassen Sie mich nur aussprechen. Es scheint mir, als hätten Sie keine Ahnung davon, daß es jetzt in der Nahj rungsmittelbranche eine neue Erfindung gibt; es ist das ein vege-! tabiler Butterersatz und wird unter dem Namen „Tomor" in den Handel gebracht. Versuchen Sie mal dies Tomor und Sie werden! sehen, daß Sie keinen Unterschied zwischen der feinsten Süßrahmbutter und „Tomor" finden. „Ja, woher wissen Sie aber, verehrte Frau, daß „Tomor" koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden darf?" erlaubte ich mir, schon etwas kleinlauter zu erwidern. „Ich dürfte Ihnen eigentlich zum zweiten Male wegen Ihres Mißtrauens keinen aufklärenden Bescheid geben, aber ich will Ihr Gewissen nicht länger beunruhigen. „Tomor" wird unter Aufsicht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf, Köln, angestellten und inspizierten Beamten hergestellt und darf sowohl für Fleischals auch Milchspeisen verwendet werden." „Ja, dies ist aber eine herrliche Erfindung," erwiderte ich, „und ich bin durch diese Neuigkeit für! den ausgestandenen Schrecken reichlich belohnt." „Sie hätten eigentlich schon bei den Fischen einen solchen Riesenschrecken bekommen müssen," sprach die liebenswürdige Dame, „da auch diese mit „Tomor" zubereitet waren, denn wie wäre es möglich gewesen, ohne „Tomor" eine solch wunderbare Buttersauce herzustellen. Daß Ihnen das Kalbfleisch vorzüglich mundete, sagten Sie ja vorhin selbst und sehen Sie, lieber Freund, auch dieses war mit „Tomor" zubereitet." Nachdem wir das Tischgebet verrichtet und den zweiten Teil der Hagadoh gesagt und gesungen hatten, verabschiedete ich mich von meinen reizenden Gastgebern, da inzwischen Mitternacht schon vorüber war. Auf dem Wege zu meiner Wohnung und daheim angelangt, mußte ich noch lange an diese unschätzbare Erfindung und über die Vorzüglichkeit dieses „Tomor" denken. Wahrlich, wer „Tomor" auf Mazzoh streicht, kann kaum mehr von der Mazzoh sagen: „Das ist das Brot des Elends." Beim bevorttehenäen Quattalsmchsel ersuchen wir unsere geehrten Postabonnenten, die ihr Abonnement noch nicht erneuert haben, sich schleunigst wieder ans Das Jüdische Blatt zu abonnieren, damit in der Zustellung des Blattes keine Verzögerung eintrete. Der Bezugspreis sür ein Vierteljahr beträgt nach wie vor rrrrr 0,75 Mk. ausschließlich Bestellgeld. Neue Abonnenten erhalten die Nummern bis 1. April ans Verlangen gratis zugesandt. Frühjahr 1914! Achten Sie auf elegante und gute Fußbekleidung j Sie finden sie nur in der alten, rühmlichsl bekannten Firma Mer Weinmarkt 36\38 Eines der ältesten modernen Schuhwarenhäuser Straßburgs. Bekannt für ivirklich elegante Ausführung bester Paßformen nur erstklassiger Fabrikate des In- und Auslandes. Alleinverkauf der weltberühmten Hanau Shoes.

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