Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Dajüdische Klatt. Nr. 11. 1. Ich habe die Frage der Existenzberechtigung der Chalukah nicht berührt. 2. Ich habe nicht ein eigenes Urteil über die jüdischen Kenntnisse und Frömmigkeit der Herren Dr. Weill-Buchsweiler und Dr. Breuer abgegeben; d e n N a m e n d e s H e r r n Dr. Weill habe ich überhaupt nicht genannt. Ich habe nur eine über die süddeutsche Orthodoxie anderorts existierende und allgemein bekannte Ansicht berichtet, als deren Vertreter ich beispielsweise die Kreise um Breuer und den Leiter des jüdischen Blattes bezeichnet habe. Ich habe niemanden beleidigt, auch nicht beleidigen wollen. 3. Ich habe — wie die anderen Diskussionsredner übereinstimmend festgestellt haben — die an mich gestellten Fragen klipp und klar beantwortet und nicht mit einem Geschimpf erwidert. Meine diesbezüglichen Ausführungen waren so ausführlich und deutlich, daß eine andere Auffassung nicht möglich ist. Ich kann es getrost dem verständigen Urteil des vorurteilslosen Lesers überlassen, festzustellen, wer den Ruf eines unparlamentarischen Redners verdient, der Unterzeichnete oder der Herr Rabbiner von Dörnach. Mit jüdischem Gruß Hochachtend Edgar Weill. Erwiderung von Rabbiner Bloch-Dornach. Zu obiger Erklärung von Herrn Referendar Edgar Weill gestatte ich mir folgendes zu bemerken: Ad 1. Sie schreiben: Sie haben die Frage der Existenzberechtigung der Chalukah nicht berührt. Das gebe ich Ihnen zu, das Wort „Existenzberechtigung" ist überhaupt nicht gefallen. Doch verschieben Sie, bitte, die Frage nicht. Haben Sie die Chalukah überhaupt nicht berührt? Ja oder nein? Das ist die Frage. Sie haben die Chalukah berührt und zwar in ganz wegwerfendem Tone. Das habe ich gesagt und halte es aufrecht. Ad 2, Satz I. Erstens war von der Frömmigkeit von Breuer-Frankfurt oder Weil-Buchsweiler überhaupt nicht die Rede. Bitte, auch hier schön bei der Sache bleiben, Herr Referendar. Das Wort Frömmigkeit ist mit Beziehung auf genannte zwei Namen gar nicht gesprochen worden. Das Wort „Amhorez" ist gefallen und von Ihren Lippen. Zweitens wollen Sie betonen, daß Sie über Breuer-Frankfurt und Weil-Buchsweiler nicht Ihr eigenes Urteil abgegeben haben. Warum wieder offene Türen einrennen? Hören Sie doch noch einmal, wie ich Ihre eigenen Worte wiedergegeben habe: „Ja, die Orthodoxie des Orients ist eine ganz andere als in Westeuropa. Ich sage Ihnen, ich war selber in Jerusalem und versichere Sie, daß die dortige Orthodoxie auf die Frommen im Westen von oben herablickt, z. B. auf so einen Breuer in Frankfurt und so einen Weil in Buchsweiler. Gerade dem letzteren, dem Rabbiner von Buchsweiler, würde die Orthodoxie des Orients sagen, wenn sie ihn kennen würde: Du bist ein Amhorez." Kann ich deutlicher sagen, daß dies Urteil nicht Ihr eigenes ist, sondern daß Sie sich lediglich zum Sprachrohr anderer hergeben. Aber Sie wissen doch auch, Herr Referendar, als Jurist, daß wenn Sie etwas Falsches verbreiten und den Urheber dem Geschädigten oder Beleidigten nicht nennen wollen, oder, wie es wohl in vorliegender Frage bei Ihnen der Fall ist, nicht nennen können, die Verantwortung an Ihnen hängen bleibt. Ad 2, Satz II. Den Namen des Herrn Dr. Weil habe ich überhaupt nicht gekannt, schreiben Sie. Na, na, Herr Referendar. Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort. Das Wort handhabt sich halt schwer, wie des Messers Schneide. Doch will ich Ihnen zeigen, daß ich auch einmal weniger scharf anfassen kann, und erwidere Ihnen bloß, daß Sie bei der Niederschrift obigen Satzes bedauerlicherweise Ihr Gedächtnis im Stiche gelassen hat. Sollten Sie aber trotz meiner Versicherung noch an Ihrer Auf- -fassung festhalten, so rufe ich die ganze damalige Versammlung im Zentralhotel als Zeugen auf, daß der Name von Weil-Buchsweiler in dem von mir angegebenen Zusammenhang laut und deutlich von Ihnen in den Saal geworfen wurde. Ad 2, Satz III.. Von süddeutscher Orthodoxie war überhaupt nicht die Rede. Das Wort süddeutsche Orthodoxie ist gar nicht vorgekommen. Warum denn gar nicht bei der Stange bleiben, Herr Referendar! Sie geben sich als Sprachrohr der. Orthodoxie des Orients über die Orthodoxie Westeuropas und haben aus Westeuropa Breuer-Frankfurt und Weil-Buchsweiler herausgegriffen und zumal den letzteren mit genanntem epifheton onians dotiert. Das habe ich veröffentlicht und das halte ich aufrecht. Ad 2, Satz IV. Sie schreiben: Ich habe niemanden beleidigt, auch nicht beleidigen wollen. Das erste stimmt nicht, das zweite freut mich. Ihr Wille war also besser als ihre Tat. Ad 3. Sie berufen sich auf das übereinstimmende Urteil der „anderen" Diskussionsredner. Welche Redner sollen denn das sein? Ich war der erste Diskussionsredner, der zu dieser Frage gesprochen hat, und nach mir hat nur ein Herr das Wort ergriffen, dem man nach einigen einleitenden Sätzen — nach meiner Meinung mit Unrecht — das Wort entzogen hat, und dann hat sich die Versammlung aufgelöst. Die Erklärung von Herrn Referendar Edgar Weil hat somit von meiner Veröffentlichung kein Wort, kein Wörtchen widerlegen können. Es wäre wohl auch eine Kunst gewesen, denn ich bin einfach bei der Wahrheit geblieben. Eines gebe ich zu: Meine Kritik war scharf, meinetwegen sage mancher zu scharf. Aber sie war wahr. Rabbiner C. Bloch- Dörnach.. Briefkasten. Jeanne und andere. Anonyme Anfragen können grundsätzlich nicht beantwortet werden. Für die hungernden Kinder in Jerusalem. Mlles. Edith und Jvonne Bloch-Ingweiler 5 di; Mlle. Fdlicie Wolf 5 di; Ungenannt-Lausanne 10 di; Steindecker- Bechhofen 15 di. Hedakjast. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) - Nach Aegypten. Die Ebene von Jericho ist eine langgestreckte Fläche von etwa zwei Meilen im Umfange. Sie zieht sich von dem See Tiberias bis nach dem Toten Meere und mehrere kleine Flüsse wälzen auf derselben ihre trägen, trüben Fluten dem Jordan und dem Salzmeere zu. Im Norden ist sie von ödem, zerklüftetem Felsgestein begrenzt, im Westen erheben sich bewaldete Hügel, je weiter man aber nach oben kommt, desto öder und trostloser gestaltet sie sich, der trockne von Wurzelfafern und Schlinggewächsen durchwebte Boden gleicht einem zurückgetretenen Meere. Am dritten Tage nach dem Raubzuge Jsmaels betrat eine zahlreiche Karawane die Ebene, um über den Jordan zu setzen. Es waren an zweihundert Reitern in fremder Tracht und einige Hundert Männer, Weiber und Kinder. Jsmael durchzog erst plündernd die bewohnten Gegenden, bevor er den Rückweg nach dem Amoniterlande einschlug, alle