Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Nr. 11. Da» Mische Kiatt. Opponenten. Ersterer bekämpfte sehr scharf den Standpunkt des Dyroffschen Gutachtens, letzterer warnt ausdrücklich vor der Zentralkasse und schlägt als Lösung die Uebertragung der hessischen Rabbinats-Verfassung auf die zukünftige bayerische Organisation der Iudenheit vor, Resolution mit allem gegen eine Stimme (Dr. Brader) angenommen. Der Schweinfurter Cherem wurde aufgehoben. Vgl. Nachbemerkung. jNachbem.: Ueber die Aufhebung des Schweinfurter Cherem wird uns noch berichtet, daß einer der Vorstände des Vereins sich dahin äußerte, daß es ja gleichgültig sei, ob ein paar Stimmen mehr oder weniger gegen eine Resolution stimme; man könne jetzt, da man so mächtig erstarkt sei, die paar Gegner ruhig ertragen. Wir gestehen, daß wir für diesen Standpunkt kein Verständnis haben und daß unter demselben die Aufhebung vollkommen wertlos sei. Logisch verhält sich die Sache so, der Cherem wurde erlassen gegen diejenigen, welche öffentlich gegen die Revisionsbewegung auftraten; logisch war damit gesagt, daß es der Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums entgegenstehe, wenn man gegen die Revision kämpft; logisch mußte die Aufhebung des Cherem bedeuten, daß diese Voraussetzung irrig war. Wenn allerdings, wie uns ein Vorstandsmitglied versichert, der Initiator des Cherem jede innere Störung der Arbeit innerhalb des Vereins fernhalten wollte, dann hätte ja der Cherem < von vornherein anders lauten müssen. Allein wir hoffen noch immer, daß der Vorstand dem Beschlüsse eine authentische Interpretation geben wird, welche die Bedeutung oder Bedeutungslosigkeit der Aufhebung des Cherem klar legen wird.j Würzburg. Die Agudas-Jisroel-Jugendgruppe veranstaltete nach folgendem Programm ein wohlgelungenes Fest: 1. Violinvorträge von den Herrn I. Vorchheimer und W. Weikersheimer: a) Menuett, Mozart; b) Largo, Händel. 2. Liedervorträge von Frl. I. Berlinger: a) Vergebliches Ständchen, b) der Schmied, von I. Brahms. 3. Harfensolo von Frl. P. Fried, Serenade, Oberthür. 4. Marcel Salzer-Vorträge von Herr I. L. Meyer. 5. Violinvorträge von den Hrn. I. Vorchheimer und W. Weikersheimer: a) Geschwind wie der Wind (Galopp), b) Ade, Ihr Berge (Ländler). 6. Couplets von Herr L. Meyer. 7. Die Naturheilmethode, Schwank in einem Akt von A. Laufs. Drerrtzeri. Posen. Als zweiter Dajan ist Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Moritz in Schrimm berufen worden. Er wird der Nachfolger seines Vaters Vf der diese Stelle ehrenamtlich fast ein Vierteljahrhundert verwaltet hat und in der Nacht zum 18. Schewat im hohen Alter von fast 80 Jahren verschieden ist. Herr Dr. Silberberg, ein Posener Kind, hat bei seinem Vater den Grund zu seiner gediegener Ausblldung gelegt, die er im Rabbinerseminar zu Berlin vervollständigt hat und ist hier seit jeher allgemein beliebt und hochgeschätzt. Möge j-Qpn ihm ein langes segensreiches Wirken in unserer Gemeinde bescheren! ivri. Kaden. Karlsruhe. Am vergangenen Samstag abend hielt die Vereinigung badischer Israeliten, die als Landesverband dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens angehört, eine Versammlung im Saale des Hotels „Nassauer Hof" ab. Herr Rechtsanwalt Dr. Strauß eröffnete mit Begrüßungsworten die Versammlung und erteilte dem Redner des Abends, dem Syndikus des Zentralvereins, Herrn Dr. Holländer- Berlin,' das Wort zu seinem Vortrag: „Die wirtschaftlichen Sorgen der deutschen Juden." Redner ging von der Entwicklung des Begriffes und Inhaltes eines jüdischen Mittelstandes aus, um dann die Frage der Angestelltenpolitik näher zu behandeln. Er beschrieb die psychische und ökonomische Verfassung, die sich heute speziell beim jüdischen Mittelstände unter dem Einflüsse seines ganzen wirtschaftlichen Aufbaues vorfindet. Er kam dabei auch auf die Verhältnisse zu sprechen, wie sie heute in den Großbetrieben vor allem in den großen' Bankinstituten und Warenhäusern zutage treten. Hier würden die Anstellungsverhältnisse jüdischer junger Leute sehr viel zu wünschen übrig lassen. Wenn auch der jüdische Inhaber dem jüdischen Personal Verständnis entgegenbringe, so würde da in sehr vielen Fällen eine Aenderung eintreten, sobald der Inhaber sterbe und eine neue Leitung an dessen Stelle trete. Diese Bedenken haben ihm schon vor einem Jahrzehnt der verstorbene Kommerzienrat Benjamin Hirsch s. a. bei einer Unterredung geäußert, indem er sagte, er fürchte sich, sein Unternehmen — die bekannten Hirsch Kupferwerke — in eine Aktien-Gefellschaft umzuwandeln, weil dann jedenfalls die Anstellung jüdischen Personals Nachlassen würde. Der jüdische junge Mann habe auf Grund historischer Entwicklung einen gewissen Drang zur Selbständigkeit. Und so käme es denn auch, daß sich in den mittleren Stellen nur wenige Juden befänden; sie könnten sich in das bürokratische, beamtenmäßige nicht hineinfinden. Eine andere Erscheinung trage noch Schuld daran, nämlich die immer weniger erforderliche Warenkenntnis bei Verkäufern und Verkäuferinnen im Warenhaus. Dadurch würden die Juden immer mehr in die Büros zurückgedrängt. Diesem Uebelstande abzuhelfen, sei eine der Aufgaben des Zentralvereins. Eine andere Aufgabe sei die Ueberwachung und Zurückdrängung des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes. Derselbe habe etwa 130 000 Mitglieder. Die jüdische Kaufmannschaft müßte mit allem Nachdruck gewarnt werden, Mitglieder des D. H. V. anzustellen. Wir Juden achten die Koalitionsfreiheit der. Angestellten, aber man kann doch einem Chef unmöglich zumuten, einen Angestellten zu beschäftigen, der in ihm einen sittlich minderwertigen Menschen erblickt. Es sei Pflicht eines jeden jüdischen Kaufmanns und Angestellten, bei Kaufmannsgerichtswahlen dahin zu wirken, daß der D. H. V. keine Sitze erhalte. Mit warmen Worten forderte er schließlich die Anwesenden auf, mit allen Kräften die Bestrebungen des Zentralvereins zu unterstützen. Die Ausführungen Dr. Holländers fanden lebhafte Zustimmung der Anwesenden. In der Diskussion meldete sich zunächst Herr Ferd. M a r u m zu Wort, der empfahl bei der Berufswahl der Jugend mehr das Handwerk zu berücksichtigen. Er verlas dann noch eine Notiz des „Jüdischen Blattes" den Dank des Unterstaatssekretärs a. D. Dr. Petri betreffend und bat Herrn Dr. Holländer, dafür zu sorgen, daß diese Notiz auch in das Organ „Im Deutschen Reich" und womöglich noch in anderen jüdischen Zeitungen ausgenommen wird. Weiter sprachen Herr Dr. med. L e w y - Freiburg i. B., der die Anstellungsverhältnisse der jüdischen Aerzte speziell in Krankenhäusern beleuchtete, Herr Otto Isaac, der die Interessen der gesetzestreuen Angestellten vertrat und Herr L6on Kahn, der eine an die Adresse des Handwerkervereins gerichtete Beschwerde vorbrachte. Sämtlichen Rednern antwortete Dr. Holländer in seinem Schlußwort. Gegen 11 Uhr konnte Herr Dr. S t r a u s mit einem Dank an den Vortragenden und die Erschienenen die Versammlung schließen. _c_ Karlsruhe. Bei der Synodalwahl wurden die Kandidaten der Freien jüdischen Vereinigung Karlsruhe und der liberalen Gemeinde, die Herren W i l h e l m B ä h r und E m i l W e i l l, gewählt. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. In Mannheim wurden gewählt die Herren Eduard Bauer, Fabrikant, Bankier M. Goldschmidt und I. Zimmern.