Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9052070-9097324-9053054--1002-9053067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rr, 7. Da» jüdische Dlatt. Jochanan sah es als keine Unmöglichkeit an, denn die Fürsten seines Landes heirateten auch Frauen aus den mindern Ständen und oft fanden sich die Töchter aus fürstlichem Geblüte und die Töchter aus dem Volke in dem reichen Haushalte eines Großen. „Und findet sie Wohlgefallen in seinen Augen?" fragte Jochanan. Er hatte nicht einmal die Ahnung von der Größe des Opfers, das ihm der Freund gebracht. „Das wollen wir abwarten," sagte die Fürstin. Gedaljah kam sehr oft in die Behausung seiner Freunde, und erfreute sich an dem Glücke des Paares. Wir können sagen, erfreute; denn je größer er dasselbe sah, desto mehr wuchs das edle, freudige Bewußtsein in ihm, daß er dazu beigetragen, und drängte immer mehr und mehr sein persönliches Gefühl zurück. Glück verbreiten macht schon ein edles Herz glücklich. In dem Glücke des geliebten Freundes, das man geschaffen, geht ein selbstloses Herz gewiß ganz auf. Woche auf Woche verging. Gedaljah fühlte sich immer heiterer und leichter. Die Kolonie gedieh. Frieden und Eintracht herrschte in den Gemütern. Die Saat auf den Feldern blühte und fing an zu reifen und versprach eine gute Ernte. Da begann der junge Statthalter auch an ein stilles häusliches Glück zu denken, die Sehnsucht nach einem friedlichen, sonnigen Familienleben erwachte in ihm. „Wie sagte Jeremia?" sprach er zu sich selbst. „Der fruchtlose Schmerz hat keine Berechtigung. Und ein Gebot Deines Gottes ist: Du sollst Dir ein Haus gründen. Wie um so mehr spricht dieses Gebot zu mir, da sich der Schmerz gesänstigt hat. Suchen wir eine Gefährtin fürs Leben, auf daß mein Haus nicht mehr so einsam und öde sei." An einem der nächsten Sonnabende, als der Gottesdienst an dem Steinaltar zu Ende war, und das Volk sich zerstreute, ergriff Gedaljah Jochanans Arm, und ihn von den heimziehenden Frauen entfernend, ging er mit ihm tief in den Olivenwald hinein. „Du hast mir etwas zu sagen, Gedaljah," sprach der Freund, das seltsam ernste Wesen des Fürsten betrachtend. „Jawohl." Und als der Statthalter dann stockte, setzte Jochanan hinzu: „Deine Seele lag immer offen vor mir, Gedaljah, lasse es so immer sein." „So soll es sein. Höre, mein Bruder, Dein Glück ladet mich zu einem gleichen ein. Ich will auch eine traute, sonnige Heimatsstätte haben, gib mir Deine Schwester zum Weibe." „Wie unendlich glücklich mich Deine Worte machen, kann ich Dir nicht sagen, obwohl unsere Seelen durch kein Band inniger verbunden werden können, als sie es schon sind. Nur sage mir das Eine, wählst Du Dinah, weil sie die Schwester Deines Freundes ist, oder liebst Du sie?" „Ich liebe sie nicht," versetzte der junge Fürst, „aber das weiß ich, daß ich mich wohl und heimisch in ihrer Nähe fühle, und wenn ich in ihre milden, klaren Augen und in ihr kindliches Gesicht sehe, es mich so friedlich und beruhigend überkommt, wie wenn ich des Nachts in das sanfte fromme Licht des Mondes blicke. Darum will ich sie; doch wird s i e wollen", setzte er dann, wie sich besinnend, hinzu. „Das kannst Du fragen, Gedaljah? Wie könnte sie sich weigern?" „Du glaubst doch etwa nicht daran, weil ich Fürst bin. Nicht ich bin es, der das Glück in Händen hält, sondern sie. Mir bleibt keine Wahl. Jungfrauen sind hier weniger und von welchem Stande weißt Du. Deine Schwester war in Jerusalem, gleich den Besten und Reinsten, hier ist sie die Krone und so bin ich nicht der Geber, vielmehr der Nehmer." „Ich habe das auch nicht gemeint," sagte Jochanan, die Hand des Freundes drückend. „Sie wird sich nicht weigern, weil sie Dich liebt." Eine milde Freude stieg in die Augen des Fürsten. „Wieso weißt Du das, hat sie Dir's gestanden?" „Ich weiß es. Nun sage mir, mein Bruder, ob ich mit ihr reden soll, oder ob Du es willst, denn bis zu dem Fest der Jünglinge ist noch lange." „Ich werde mit ihr reden, es wird sich schon eine Gelegenheit dazu finden." Und sie fand sich bald. An der Nordgrenze des Tales war hinter Rosenbüschen eine Zisterne. Gedaljah stand vor dem Eingänge der Statthalterei und sah Dinah, den Wasserkrug auf dem Haupte, den Talweg nach der Zisterne einschlagen. Er besann sich nicht lange und folgte ihr, aber auf einem andern Wege. Er kam früher an und hinter den dichten Rasen- und Copferstauden verborgen, sah er dem Mädchen zu, wie sie Wasser schöpfte. Es war ein schönes Bild. Das helle Wasserbecken, inmitten des samtartigen, dunkelgrünen Rasens, eingerahmt auf einer Seite von üppigen, farbenreichen Blütenstauden und Rosenbüschen, während sich auf der offenen Seite rechts das große, glänzende Tal, dessen Westgrenze das Palmenhaus war, dehnte und links die dunkeln, schattenreichen Oel- und Feigenbäume in anmutigen Gruppen beisammen standen, und inmitten dieser frischen lachenden Szenerie die schlanke, zarte anmutige Gestalt des jungen Mädchen, halb kniend über das Wasser geneigt. Als der Krug gefüllt war, trat der junge Fürst hervor. Das Geräusch und der unvermutete Anblick des Statthalters, verwirrte . das Mädchen so, daß der Krug umstürzte, das Wasser wieder auslief. „Liebes Mädchen," sagte Gedaljah auf sie zutretend. „Liebes Mädchen, Hab' ich Dich erschreckt, das tut mir leid." „Nein, o nein, ... ich war nur ungeschickt." Sie faßte wieder nach dem Kruge; er aber nahm ihn ihr aus der Hand, bückte sich und füllte ihn. Sie dankte mit niedergeschlagenen Augen. Gedaljah sah auf ihre gesenkten Augen nieder. Er gestand sich, daß die Verwirrung den Eindruck des Mädchens noch erhöhte, er fühlte zu seiner Verwunderung gar keine; er fühlte sich nur heiter und mild glücklich. „Liebes Mädchen," sagte der Statthalter nach einer kurzen Pause; es schien, als hätte er sich die Worte zurückgelegt, die er sprechen sollte und faßte ihre Hand mit leisem Druck. „Du gefällst mir, ich Hab' schon mit Deinem Bruder darüber gesprochen, willst Du mein Weib werden?" Ein heißes Rot bedeckte bei diesen Worten Dinah's Angesicht bis zu den Haarwurzeln hinauf. Sie wußte gar nicht, was sie sagen oder tun sollte in ihrer grenzenlosen Verwirrung und Bestürzung. (Fortsetzung folgt.) Rote HaM«* besorgen alles billig und zuverlässig. Telephon (>()() r (Talumv i. (As. Schulplotz 7. Max Wallenstein, Colmar Kopfliausstrasse 29. TL? SS? Komplette Wohnungs-Einrichtungen und einzelne Möbel. Eigene Schreiner- und Tapeziererwerkstiitte. ss? Im Erscheinen begriffen: ssrkläriingkil mit die ssorch nn -p Von lrabb. Uff. h. ehrsohn, Zaierz Subskriptionen nimmt entgegen: Rabll.S.Lnmtikrger.Sknnhelm i.(«\