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Das jüdische Blatt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Statt Nr. 7. Weit lebhafter, angreifender vertrat in der Diskussion Herr stud. Goldmann seine Anschauungen, die sich im großen Ganzen mit denen des Referenten deckten, aber mit dem Kuratorium — auf Grund seiner sechsmonatlichen Anwesenheit in Palästina und der dadurch bedingten Kenntnis der Verhältnisse — scharf ins Gericht ging. Ihm erwiderte Herr Koppel, der kurz seinen gegnerischen Standpunkt darlegte und glaubte, Schadenfreude aus den Darlegungen seines Vorredners herausfinden zu können. Es sprachen dann noch die Herren Sally Cohn, Goldmann, Julius Simon und Dr. Moses. Am nächsten Abend hielt Herr Rechtsanwalt Simon Rothschild dahier im Jüdischen Jugendbund einen Vortrag über das jüdische Kirchenrecht in der badischen Staatsverfassung. In erfreulicher Weise nimmt auch dieser Verein ständig an Mitgliederzahl zu — innerhalb eines Jahres hat er es auf 6OO gebracht. Jüdische Vereine gibt es hier genug — ich sehe es am besten an meiner Januar-Ausgabe — fast jeden Tag kam ein anderer Verein mit seiner Quittung —, aber nur in wenigen blüht das jüdische Leben. Der Wanderbund „Blau-Weiß", der jetzt ebenfalls sogenannten Stammtischabend eingeführt, macht mit seinen Führern jeden Sonntag ohne Ausnahme Orientierungstouren und gedenkt demnächst mit Schülerwanderungen zu beginnen. — Der Vorsitzende der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, Herr Rechtsanwalt Goitein, ist vom Aktionskomitee der Weltorganisation zum Studium verschiedener juristisch-wirtschaftlicher Fragen nach Palästina berufen worden und bereits nach dort unterwegs. Seit Aufenthalt wird sich zunächst auf mehrere Monate beschränken. — Die hiesigen Sammlungen für das hebräische Schulwerk in Palästina sollen mehr als 1800 Al Jahresbeiträge ergeben haben. Württemberg. Cannstatt. Gestern wurde von der Israel. Gemeinde das Fest des 25 jährigen Jubiläums des Herrn Veit Kahn als Kirchenvorsteher gefeiert. Als Herr Kahn zur Synagoge kam, fand er seinen Platz mit Blumen dekoriert. In der Predigt gedachte Herr Bezirksrabbiner Dr. Stößel aus Stuttgart des Jubilars und feierte ihn als einen Mann, der für das Heiligtum Israels begeistert, auch andere zu begeistern versteht, und her im Kampfe um das altüberlieferte Judentum nie erlahmte. Rach dem Gottesdienste erschien das Kirchenvorsteheramt mit Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stößel und Vorsänger Adler in der Wohnung des Jubilars, überbrachte die Glückwünsche der Israelitischen Oberkirchenbehörde und des Jraelit. Kirchenvorsteheramts, hervorhebend, daß Treue zum altüberlieferten Judentum und das Festhalten an den Traditionen desselben auch in dieser so ganz anders gearteten Umgebung dem Gefeierten die größte Hochachtung und Wertschätzung seiner Gemeindegenossen eingebracht habe. Auch der Israel. Wohltätigkeitsverein in Cannstatt, der Württembergische Viehhändlerverein, deren Ausschüssen Herr Kahn angehört, ließen ihm durch ihre Vorstandsmitglieder Glückwünsche aussprechen. Gerührt dankte der Jubilar, in seiner Bescheidenheit hervorhebend, daß der Ehren zuviel ihm erwiesen würden, daß er nur immer seine Pflicht seiner Ueberzeugung gemäß habe erfüllen wollen. Es war also das Fest eine Huldigung der sonst ziemlich links stehenden Cannstatter Gemeinde vor der Prinzipientreue, eine zwar nicht offen ausgesprochene aber doch fühlbare Anerkennung, daß das eigentliche Judentum nur bei den Gesetzestreuen zu Hause ist. In der Tat hat Herr Kahn durch seine und seiner gesamten Familie Lebensführung seinen neologen Gemeindegenossen so hohe Achtung abgewonnen, daß sie ihn bei jedem Ablauf seiner Wahlperiode immer wieder ins Kollegium wählten und ihm so höchstes Vertrauen bekundeten. Schmerz. Luzern. (Unlieb verspätet.) Es war schade, daß wir den Saal, den wir sonst bei Vorträgen mieten, nicht haben konnten; denn der Saal im Hotel erwies sich für das so zahlreich erschienene Publikum viel zu klein. Das Referat für den Abend hatte H. Rabbiner Dr. Schüler-St. Ludwig bereitwilligst übernommen. Er sprach über Jehuda ben Samuel Halevi. Der Redner gab uns in gedrängter Kürze ein Lebensbild des Dichters, schilderte uns seine heiteren Lebensgeschicke bis zu seinem 50. Lebensjahre, und das Elend, das der Dichter, aus Sehnsucht . nach Zion, am Ende seines Lebens durchkostete. Wir hörten Gedichte religiösen und profanen Inhalts, Rätsel, Epigramme, Grabinschriften, Hochzeitslieder usw. und erfuhren auch in großen Zügen den Inhalt seines religionsphilosophischen Werkes Kusari. Der fast eine Stunde währende Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Nachdem der Vorsitzende, Herr I. Herz, dem Redner für seinen gediegenen Vortrag gedankt hatte, richtete er noch einige Worte an die Versammlung. Er forderte im Hinweis auf die Ziele des Talmud Thora-Vereins zum Eintritt in den ' Verein auf und ermahnte die Mitglieder, eifriger an den Lernversammlungen des Vereins teilzunehmen. Wir hoffen, daß die schlichten von Herzen kommenden Worte unseres wackeren Präsidenten den gewünschten Erfolg haben werden. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Auf Einladung des H. Sam. Rokach fand gestern im Sitzungssaale der Kultusgemeinde bei Anwesenheit des Herrn Rabbiner A. L. Braude und des Gemeindepräsidenten, sowie vieler führender Persönlichkeiten unseres öffentlichen Lebens eine sehr imposante Versammlung statt. Herr Rokach wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt und begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten unter Darlegung der Notwendigkeit, sich der Aguda zahlreich anzuschließen. Hierauf referierte Herr Moses Schmelkes-Krakau über die Entwicklung der jnjK in Deutschland und deren Bedeutung für Galizien. Nachdem Herr Dr. Munk das Programm der Agudo in einer eindrucksvollen Rede erläutert hatte, sprach Herr Bankier Isaak Thumim-Przemysl in seiner zündenden Art über die Kattowitzer Versammlung und die Tätigkeit, die die Agudas Jisroel bisher entfaltete. Die Wirkung war eine gewaltige. Sämtliche Anwesenden schlossen sich der Agudo an und übernahmen es, die Idee in weitere Kreise hinauszutragen, auf daß in Lemberg eine Ortsgruppe entstehe, die einer so angesehenen Gemeinde würdig sei! Diesem Gedanken gab Herr Rokach in seinem Schlußworte beredten Ausdruck. Rumänien. Pascani. Durch den Anschluß des hiesigen Rabbi Mosche L. I. F r i e d m a n n, eines der einflußreichsten Führer der rumänischen und südrussischen Chassidim, an die rY13K sind hier viele veranlaßt worden, der Organisation beizutreten. Die einleitenden Schritte zur Gründung einer Ortsgruppe sind getan und es ist zu hoffen, daß die Aguda, wie überall, so auch hier, sich in die breiten Volksmassen Bahn brechen wird. Briefkasten. Nach uns gewordenen Nachrichten treibt sich ein feingekleideter jüdischer, junger Mann, angeblich aus Buchsweiler, im Lande herum, der sich besonders bei Frauen als entfernter Verwandter aufspielt, sich der Familie aufdrängt und auf diese Weise Geld herauszuholen sucht. Es sei vor diesem Menschen gewarnt.

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