Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V.' IRefcb und Ausland: Leltungspretslttte. Kayern: Leitungsnummer 54S. >'«r~ —■-—- Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Ttratzburg i. Elf. -- Vertretmcg für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Strahburg durch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammei. In Basel durch I. Nordmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Vadeuerstraße 123. -- ■ "V Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. ZustellungSgebühren); per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. dar Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede poftanttalt entgegen. ■ i . ■ i ii .i ... .. ii mmmmmmmmm—mm-mm—mm—mmm* v. Zabrgang. Ttratzburg, 13. Februar 1914, 17. Scbewat 5674. Dr. 7 Inhalt. Leitartikel: Das Gesetz bildet das Volk. — Das Schächtverbot vor dem russischen Ministerrat. — Vom Sprachenstreit in Palästina. — Francis de Pressenfe. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Briefkasten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Geschäftliche Mitteilungen. — Vermischtes. — Gedaljah. — Inserate. Zu nn\ Aas Gesetz öikdel das Wot'ü. Auf zwei Grundgedanken beruht das Judentum: Dem Auszug aus Aegypten und der Offenbarung des Gesetzes. Das Volk fall in der Sidrah dieser Woche die Gebote Gottes erhalten, da erinnert feine großer Führer auf Befehl Gottes vorher noch einmal an die Befreiung aus Aegypten. „Ihr habt gesehen, was ich an Aegypten getan habe, während ich euch auf Adlerflügeln trug und euch zu mir brachte." Ihr habt es gesehen, sagt Moses. Die Erlösung aus Aegypten ist kein Dogma, kein Glaubensartikel, den Moses dem Volke diktiert, den der einzelne je nach seiner inneren Neigung zum Glauben oder zum Zweifel annehmen oder ablehnen kann, nein, sie ist für die Generation, mit welcher Moses spricht, eine selbsterlebte, historische Tatsache, die ebensowenig bezweifelt werden kann, wie die Existenz des sprechenden Moses oder des angeredeten Volkes. Doch mit der Erlösung aus Aegypten war Israel noch kein ganzes Volk. Es fehlte ihm noch jeder höhere Schwung, jede Seelenkraft. Wollte es ja beim ersten Anstoß schon verzweifeln. „Und sie sprachen zu Moses: Weil etwa keine Gräber in Aegypten find, Haft du uns hierher genommen, damit wir in der Wüste sterben." Erst durch die Gesetzgebung wird Israel wirklich zu einem Volke. Jetzt erst erhalten die Jahrhunderte lang in Aegypten durch äußeren Druck zusammengehaltenen Stämme ihre innere Einheit, ihre innere, ewige Kraft. Der vom Druck befreite Körper Israels erhält erst durch das Gottesgesetz eine freie, sittlich strebende Seele. Jetzt erhalten sie Gesetz, Recht und Pflicht, dies alles soll in der Folge Eigentum ihres Geistes, Inhalt ihrer Seele werden. Es soll es werden. Denn durch die bloße Tatsache der Offenbarung ist Israel noch nicht das Priestervolk geworden, es kann es werden, wenn das göttliche Sittengesetz der Ausgangspunkt und das Ziel seines Strebens wird. „Und ihr werdet mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk. Dies sind die Worte, die du zu den Kindern Israels sprechen sollst." Die Thora sagt nicht: Ihr seid mir ein Reich von Priestern und ein heilig Volk durch die Offenbarung geworden, sondern, ihr werdet es jetzt, wenn ihr, wie die Weisen diesen Vers erklären, vom Gesetz Gottes nichts wegnehmet und zu demselben nichts hinzufüget (Rafchi 19, 6). Seit der Offenbarung des Gottesgesetzes ist die Thora der Boden, aus dem Israel steht. Die andern Völker der Erde bedurften zu allen Zeiten zuerst einer materiellen Grundlage, eines Landes. In der ganzen Welt ist Seßhaftigkeit, ein eigener Boden und ein eigenes Dach, die erste Voraussetzung und die erste Bedingung für jede geistige und sittliche Entwickelung eines Volkes. Nicht so in Israel. Hier ist die erste Bedingung das Gesetz. Losgelöst von Aegypten und noch nicht im Besitze des Landes seines Zieles erlebt das Volk in der Wüste die Osfenbarung des Gesetzes, das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit, welches bestimmend auf die ganze Völker- und Welientwicklung wirkte und heute noch wirkt, sowohl im christlichen Europa wie im muselmännischen Asien. Von der allgemeinen Entwickelungstheorie aus betrachtet, ist es ein sonderbares, rätselhaftes Volk, dies Volk Israel. Wenn die Entwickelungslehre auf alles paßt oder wenigstens zu passen scheint, bei Israel bleibt sie nicht beweiskräftig. Andere Völker entwickeln ihr Land zu einem Staate mit Gesetz und Recht, Israel führt sein Recht und Gesetz schon mit sich beim Einzug in sein Land. Sonst bildet das Volk das Gesetz, in Israel bildet das Gesetz das Volk. Das Volk bildet nicht das Gesetz. Unsere Religion ist eine Gesetzesreligion. Souverän ist allein das Gesetz, das von Gott auf alle Zeiten begründete und uns bindende Gebot. Wir Menschen sind die Träger dieses Gesetzes, wir müssen in der Praxis des Lebens es verwirklichen. Wir bilden nicht das Gesetz, das Gesetz bildet uns. Wir erhöhen nicht das Gesetz durch dessen Beobachtung, das Gesetz erhöht uns. Wie der Gesetzgeber ewig ist, erhaben über Raum und Zeit, so auch sein Gesetz. Das Gesetz ist erhaben über den Raum: Schon der Ort der Gesetzgebung, die Wüste, welche, wie das Meer, Allen