Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Klatt Nr. 6- 12 * „Hast du auch nichts von meinen Angehörigen gehört?" fragte die Fürstin, „weißt du nicht, ob noch manche von ihnen leben, oder hat sie alle die Rache des Königs getroffen?" Der junge Krieger verneinte es ebenfalls; aber hier wurde es ihm schwerer, denn er kannte ja das unglückselige Ende des Königshauses. „Mein Sohn," sagte der greise Prophet, sich erhebend und dem Gespräch eine andere Wendung gebend. „Gott hat deine Schritte wunderbar geleitet, und so heiße ich dich auch willkommen im Namen unseres Gottes. Gesegnet sei dein Eingang, und damit dies ein wahrer Freudentag sei und alle geheimen Wünsche erfüllt werden, an diesem Tage, an welchem ein treuer und gerechter Sohn sich eingefunden hat in der kleinen Gemeinde, so höre, und das ganze hier versammelte Volk soll Zeuge sein. Eine Jungfrau aus königlichem Stamme hatte dich in ihrem Herzen zum Gefährten erkoren und deinen Tod beweint wie die Gattin den Gatten. Du bist zurückgekehrt zu ihr; doch nicht du solltest der Erwählte sein. Fürst Gedaljah ist der von den Syriern für sie bestimmte Mann." Eine Todesblässe bedeckte das gebräunte Gesicht Jochanans, und fast entsetzt sah er nach Gedaljah hin, der das Gesicht zur Seite gewendet hatte. Jeremia fuhr fort: „Wärst du nicht erschienen, das Geschick hätte sich erfüllt; aber da du da bist, so erkennt der Freund die älteren Ansprüche des Freundes an und überträgt auf dich das Recht auf diese Jungfrau. Hier ist sie! Jeremia, der Vaterstelle an ihr vertritt, verlobt sie dir hier an, im Namen Gottes und in Gegenwart des ganzen Volkes." Er nahm die Fürstin bei der Hand und führte sie zu Jochanan. „Seid so glücklich, wie ihr reinen Herzens seid, und verbreitet ferner durch euren Wandel den Namen und die Herrlichkeit eures Gottes." Jochanan preßte die Hände der Geliebten eine Weile stumm an seine Brust, dann ließ er sie los, eilte zu Gedaljah und vor den Sitzenden niederkniend und die Arme um seinen Nacken schlingend, sagte er mit tiefer Bewegung: „Habe Dank, mein Freund, o habe Dank!" Auch Zippora war zu ihm hingetreten und faßte seine Hände, mit bewegten Worten ihm dankend. Der junge Fürst sah in die strahlenden, glücklichen Gesichter der Verlobten, eine schöne, stille Weihe kam über seine Seele und goß sich, als Verklärung über sein Gesicht. „Es ist doch schön, im Lichte Gottes zu wandeln," sprach er leise. Das Volk aber schrie, wie in der guten, alten Zeit zu Jerusalem, „es lebe Gedaljah, der Gute und Gerechte". S t i l l e b e n. Schöne Tage folgten diesem Abende. Die Hochzeit des Paares fand bald statt. Jeremia segnete ihren Bund. Sie bewohnten beide das Palmenhaus. Die Frauenbedienung und die Wache war abgeschafft worden. Wozu waren sie nunmehr nötig? Das Haus bewohnte nicht mehr eine Königstochter, sondern das Weib Jochanans, des Sohnes Abners; denn das jüdische Weib hatte keinen selbständigen Glanz, keine Würde, nur der Stand und die Bedeutung des Mannes konnte auf sie übergehen. Jochanan hatte einen Strich Landes zum Landbau angewiesen bekommen, den bepflanzte er mit Obstbäumen und Weinstöcken, teils säete er Getreide darauf. Wenn er abends müde vom Tagewerke nach Hause kam, da erwartete ihn der gastliche Herd und da empfingen ihn die offenen Arme und der leuchtende Blick eines geliebten Weibes. „Ich dachte gar nicht, daß es ein solches Glück geben könnte und daß man so gesättigt und erfüllt von einer stillen, großen Seligkeit sein kann," sagte der junge Gatte. „Zippora bist Du auch glücklich?" „So, daß es mir scheint, als wären Jahre des Elends nicht zu viel gewesen, für eine einzige solche Stunde." „Der Ewige lasse es uns, und er zähle es uns nicht auf Stunden oder Tage zu," versetzte Jochanan, sie innig an sich drückend. „Weil ich das Glück errungen, 'das mir so ferne lag, wie der Himmel von der Erde, möcht ich es festhalten mit der ganzen Kraft meiner Seele und es nur mit meinem Leben lassen." „Wer sollte es uns nehmen, Geliebter? Gott der Ewige hat uns so wunderbar zusammengeführt, daß er auch ferner unsere Liebe schützen wird; denn als wir uns zum erstenmal fanden und erkannten, da war es mit der festen Ueberzeugung, daß es auch zum letzten Male sei." „Aus dem allgemeinen Untergange Tausender sproßt oft das Glück eines einzelnen auf," sprach Jochanan ernst, „wie ein verirrtes Blumenkorn oft zwischen Tod und Trümmern aufgeht und zur Blume sich entfaltet, Säfte ziehend aus dem reichen Quell zerstörten Lebens rings um sich. Aus Schrecken und Tod hat auch uns die allmächtige Hand Gottes wunderbar geführt, und wunderbar vereint; wir wollen nur auf ihn ferner hoffen und vertrauen. Jetzt Geliebte, Hab' ich nur noch einen Wunsch, daß wir im Glücke nicht die einzigen seien." (Fortsetzung folgt.) MT" £üv den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, insbesondere nicht hinsichtlich des rltnellen Charakters der empfohlenen Maren.! Heirat. 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