Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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t Nr. 6. ' Das Mische Hlatt. 11 Höhere Töchtersch. Barr. — Leon Kahn, Basel, Austraße 83 (was hier eintrifst, wird gebracht; die Charade ist nicht richtig gelöst). Drei Rätsel: Ieanne u. Julien Ullmann, Niederhagenthal. — Charles u. Sylvain Metzger, Pfaffenhofen. — Moritz Scharff, Zögling im ifr. Waisenhaus, Hagenau. — Edgar u. Jean Levy, Oberfchäffolsheim. Bier Rätsel: Edmond, Suzanne u. Germaine Guthmann, Wittersheim. Fünf Rätsel: Moise Metzger, Walk. Z>eri Wreis für erfolgreiches Raten im Monat Januar erhielten Ieanne u. Julien Ullmann, Niederhagenthal. Bon Sekretären der „Liga für die hungrigen Kinder in Jerusalem" und anderen: Maurice Greilfamer, Neubreisach 18 Ji; Marguerite Levy, Hirsingen 12 Ji; Eli Weilt, Buchsweiler 4,50 Ji; Max Roos, Romansweiler 5 Ji; Berthe Simon, Püttlingen 2 Ji; Reine Meyer, Ingweiler 2 Ji; Benj. Mandel, Dauendorf 5 Ji; Ieanne Bloch, Oberehnheim 5,05 Ji; Marcel Weill und Georgette Levy, Quatzenheim 3 Ji. Elektrische Bahn und elektrische Beleuchtung in Jerusalem. Im neuen Vilajet-Gesetz des türkischen Reiches ist die Bestimmung enthalten, daß das französische Bankhaus Ssrier eine auf 40 Jahre lautende Konzession zum Bau einer elektrischen Bahn von Jerusalem nach Bethlehem, ferner zur Einführung der elektrischen Beleuchtung und zu einer Wasserleitung in Jerusalem erhält. Ausgrabungen jüdischer Altertümer in Palästina. Die staatliche Zentralstelle für die Altertümer in Palästina hat nun endlich gestattet, daß Baron Edmond de Rothschild von Paris auf Grund einer auf den Namen Antery lautenden Konzession in der Nähe der Ortschaft Silon bei Jerusalem Grabungen vornehmen lasse. Die bezeichnet Gegend wird von bedeutendsten Archäologen und Historikern als eine nahezu unerschöpfliche Fundstelle für palästinensische Altertümer bezeichnet. Die Bewilligung ist ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, daß die Grabungen unter der Leitung des bekannten Pariser Archäologen Reinach durchgeführt werden. Da Reinach jedoch verhindert ist, zu diesem Zwecke nach Jerusalem zu kommen, wurde an seine Stelle Kapitän Weill aus Paris, gleichfalls ein Jude, zum Leiter der Ausgrabungen ernannt, der in Begleitung eines Assistenten auch bereits in Jerusalem angekommen ist. Die türkische Regierung hat ihrerseits zwei Kommissäre und zwar den Direktor und den Bizedirektor der archäologischen Zentralstelle mit der Kontrolle der Ausgrabungsarbeiten und insbesondere mit der Registrierung der Funde betraut. Am 5. des türkischen Monates Tischrin wurde mit den Ausgrabungen begonnen, bei denen 120 Arbeiter und zwar zum größten Teil yemenitische Juden und zum geringsten Teil Araber beschäftigt werden. Die Aufsicht über die Arbeiter hat ein Mohammedaner. Ueber ausdrücklichen Wunsch des Barons Rothschild werden die Arbeiten an Sabbathen und jüdischen Festtagen gänzlich unterbrochen, und auch die arabischen Arbeiter haben an diesen Tagen die Arbeit einzustellen, obgleich ihnen natürlich auch an ihren eigenen Feiertagen die Arbeitsruhe zugesichert wurde. Baron Rothschild hat in einem Gespräche die Ueberzeugung ausgesprochen, daß diese Arbeiten, welche große Summen verschlingen, sehr viel zur Aufhellung noch mancher dunkler Kapitel der Geschichte der Juden beitragen werden. Hedakjah. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Dann fühlte ich mich erhoben, auf einen sich fortbewegenden Gegenstand gelegt, und wieder schwanden mir die Sinne; und wenn ich ja auf Momente erwachte, so war es nur zum dumpfen, verworrenen Bewußtsein. Ich fühlte mich in fortwährender, schaukelnder Bewegung, die meine schmerzenden Sinne zur Ruhe neigten. In der Hütte eines babylonischen Reichen kam ich zur vollständigen Besinnung, und als ich mich erst nach und nach gekräftigt hatte und einige Worte ihrer Sprache verstand, erfuhr ich teils durch Zeichen, teils durch Worte von meiner wunderbaren Rettung. Syrische Krieger, die den Nachtrupp bildeten und die beladenen Kamele führten, hatten mich in einer Schlucht, nahe der Straße nach Jaffa, gefunden. Einer von ihnen wollte mich, den sich noch Bewegenden, vollends töten. „Ein anderer litt es nicht. Ich hatte Aehnlichkeit mit seinem Bruder, der in diesem Kriege gefallen; außerdem war ich ein riesenstarker Mann, und es würde seinem alten Vater eine große Freude gewesen sein, wenn er ihm einen solchen Sklaven brächte. Stürbe ich unterwegs, so war es leicht, mich in einen Graben zu werfen und die Reise fortzusetzen. So lobte er mich und hob mich auf eines der beladenen Kamele, die seiner Obhut anvertraut waren. Nun war ich in Babylon, war ein Hirte und hütete die Schafe meines Herrn. Man behandelte mich nicht schlecht, und ich konnte ausruhen von den Schrecken der letzten Vergangenheit. Aber ich verging in Sehnsucht und Angst vor Ungewißheit des Geschickes meiner Verwandten und Freunde und fühlte, daß ich so nicht leben konnte." „Eines Tages traf ich einen Mann unseres Volkes auf einem entfernten Weideplätze; er war auch als Sklave in das Haus eines Babyloniers gekommen. Das Wiedersehen von ihm zu schildern erlaßt mir; genug, von ihm erfuhr ich alle Vorgänge. Nun hielt es mich nicht länger in dem fremden Lande, der Plan zur Flucht wurde gefaßt. Eines Abends brachte ich die Herde treulich in die Besitzung meines Herrn, aber ich selbst wendete mich und wanderte die ganze Nacht fort, bis mich der heranbrechende Morgen weit aus dem Bereiche aller Verfolgung fand. Meine babylonische Tracht nützte mir, und damit mich meine fremde Zunge nicht verrate, stellte ich mich stumm und sprach nur durch Zeichen. So gelangte ich mit vielerlei Entbehrungen bis in die Wüste; aber auch hier hielt Gott schützend seine Hand über mich. Eine phönizische Karawane, die bereichert mit Gold und Edelsteinen aus Persien kam, passierte sie; ich schloß mich ihr an und gelangte so wohlbehalten bis an die Grenzen meines Landes. Denn die Phönizier gewährten mir gerne als Flüchtling aus Babylon Schutz, auch sie hatten von dem kriegerischen Geiste Nebukadnezars zu leiden gehabt. So sah ich den geheiligten Boden meines Landes wieder, so seht ihr mich hier." Als er geschlossen, trat erst eine Stille ein, dann wurde Jochanan von allen Seiten mit Fragen bestürmt. Ob er nicht diesen und jenen gesehen, ob er nicht von diesen oder jenen gehört. Es waren Väter, Mütter, Kinder, Brüder oder Schwestern, nach denen die aus Mizpa fragten; denn fast jeder hatte ein teures Haupt in der fernen Verbannung. Jochanan konnte keine Auskunft geben: er hatte in einem entfernten, wenig bewohnten Landstriche gelebt, weit entfernt von der Hauptstadt des Landes. >