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Das jüdische Blatt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6. Das jüdische glatt 9 den für ihr Erscheinen und gab eine geschichtliche Entwicklung der ganzen Frage, die seit 14 Jahren erörtert wird. Eine damalige Eingabe an Bezirk und Stadtverwaltung hatte den Erfolg, daß der damalige Bürgermeister v. Cramer einen Kredit von 300 000 ausstellt. Nach einem Wechsel im Bürgermeisteramt trat die Schwierigkeit ein, daß der Bürgermeister einen Eingang von der Marchantstraße in die Synagoge vorschlug, was aber von der jüdischen Gemeinde nicht akzeptiert wurde. Seitdem wurde diese Frage ohne Resultat erörtert. Deshalb hielt es der Oberrabbiner für notwendig, ein engeres Komitee mit der Frage zu befassen, das vorbereitenderweise die Schritte unternehmen will, Gemeinde und Konsistorium zu ermutigen, die Sache definitiv in die Hand zu nehmen. Es wurde besonders betont, daß wir den Juden in Metz unbedingt eine neue Synagoge schulden, um keinem Veranlassung zu geben, aus Gründen der Moralität der Synagoge fern zu bleiben, besonders der Jugend wegen, die wir ins Gotteshaus lenken sollen. Die herrschenden Zustände, die bereits in unserer vorletzten Nummer geschildert wurden, verlangen eine Verlegung, was von Juden und Christen anerkannt wird. Die Versammlung beschloß einstimmig 1. Der Neubau ist unentbehrlich. 2. Das Komitee beschließt, bei einzelnen Mitgliedern und Personen die Zustimmung zu dem Plane zu erhalten und zu gleicher Zeit die entsprechenden Beiträge, die jeder leisten will und die in Jahresraten nach Wunsch zu zahlen wären, einreichen zu lassen. 3. Sämtliche Mitglieder des Komitees sind bereit, eine rührige Propagandatätigkeit zu entfalten, von denen man das beste Resultat erwartet. Zum Schluß dankte der Oberrabbiner allen Herren in herzlicher Weise für die versprochene Mitarbeit, die sofort beginnen soll. Wir wünschen ebenfalls eine baldige Erfüllung der Wünsche der ganzen Gemeinde. r. Metz. Neben der Kaisergeburtstagsfeier in der Synagoge fand im Militärhaus der Lothringer Loge eine gelungene Feier statt, der 120 Personen beiwohnten. Den Soldaten und anderen Gästen wurde ein frugales Essen serviert. Deklamationen und heitere Vorträge wurden gehalten. Sehr großen Eindruck machte die Festrede des Oberrabbiners. Zum Schluß ergriff der Vertreter der Militärbehörde, Major von Rosen, das Wort und wünschte, daß alle Konfessionen ohne Unterschied zum Schutz des Vaterlandes einstehen und sich einigen. i-. Metz. Der Verein für Jüdische Geschichte und Literatur hielt gestern abend seinen zweiten Vortragsabend. Rabbiner Schwartz-Brüssel sprach in französischer Sprache über den Ursprung der Juden in Frankreich, den er ins 4. Jahrhundert verlegte. Redner erläuterte die Stellen aus Tacitus, Sueton. und anderen Schriftstellern der damaligen Zeit, die Bezug auf Juden hatten. Aus diesen ging hervor, daß schon damals in Frankreich starke, antisemitische Strömungen herrschten. Wie schon feit Jahren nicht mehr, war der französische Vortrag stark besucht. Metz. Sonntag, den 1. Februar, hielt die Ohobro schel metaharim ihre übliche Sudoh bei guter Beteiligung ab, gleichzeitig den 70. Geburtstag ihres Ehrenpräsidenten, Herrn Jonas, feiernd. Herr Oberrabbiner Dr. Netter wies in bekannt meisterhafter Art unter Bezug auf den Schluß der ersten Porsche der kommenden Sidroh „Tfno Isroel joziim bjod romold' auf die selbstlosen Ziele des Vereins hin, ermahnte die Vereinsbrüder, unentwegt aller stets größer werdenden Schwierigkeiten, das Banner der Religion, der Gottesfurcht, der Gotteslehre und der Wohltätigkeit stets hochzuhalten, hob die Schwierigkeiten hervor, die der Jehudi unseres Zeitalters schon von der Schule an, ferner während seiner Ausbildung fürs Leben und in seiner späteren Stellung und besonders bezüglich des Tinhaltens des des Fundamentes der Religion, zu bekämpfen hat, und feierte den Jubilar des Abends als nachahmenswertes Vorbild. — Herr Hanau gab ein politisch satirisches Poem u. a. mit Hinweis am „Zabern" zum Besten und erntete damit, wie auch das Vereinsmitglied, Herr Samuel, als bestbekannter Tenorist, mit dem glänzenden Vortrage eines Liedes wohlverdienten Beifall. Nach verschiedenen Toasten auf die Vereinsvorstände, die Herren S. Klingenstein, Max Dreifuß und N. L. Weilt trennte sich die animierte Gesellschaft gegen Mitternacht im Bewußtsein, mit Abhalten dieses Essens, ebenso wie mit ihrer sonstigen Tätigkeit, eine Mizwoh erfüllt zu haben. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß Küche und Keller des Wirtes, Herrn Zivi, Kammerplatz, nur eine Stimme des Lobes fanden. Rosheim. Im Verlauf von wenigen Tagen sind hier zwei edle Frauen in ein besseres Jenseits abberufen worden. Vorige Woche starb im Alter von 83 Jahren Frau Wwe. Dina W e r t h e i m e r und wurde am Donnerstag unter großer Beteiligung beerdigt. Die 80 jährige Frau Bloch hatte es sich nicht nehmen lassen, bei der Verstorbenen noch Wache zu halten, mußte sich aber dann 'selber schwer krank niederlegen und ist Dienstag nacht gestorben. Ihre Beerdigung fand Donnerstag morgen statt. An ihrer Bahre trauerte ihr 83 jähriger Gatte. r. Saarburg. Der frühere Gerichtsvollzieher Oury-Leoy, eine stadtbekannte Persönlichkeit verstarb letzte Woche. Am Grabe schilderte der Rabbiner das Leben dieses alten edlen Juden, der ein Freund von Juden und Christen gewesen. Bayern. kihingen. Endlich hat auch unsere Gemeinde sich entschlossen, eine Elementarschule zu gründen. Hoffentlich bleibt das Beispiel nicht ohne Nachahmung. Berichtigung. Herr Dr. Simon R o s e n b l u t h aus Fürth teilt uns mit, daß ihm nichts davon bekannt ist, daß er die in Nr. 4 unter „Fürth" erwähnten Reden gehalten hätte. Pr cnsten. Saarbrücken. Der älteste Mann unserer Gemeinde ist letzten Freitag gestorben. E. B o n n e m ist 95 Jahre alt geworden. Nach kurzer Krankheit ist der allzeit Rüstige nunmehr henngegangen. B. war ein sehr geachtetes und beliebtes Mitglied unserer Kultusgemeinde. Jung und Alt beteiligte sich an seinem Leichenbegängnis. Lehrer Lißner schilderte in trefflichen Worten den Lebensgang des Verblichenen, der unverzagt und freudig den Widrigkeiten des Lebens die Stirn geboten. J. B. gadcn. Karlsruhe. Auf Einladung eines Kreises nahlnhafter Mitglieder der beiden hiesigen israelitischen Gemeinden fand am 27. Januar abends im Hotel Nassauer Hof, eine Versammlung statt, die dem Werke der A. I. K. O. (Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation) gewidmet war. Dem einladenden Komitee gehörten u. a. an: Der Rabbiner der Israel. Religionsgesellschaft, Herr Dr. Schiffer, Herr Stadtrabbiner Dr. Appel, Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Ludwig Haas, der Präsident der Karl-Friedrich-Loge, Herr Dr. Fritz Strauß, Herr Rechtsanwalt Dr. Ellenbogen, Frau Stadtrabbiner Dr. Appel, Frau Jonas E t t l i n g e r usf. Den Vorsitz führte Herr Stadtrabbinev Dr. Appel. Herr Ernst Löwenberg - Berlin und der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der A. I. K. O., Herr Dr. Alfred N o s s i g - Berlin legten in überzeugender Weise

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