Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■Reich und Ausland: Leltungsprelslllte. Bayern: Beitungsnummer S4S. Geschäftsstelle: .— M. DuMont Schauder-, Etratzdurg i. Elf. - —— Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchdändler. AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzdurg durch die «lsässlsche Uktirngesellschast vorm. A. «mmel. In Basel durch I. Nordrnan». Socinstraße 36. In Zürich durch U. Schneider. Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen:?ro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühr«), p« tteifband M. 1.25. In Krankreich unter Streifband 2.50 Fr. da« Vierteljahr, 10 Fr. da» Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da« Jahr. Ju Oesterreich per Post 4 Sr., per Stteifband 9 Kr. das Jahr. I« England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. Inserate nach Tarif. A Abonnements nimmt jede vottanttalt entgegen. V. Zabrgang. Ansbacb.Ltratzburg, 6. Zanuar 1914, w. Scbewat 5674. ißr. 6 Inhalt. Leitartikel: Schöne Formen. — Sir Rufus Jfaacs. — tzuvlls est 1a mission de l’homme sur terre? — Brief vom Lande. — Höchst fidele Antwort des Rabbiners zu Ansbach auf das amtsbrüderliche Schreiben des Rabbiners zu Zabrze. — Aus aller Welt. — Wie Gnaden Herr Landrichter fein Opfer findet. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Gedaljah. — Inserate. Zu r6zD D. Schöne Iorme». Zu dem Wort aus dem Meereslied: seli eli weanwelm bemerken unsere Weisen (Sabbat 133 b): „Schmücke dich vor Ihm mit Mizwaus, schaffe vor ihm eine schöne Sukkah, ein schönes Lulav, ein schönes Schofar, schöne Zizis, eine schöne Sefer Thora." Wir sehen also, auch unsere Weisen kannten das Problem der religiösen Kunst, und die Anforderung, die erst aus der Neuzeit zu stammen scheint: „Verschönerung des Gottesdienstes" ist bereits im weitesten Sinne — insofern nämlich unser gesamtes religiöses Leben Gottesdienst ist — vor langer Zeit von unsern Alten in aller Deutlichkeit gestellt worden. In der Tat dürfte dem Verlangen unserer Weisen nach Hiddur Mizwoh (schöne Ausführung einer Mizwoh) oft etwas mehr entsprochen werden, man denke nur an die zwei in dem angeführten Talmudsatz zuerst genannten Beispiele, Sukkah und Lulav. Angesichts der bekannten Tatsache, daß allenthalben der Luxus überhand genommen und die Ansprüche an das Leben gewachsen sind, ist es überhaupt verwunderlich, welcher Anspruchslosigkeit in religiösen Dingen man oft begegnet. Fast in jedem Dorf erstrahlt heute das elektrische Licht, und in den einfachsten Haushalten werden schöne elektrische Lampen angeschasst. Der Pflicht des Chanukkalichtes aber wird mit Wachskerzchen — die dazu häufig zu dünn sind, um den Schiur zu brennen! — an einem Brettchen genügt auch von solchen, denen es ein leichtes wäre, an einem Leuchter mit Olivenöl zu entzünden. Welche Verschwendung herrscht oft in der Anschaffung von Kleidung und Putz, wie sind da die Bedürfnisse so verwickelt und vielartig! Wieviele aber denken daran, ihre Tefillin zu erneuern, und falls sie es tun, sich nicht gerade mit den allerbilligsten zu begnügen? Und dabei handelt es sich hier um ein Schmuckstück, das jeden Tag gebraucht werden soll. Man sieht, würde der Anforderung: „mache dich schön vor Ihm mit Mizwaus" immer entsprochen werden, es würde im einzelnen auch dem religiösen vin oft sein Recht werden. Wir sollen also nach der Vorschrift unserer Weisen die Gebote in schöner, gefälliger Art erfüllen, und auch was man gewöhnlich unter Verschönerung des Gottesdienstes versteht, wäre sicherlich nach ihrem Sinne. Freilich gibt es bei alledem zwei gewichtige Schranken. Zunächst: die schöne Form darf nicht zur Hauptsache werden, hinter der der Inhalt an Bedeutung zurücktritt-, wir glauben, daß in mancher modernen Pflege jüdischer Kunst, der Veranstaltung jungjüdischer Abende u. dgl. die Gefahr der Verschiebung von Haupt? und Nebensache vorhanden ist. Auch geht es nicht an, unter den Geboten eine Auswahl und Abstufung vorzunehmen, je nachdem wir sie als schön empfinden oder nicht, und so das Schöne als Wertmesser im Gebiet des Religiösen zu benützen. Schlimmer ist es sodann, wenn die Schönheit der Form durch Verletzung eines Gebotes erkauft wird, dann hat sie gerade das Gegenteil ihres Zwecks herbeigeführt. Denn die gefällige Form soll die Liebe zu den Mizwaus steigern, sie soll für den kostbaren Inhalt ein würdiges Gefäß bilden, nicht aber diesen Inhalt gefährden. Auf dem Boden der Thora ist kein Raum für die Anschauung „Erlaubt ist, was g e f ä l l t!" Sondern auch die Verwirklichungen des Schönen müssen bestehen können im Angesichte Gottes und seiner Lehre: „Dies ist mein Gott, durch das Schöne will ich Ihn verherrlichen!" Dr. Schwarz- Sulz. Sir Wltt'us Zsaacs. Mittwoch abend den 21. Januar veranstaltete der Verband der „Maccabeans" in London ein Bankett zu Ehren des Lord Chief Iuftice, Lord Reading (Sir Rufus Jfaacs). Selten hat man ein so vornehmes Bankett in London gesehen. Nicht weniger als 400 Männer (Frauen können nicht Mitglieder des Verbandes fein) haben sich an dem Feste beteiligt. Die beste Londoner Gesellschaft war dabei versammelt. Schriftsteller, Künstler, Gelehrte, Politiker, Bankiers, Mitglieder der höchsten Gesellschaft. Besonders Richter und Advokaten waren zahlreich vertreten. Vorsitzender des Banketts war der jüdische Professor Meldola,