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Das jüdische Blatt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4. Das jüdische Statt 11 Drei Rätsel: Albert Fohlen, Püttlingen (Lothr.). — Martin Ott. Realprimaner, u. Marguerite Ott, Bu sweiler. — Erna Goldberg, Devant-les-Ponts. — Albert u. Sigmund J'selsohn, Neckarbischofsheim, — Ohne Unterschrift aus Attkirch. — Jeanne u. Julien Ullmann, Niederhagenthal. Vier Rätsel: Schlaume u. Sara Mayer, Mecleuves bei Metz. Fünf Rätsel: Moise Metzger, Walk. Sechs Rätsel: George und Martha Dreyfus, Untertertianer, 1 Schletlstadt. Briefkasten der Rätsel-Ecke. M. W. Rosheim: Wir haben den Einsender auf das Unschöne eines solchen „fremden Federnschmucks" hingewiesen. Sprechsaar. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Veramwortung.) An d'Redaktion fum jeddische Blatt! Ihr mün mich verexkusiere, wenn ich jeddisch-daitsch schreib; awer unter uns g'sagt, fällt m'r s'hochdaitsch e bessele schwer, un s'franzesch paßt m'r nimm, zetter as unseri eommis voyageurs, wenn se gebild' sei welle, met em e niiserawle 'n aeeent uns portion cke poro roti b'schtelle. Warum ich aich hait schreib, welle'n'r wesse? For aich Jischkooch ze sage for aier Artikel ewersSchilerheim. Denn ihr mün weffe, ich Hab e Jingle von 10 Johr unbfchreje, s'Jaikefle- Mei Fraa, s'Sorle, lückt m'r ewer d'r Buckel un wett, daß ich s'„Jacquele" schreib. Awer m'r hen erscht s'letscht ewer die Sach e Discussion g'het. Sie esch sunsch gar net ewel. Ich wot e maul seje, ob noch e elsässische Fraa sau viel jeddisch kennt, wie sie. „Laul asebör taumar oleebo 8oro, schma b’kaulo" Hot se zü m'r gsagt. „Alles was ich, s'Sorle, ze d'r sag, daudruf sollsch Dü horische. So steht en der Thaure". No, ich Hab ere Tchüwe genn: „Das gelt numme em Jeddische. Jacquele awer, das esch franzeschalso kurz un güt, s'Jaikefle soll en e hecheri Ecole. Un dan wär's sehr schei, wenn's fort sei kennt un doch d'rhaan; d. h. net bei mir d'rhaam, awer druße d'rhaain. Lüje, ich den jo net orthodox un net liberal. Awer ich den e Ied, un wot, daß mei Jung en e güt jeddisch Haus käm. Wie mei noveu uf Straußborig esch kumme, hot ne mei Brüder in e Haus in Pension genn; dort henn se das Kend angestaunt, weils noch en Arbekanfeh getrage Hot un weils noch sau „gebache" war, daß es emmer Mauze macht un benscht. No, m'r braucht ne hait nimmt anzestaune: s'Arbekanfeß hat ne bei de Schikses geniert. Awer sei Pape Hot schon sau viel for ne bezahle derfe, daß er s'ganze Elsaß met Arbekanseß hat versorje kenne for das Geld. Bon Brache esch ka Red mej bei em. Ich Hab 'ne emmer dau d'rmit excusiert, daß ich g'sagt Hab: Er geniert sich for e Rewe ze frauge, was for e Broche m'r ewer Chasser macht; denn die Broche Hot er d'rhaam net gelernt. Ich will, daß mei Jung net sau ward. Dorum solls m'r uf 2 Goldstecklich net ankumme, wenn der Rewe for's Schilerheim sammelt. Met meim Nochber haw ich ach ewer die question geredt. Er Hot zu m'r gsagt: „Ja, wenn ich e Jung hat, gäwet ich ach ebbs d'rzü." Was maan'n 'r, daß ich em druf Antwort genn Hab? Em jeddische Blatt, ha v ich g'sagt, esch s'letscht en Artikel g'stande, daß Sodom un Gomorah untergange esch, weil die Lait dort alleweil g'sagt henn: „Ciiacun pour soi“ un „Was mich net brennt, daß blos ich net". Das esch awer bei d'r Jedde noch nie Mode gewenn, daß m'r sich vun er e güte Sach gedruckt Hot, weil m'r nex d'lbei Hot profitiere kenne. Friher Hot m'r sau ebbs für sei Neschome gemacht, net für sei Profit. Haw ich Recht g'hett? Geschäftliche Mitteilungen. Höhere Handelsschule Colmar. Diese bestbekannte Lehranstalt beginnt Ostern d. I. ihr 8. Schuljahr. Die Schülerzahl hat sich in dieser Zeit beständig gehoben. Biele Absolventen und Absolventinnen der Höheren Handelsschule, Handelsabteilung, fanden inzwischen gut dotierte Stellen im In- und Auslande, und zahlreiche Anerkennungen seitens der Prinzipale beweisen, daß sie mit den Leistungen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Anstalt recht zufrieden sind. Es kann daher nicht verwundern, wenn die Nachfrage nach Absolventen und Absolventinnen zeitweise nicht befriedigt werden konnte. Auch die Realabteilung zur Vorbereitung auf die Einjährig- Freiwilligen-Prüfung hat sehr gute Erfolge aufzuweisen, da es gelungen ist, Schüler aus Volks-, Mittel- und höheren Schulen teilweise mit großer Zeitersparnis und doch gründlich vorbereitet zur Prüfung zu schicken, die sie dann gut bestanden. Außerdem wird im kommenden Sommer ein viermonatiger Fachkurs für Damen mit besserer Vorbildung stattfinden, in dem wöchentlich an 3 Nachmittagen in 13 Stunden Unterricht in den wichtigsten kaufmännischen Fächern erteilt wird. Anmeldungen zu diesen drei Abteilungen werden am besten möglichst frühzeitig vorgenommen. Die Sprechstunden des Direktors finden werktäglich von 11—12 Uhr vormittags statt. Auf Wunsch wird Interessenten der Prospekt kostenfrei zugesandt. Wicheröesprechung. Das Pharisäische Judentum, in seinen Wegen und Zielen dargestellt von R. Travers Herford. Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Rosalie P e r l e s. Mit einer Einleitung von Felix P e r l e s. Leipzig, Verlag von Gustav Engel, 1913. Man muß der Uebersetzerin Dank wissen, daß sie durch ihre klare, ausgezeichnete Uebersetzung das Buch Herfords dem großen deutschen Publikum zugänglich gemacht hat. Vor allem christliche Leser sind dem Buche in der großen Zahl zu wünschen. Denn das Buch sucht den großen Geschichtsirrtum wieder gut zu machen, der infolge der entstellenden Darstellung des Pharisäertums durch das Neue Testament sich in der großen Welt festgesetzt hat. Der Verfasser ist von einem hohen Gerechtigkeitsideal erfüllt, lange Jahre hindurch hat er in eingehenden Studien die Pharisäer, die Weisen des Talmud zu „Gefährten und Freunden" gehabt und er ist erfolgreich bemüht, das wahre Bild dieser großen Charaktere vor den Augen des Lesers zusammenzustellen. Es ist ihm hoch anzurechnen, daß die Liebe zur Gerechtigkeit es über ihn vermocht hat, die Unhaltbarkeit der Angaben des Neuen Testaments über die Pharisäer nachzuweisen. Und diese bewiesene rechtliche Tat hat um so mehr Wert, als der Verfasser eine tief religiöse Natur ist, der das Neue Testament bewundert. Bei aller Wärme, die er für den Gegenstand seines Buches empfindet, hat er doch das Gefühl, feine Ausführungen können trotzdem „einen Pharisäer nicht voll befriedigen und seiner Sache nicht ganz gerecht wexden". Das ist schon richtig. Ein orthodoxer Jude kann mit den aus der Bibelkritik geschöpften Voraussetzungen über die Thora nicht übereinstimmen und wird auch noch manches an der Darstellung des Pharisäertums unvollkommen finden. Aber trotz allem muß mit hoher Befriedigung anerkannt werden, daß der Verfasser so groß von den Pharisäern denkt und schreibt, wie es ein Bekenner der christlichen Religon nur irgend kann. Die Beweisführung ist eindringend und doch maßvoll, das Urteil sicher und gerecht, das Bild abgerundet und eindrucksvoll. Viele Juden können von der Verehrung, die dieser gelehrte Geistliche für die Pharisäer zum klang-

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