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Das jüdische Blatt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Refcb und Ausland: Lettungsprelslttte. Lsyern: Leitungsnummer S4S. Geschäftsstelle: DuMont Schauberg. Strasburg i. Elf. k Bertretm.g für Bayern und Wttrtreinberc,: Max Vichinger. König!. Haföuckvdndler. »ttnsbach ,Bayern). Zu beziehen-. Durw Die Geschäftsstelle; außerdem in Slratzburg durch die GlsLssische Aktiengesellschaft vorm. «t. Am.nel. In Basel durch I. Stordmann. Socim'traße 86. In Zürich durch 4l. Schneider. Badenerstraße 128. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (extt. ZustellungSgebührm), p« Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. dar Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. da» Jahr. I« «ngland 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede vottanttalt entgegen. V. Zabrgang. Ansbacb-Ltratzburg, 23. Zainiar 1914, 25. XTewes 5674. ißr. 4 Inhalt. Leitartikel: Vereinte Kräfte. — Der neue Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe. — Beilis auf der Reife nach Palästina. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätselecke. Sprechsaal. — Geschäftliche Mitteilungen. — Bücherbesprechung. — Vermischtes. — Zum „kalendarischen Kuriosum". — Gedaljah. — Briefkasten. — Inserate Zu NIKI D. Vereinte Kräfte. Zwei Zielen zu strebt unsere Zeit; das erste nennt sich Betonen und Ausbilden der Persönlichkeit, d. h. auf gut deutsch möglichste Unabhängigkeit von anderen, Entfaltung eigener Kräfte, rücksichtsloses Beiseitedrängen aller Widerstände, Niederwerfung jeder Autorität, das zweite aber heißt Organisation, d. h. Zusammenfassen aller Kräfte, oder manchesmal auf gut deutsch Ausnützung der Kräfte anderer zu eigenen Zwecken. In den Reibungen dieser beiden Ziele und Wege werden all die schönen Dinge geboren, welche dem Staat und jeder anderen Form der Vergesellschaftung der Menschheit so viel Schwierigkeiten bereiten. Da zeigt es nun der Wochenabschnitt, wie es sein könnte, wie es sein sollte. Denn es sprach der Ewige zu Moses: „Siehe, ich habe Dich begabt mit Gottheitsgewalt gegenüber Pharao, und Dein Bruder Aron soll Dein Dolmetsch sein. Du sollst reden alles was ich Dir befehlen werde, und Dein Bruder Aron soll reden zu Pharao!" Wahrlich ein seltenes Verhältnis. Jeder von den Brüdern mußte zur Erfüllung der ihm gestellten Aufgabe auf jede Betonung der Persönlichkeit verzichten; nichts war einer ohne den andern. Modern würde man sagen, das dem einen Bruder fehlende Talent zur Volksführerschaft, der ihm anhaftende Mangel an Repräsentationsfähigkeit wurde durch den andern Bruder ersetzt. So etwas ist erträglich, so lange der Ergänzende sich in den Schranken der ihm zugewiefenen Aufgabe bewegt. Und das ist das Lob, welches die heilige Schrift dem Brüderpaar ausstellt in den Worten: „Das waren Aron und Mose, denen der Ewige befahl, die Söhne Israels aus Aegypten zu führen mit ihren Scharen. Sie waren es, die spi ichen zum Aegypterkönig Pharao, um die Söhne Israels aus Aegypten zu führen, das waren Moses und Aron." Wie nahe hätte es gelegen, wenn das Exekutivorgan Aron stets direkte Befehle vom Allmächtigen, erwünscht hätte. Doch nichts von dem; er, der Aeltere, beugte sich der Autorität. Darin liegt das Problem unserer Zeit. Reich und gewaltig ist die Versuchung, sich selbst als Autorität zu setzen und umflossen von der Gloriole des Lieblings der Massen seine Ideen durchzusetzen, seine Persönlichkeit in den Mittelpunkt aller Dinge zu stellen. Reich und gewaltig ist die Verlockung, im Gefüge einer Demokratie sich von den Wellen emportragen zu lassen. Allein jüdisch ist es nicht. Jüdisch gilt nur die Autorität; denn noch spricht der Allmächtige, spricht für jede Lage des Lebens die Worte seiner Lehre, zeigt in ihnen, wie die Kräfte zueinander streben und miteinander wirken sollen. Und das A und O aller Weisheit des gesetzestreuen Judentums ist die Autorität. In ihr allein liegt religiöse Lebensmöglichkeit jeder Organisation, in ihr allein ergibt die Strahlenbrechung jedes Cinzelwillens jenes Bild, in welchem alles vereint den Sieg der Thora in glänzenden Farben zeigt. P. K. Der neue Gesetzentwurf üöer die Sonntagsruöe. Der neue Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe ist in den Verhandlungen des Reichstags in letzter Woche zur Sprache gekommen. Auch der § 3, der eine Ausnahmevergünstigung zugunsten der sabbattreuen jüdischen Geschäftsleute bringt, wurde von den Rednern fast aller Parteien besprochen und zwar haben sich fast alle Parteien zustimmend dazu geäußert, das Zentrum durch den Abgeordneten E r z b e r g e r, die Nationalliberalen durch den Abgeordneten List. Merkwürdigerweise machte der freisinnige Redner G u n ß e r Vorbehalte, die uns peinlich berühren. Diese Vorbehalte mögen in bestem Sinne gemeint sein, aber zu dieser für die sabbattreuen jüdischen Geschäftsleute wichtigen Gelegenheit waren sie so unangebracht wie irgend möglich. Der freisinnige Abgeordnete hat sich die Bedenken des Verbandes der deutschnationalen, antisemitischen Handlungsgehilfen angeeignet. Wir nehmen an, daß seine Beweggründe, die ihn zu seinen Vorbehalten veranlaßt haben, gut gemeint sind, aber im gegenwärtigen Fall ist es doch für uns befremdlich, daß seine Bedenken dem Ergebnis nach sich decken mit den von dem gegen diesen Ge-

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