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Das jüdische Blatt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3. Das jüdische glatt 13 seiner Herzensneigung und seinem Lieblingsstudium, der jüdischen Geschichte, opfert. Der Verfasser, den wir aUs seinen Schriften „Der israelitische Friedhof in Hegenheim", Basel 1910, und „Über den Judenfriedhof in Zwingen und Judenniederlassungen im Fürstbistum Bafel" als einen vorzüglichen Kenner der Geschichte der Juden in der Schweiz und im Sundgau kennen, war sicherlich der geeignetste Mann, das vorliegende Werk zu schreiben. Dieses zeichnet sich durch klaren und knappen Stil, durch Objektivität und Gründlichkeit aus. Der Verfasser hat sich mit großem Geschick und feinem Takt der großen Aufgabe unterzogen, die Geschichte der Juden in Basel seit dem 14. Jahrhundert bis fast zum Schlüsse des 19. Jahrhunderts zu schildern und hat mit peinlichster Genauigkeit und großer Sorgfalt zum Teil bisher unbekannte Geschichtsquellen eröffnet und sie als Zeugen zur Bestätigung und Bekräftigung seiner interessanten Mitteilungen herangezogen. Er hat sich zugleich ein ferneres großes Verdienst dadurch erworben, daß er hier das nicht nur für die Geschichte der Juden in Basel, sondern für die der Schweiz in Betracht kommende, schier unübersehbare Geschichtsmaterial gesammelt, gesichtet, mit kritischem Auge geprüft und geordnet hat. Sein Werk bietet daher dem Historiker vom Fach eine wertvolle Fundgrube. Dem Buche ist eine Fülle urkundlicher Beilagen beigegeben, für die jeder wahre Geschichtsfreund dem Verfasser aufrichtigen Dank zollen wird. Von einer Inhaltsangabe dieses Buches wollen wir hier absehen und verweisen auf das Buch selbst. Hingegen dürfen wir eine für uns sehr auffällige Mitteilung hier nicht unerwähnt lassen, die wir, trotzdem wir an der Zuverlässigkeit des Verfassers zu zweifeln keinen Grund haben, auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen möchten: Auf Seite 162 (Fußnote) teilt uns der Verfasser mit, daß seit 1873 „im Basler Schlachthaus nach Führung des Schächtschnittes ein Schlag auf den Kopf des geschlachteten Tieres hinzugefügt wurde. Bei dieser Anordnung verblieb es bis zum absoluten Schächtverbot des Jahres 1893 (St.-A. B. Fleischakten 114)". Die älteren und zeitgenössischen Autoritäten haben solches Verfahren als verboten erklärt. Dr. Eh. Lauer. Ein jüdischer Kongreß in Toledo? Bei dem Kongreß für Handel und Kolonialgeographie, der jüngst in Barcelona abgehalten wurde, waren auch eine Anzahl Spaniolen anwesend (spanisch redende Juden aus dem Orient). Die Anwesenheit dieser gab dem angesehenen Journalisten Saturnino Timenes die Idee ein, dieses Jahr nach Toledo einen Kongreß von Spaniolen aus allen Teilen der Welt in Toledo einzuberufen. Man hat gerade an Toledo zu diesem Zwecke gedacht, weil diese Stadt reich an jüdischen Erinnerungen ist. Nach Timenes Ansicht würde die Regierung einen derartigen Kongreß mit allen Kräften fördern. Auswanderungsstatislik. Die jüdische Gesellschaft zum Schutz und zur Hilfe für Emigranten in Neuyork hat kürzlich ihren jährlichen Bericht herausgegeben für das Jahr 1912. In 1912 find im Hafen von Neuyork gelandet 64 738 jüdische Einwanderer, davon ganze Familien, d. h. Vater, Mutter und Kinder 2598. Teilfamilien, d. h. solche, die zu Eltern und anderen Verwandten gefahren sind, die bereits in Amerika angesiedelt sind, sind angekommen 6526, einzelne, d. h. vollkommen neue Einwanderer, die noch keine Beziehung zu Amerika haben, 12 990. Im ganzen waren 25 644 davon von 14 bis 45 Jahre alt, und 15 279 davon jünger als 14 Jahre. Verheiratete jüdische Einwanderer sind es 19 056 gewesen. Ende November 1913 landete der „Präsident Lincoln" 2000 Juden, meist aus der Gegend von Kiew, in Ellis-Jsland. Diese hatten aus Furcht vor Progromen bei Gelegenheit des Beilisprozesfes ihre Heimat verlassen. -^- Hin kalendarisches Kuriosum. Zu dem unter dieser Überschrift in voriger Nummer erschienenen Artikel schreibt uns Herr Dr. B. Cohn, Straßburg: Der Moled eines Monats fällt sehr häufig zwei Tage vor Rosch Chodesch, deshalb auch zuweilen auf Freitag, wenn der darauf folgende Rosch Chodesch am Sonntag ist. Im letzteren Falle findet dann immer das R. CH. Bentfchen nach Eintritt des Moleds statt; durchschnittlich wird es alle 8 Jahre einmal Vorkommen; so war es im Jahre 5667 (1906) beim Monat Kislew und wird wieder eintreten beim Monat Sivan im Jahre 5682 (1922). Wann der Brauch des R. CH. Bentfchens aufkam, weiß ich nicht, zweifellos aber erst nach Einführung des jetzigen Kalenders. So lange man den Neumondstag durch Beobachtungen bestimmte, konnte man ihn ja gar nicht einige Tage vorher verkünden. Hedakjaß. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Und ihr werdet mich suchen und finden; denn ihr werdet euch mir zuwenden mit eurem ganzen Herzen. Und ich werde mich von euch finden lassen, ist der Spruch des Ewigen, und zurückführen eure Gefangenen, und ich werde euch sammeln aus all den Völkern und aus all den Orten, dahin ich euch verstoßen, ist der Spruch des Ewigen, und werde euch zurückführen an den Ort, woher ich euch habe wegführen lassen." M i z p a. Mizpa lag im Norden Jerusalems, es war auf dem Gipfel eines Berges erbaut, und die kleinen Häuschen nahmen sich unten im Tale wie Vogelnester aus. Der Ort hatte wenige regelrechte Straßen. Viele der Häuser mit den runden Fensteröffnungen im Dache standen bald einzeln, bald zu zweien und dreien in Gruppen beisammen; dazwischen lagen kurze Wegstrecken, Weingärten, Oel- und Feigenpflanzungen, auch kleine, viereckige Getreideäcker. Die Statthalterei lag im Norden der Stadt. Durch eine Oelpflanzung und einige Felder von derselben geschieden, war sie auf der höchsten Spitze des Berges erbaut. Es war ein langes, niedriges Gebäude mit einigen kleinen, vergitterten Fenstern und einer einzigen Eingangstür nach vorn. Hinter demselben lagen noch einige Gebäude, einen Hof bildend. Unten im Tale, zu dem ein mit Myrten und Rosenbüschen umpflanzter Weg vom Berge herunterführte, stand ein Haus unter Palmen. Am Eingänge der Tür des Statthalterhauses saßen im Schatten der Bäume zwei Männer im eifrigen Gespräche, ein Greis und ein Jüngling. Der Greis trug Trauerkleider. Ein grauer Sack floß um feine Lenden und verhüllte die zerrissene Kleidung; Asche bedeckte sein weißes Haupt. Es war Jeremia, der zwei Tage und Nächte klagend und jammernd auf den Trümmern Jerusalems zugebracht und erst

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